Wildnisgebiet Rimella und Mastallonetal

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Rimella
Unten der Ortsteil San Gottardo
Im Hintergrund der Monte Rosa
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Situation
Entvölkerung
Alpwirtschaft
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Schmetterlinge
Flechten
Natur

Situation

Das faszinierende Naturparadies und Wildnisgebiet von Rimella liegt in den Sesia-Alpen der Region Piemont und ist nur 90 Kilometer Luftlinie von der Millionenstadt Mailand entfernt, nur 55 Kilometer Luftlinie von Locarno am Lago Maggiore, nur 47 Kilometer Luftlinie von Brig im Oberwallis, nur 29 Kilometer Luftlinie von Saas Fee und nur 24 Kilometer Luftlinie von der Dufourspitze, dem höchsten Gipfel des Monte Rosa! Das Mastallonetal liegt südöstlich des Monte Rosa, von Zermatt oder Saas Fee aus gesehen also "hinter" diesem bekannten Bergmassiv. Der Taleingang liegt in der Kleinstadt Varallo auf 450 Metern Seehöhe, und die höchste Siedlung ist San Giorgio di Rimella auf 1450 Metern. Die umgebenden Berge sind bis zu 2400 Meter hoch.

Übersichtskarte mit Rimella in der Mitte. Rechts sieht man den Lago Maggiore. Karte anklicken!

In diesem abgelegenen und unzugänglichen Gebiet abseits des Massentourismus findet seit über 150 Jahren eine massive Entvölkerung statt, die jetzt durch die jahrzehntelange Vernachlässigung, Verbrachung, Verbuschung und Verwaldung in der Entstehung von neuen Wildnisgebieten resultiert. Die alten Verbindungswege verschwinden im Dschungel und im Gestrüpp, und es gibt keine Hinweisschilder und keine Wegmarkierungen.

Nach Jahrzehnten anstrengender Arbeit im wildesten Gelände kennen wir im Mastallonetal über 600 uralte Wege. Seit vielen Jahren bieten wir mit großem Erfolg geführte Trekkingtouren an, im unteren Mastallonetal mit Stützpunkt Varallo und im oberen Mastallonetal ex Rimella. Unsere Tagestouren mit festem Standort - und sehr gutem Essen! - im Albergo Italia und im Albergo Fontana sind ideal für Bergwanderer, die einmal etwas Besonderes erleben möchten. Einzelheiten finden Sie hier und hier. Referenzen finden Sie hier. Glauben Sie nur, was Sie sehen: einige schöne Fotos sehen Sie hier. Mehr als 1700 (eintausendsiebenhundert!) topaktuelle Fotos und spektakuläre Digitalpanoramen gibt es hier!

Centaurea montana
Berg-Flockenblume
Alpe Scarpiola
12. Juli 2008, 1522
Foto anklicken!

Im folgenden beschreiben wir die Hauptursachen für die Entstehung dieses neuen Wildnisgebiets. Bei unseren Bergwanderungen werden wir unterwegs natürlich auf offensichtliche und erst recht auf verborgene Zusammenhänge hinweisen. "Man sieht nur, was man weiß" schreibt der Geograph Werner Bätzing im GTA-Nord-Führer auf Seite 10: nur mit einem wirklich ortskundigen Wanderführer, der jedes Jahr monatelang in der Gegend herumrennt und sowieso alle Einheimischen persönlich kennt, können Sie in diesem touristisch völlig unerschlossenen Wildnisgebiet auch unter die Oberfläche schauen und die komplexen Zusammenhänge zwischen der gerade in Rimella besonders interessanten Besiedlung, Geographie, Geschichte, Kultur und Wirtschaft begreifen - selbstverständlich ohne den abgehobenen, elitären und oberlehrerhaften Anspruch einer sogenannten "Studienreise"!

Entvölkerung

Die Geschichte der Entvölkerung in Rimella haben wir hier beschrieben: von 1381 Einwohnern in 1831, dem Maximum, auf 59 Einwohner in 2010, dem Minimum, mit weiterhin abnehmender Tendenz. Für das gesamte Mastallonetal sieht die offizielle Bilanz so aus

und in der Wirklichkeit ist sie noch dramatischer, denn nach unseren Erfahrungen wohnen nur 55 Prozent der gemeldeten "Residenti" tatsächlich noch das ganze Jahr über im Heimatdorf. Vuol dire: unter Fortschreibung der Dynamik dieser Statistik hat es 2010 im gesamten Mastallonetal tatsächlich nur noch 328 Einwohner!

"Offizielle" Einwohnerzahlen 1999 der Provinz Vercelli

Zum selben realistischen Ergebnis kommt man, wenn man die "offiziellen" Statistiken hernimmt: Val Mastallone 854 Einwohner abzüglich 22 Prozent Entvölkerung 1999-2009 mal 55 Prozent ergibt 366 tatsächliche Einwohner! Val Sermenza 799 ergibt eingedampft 343 Einwohner, Val Grande (das obere Sesiatal von Varallo bis Alagna, aber ohne die Kleinstadt Varallo und das Mastallone- und Sermenza-Tal) 2381 macht auch nur 1021 Einwohner, total also 1730 Einwohner in 2009 für sämtliche Bergdörfer zusammen oberhalb von Varallo. Das ist zufällig exakt die Einwohnerzahl von Hagelloch bei Tübingen, dem schönsten Ortsteil der Stadt mit der höchsten Lebensqualität Deutschlands. Nur teilt sich das im Sesiatal eben auf 20 (zwanzig!) selbständige Mikro-Gemeinden auf - die nicht nur nicht vernetzt sind, sondern more often than not auch noch gegeneinander intrigieren! - mit jeweils einem eigenen Bürgermeister, einem eigenen Rathaus und einer eigenen Verwaltung für durchschnittlich 86 Einwohner: ein administrativer und bürokratischer Irrsinn, der sämtliche gutgemeinten Ideen und Projekte schon im Ansatz zunichte macht und jeden halbwegs intelligenten Menschen brüllend davonrennen läßt. Ecco die gnadenlose Überalterung und die akut drohende totale Entvölkerung!

Region Piemont Entwicklung 2000-2006: Der Bevölkerungsrückgang ist besonders stark in einigen Gebieten der Nordost-Provinzen des Piemont. In weniger als 20 Jahren hat sich die Bevölkerung des Sesiatals praktisch halbiert. Was man als die "Krankheit" solcher Gebiete bezeichnen kann, ist die gesellschaftliche und wirtschaftliche Randlage. Sie ist der Ausgangspunkt eines Teufelskreises, der mit dem Zusammentreffen von Rezessionserscheinungen beginnt: der Bevölkerungsrückgang schwächt die Bevölkerungsstruktur, die Kaufkraft, die Einkommen und das System der lokalen Dienstleistungen, und er endet damit, daß er der Abwanderung den letzten Anstoß gibt. Somit entsteht eine Negativspirale, an deren Ende schließlich der praktisch völlige Verlust der menschlichen Besiedlung steht, mit einem stark negativen Einfluß auch auf die Erhaltung der Kulturlandschaft.

Susanne Lehringer schreibt in ihrem exzellenten neuen Werk Kulturlandschaft oder Wildnis in den Alpen auf Seite 525: "Die Erfahrung der Abwanderung von Familienmitgliedern, Verwandten und Nachbarn, der Zusammenbruch einer vertrauten Lebensform und der damit verbundenen Werte sowie der fortschreitende Verfall der umgebenden Landschaft stellen ein traumatisches Erlebnis dar, das diese Menschen tief geprägt hat. Dies drückt sich in einer resignativen, pessimistischen Grundstimmung aus, die zukunftsorientierten Initiativen im Weg steht. Die Menschen fühlen sich alleingelassen und vergessen. Sie erwarten von der Zukunft keine Verbesserung. Es dominiert ein allgemeines Gefühl der Marginalisierung und Benachteiligung, das für viele Berggebiete kennzeichnend ist."

In Rimella haben nach vielen Jahren harter Arbeit der Initiative Pro Rimella die meisten Einwohner allerdings verstanden, daß die verrückten deutschsprachigen Bergwanderer Geld im Dorf lassen und sich erst noch für ihr verlassenes Bergdorf interessieren und, das Verrückteste überhaupt ... wiederkommen! Anders als in Piana di Forno, wo Frau Lehringer ein Haus hat und zeitweise wohnt, gibt es in Rimella noch Läden und Bars und im Sommer ein Hotel, das zudem Etappenstützpunkt auf dem Weitwanderweg GTA ist, der allerdings von Jahr zu Jahr leider immer weniger Besucher ins Dorf bringt.

20. September 2003: Mit dem Bus nach Balmuccia, Wahnsinnstour auf die Alpe Ciresi Nigreri. Mitten im Dorf, ja sowas, da hat es ja noch einen Laden an der Hauptstraße! Der muß unbedingt unterstützt werden, also sofort rein und dies und das kaufen, Brot und reifen bockelharten Ziegenkäse direkt vom oberen Sermenzatal und ein Pfund Pfirsiche und La Stampa und die leckere Novi-Schokolade aus Alba passen sowieso immer ... Mein Herr, dies ist eine Kooperative nur für Mitglieder. Ich bediene Sie aber gerne, weil Sie Fremder sind und das nicht wissen konnten. - Scusa, Signora, ich möchte sofort Mitglied werden, weil ich solche Ideen gut finde und immer unterstütze. - Es ist 5 EUR pro Jahr, damit können wir wenigstens den Grundbedarf im Dorf anbieten und die restlichen Einwohner müssen nicht wegen einem Kilo Pasta bis nach Varallo reisen. - Signora, non lo crede, aber auch bei uns sterben die Dorfläden und diese Cooperativa ist eine Superidee!

Alpwirtschaft

Frau Lehringer schreibt auf Seite 517: "Wie eng die Bindung der angestammten Dorfbewohner an die Landschaft ist, wird besonders in den Erzählungen der ältesten Gesprächspartnerin von Piana di Forno deutlich, die heute noch, nach mehr als 30 Jahren, in ihren Träumen die Aufstiege zur Alpe, die Zahl der Wegkehren, die Ruhepunkte sowie die Überquerung steiler Pässe, die heute nicht mehr möglich ist, durchlebt. Die Dorfbewohner sind parallel zu den Landschaftsveränderungen gealtert. Sie haben den Landschaftswandel persönlich miterlebt. Durch ihr fortgeschrittenes Alter und den Verfall der Wege ist ihnen die vertraute Landschaft heute nicht mehr zugänglich und fremd geworden. Sie fragen detailliert nach dem Zustand der Alpen und der Wege dorthin. Durch den progressiven Verfall der Kulturlandschaft werden die Einheimischen von ihren Wurzeln getrennt."

Dieselbe Erfahrung haben wir auch in Rimella gemacht. Beim Betrachten der neuesten Digitalfotos von Jörg Klingenfuß sagt die alte Ada: "Das ist die Alpe Tossie. Dort habe ich meine ganze Jugend verbracht. Es war so schön und wir waren so viele Leute, das kannst du dir garnicht vorstellen. Wir sind barfuß bis zum Colle Segnara gelaufen, um die Ziegen zu suchen. Ich könnte heulen, wenn ich sehe, daß heute keine einzige Hütte mehr steht und man nur noch Ruinen sieht. Wir hatten sogar eine kleine Kapelle. Du mußt mir von dem Foto unbedingt einen größeren Abzug machen, damit ich es mit meinen alten Augen besser sehen kann. Wenn das mein Bruder wüßte. Und dann gehst du auf die Alpe Zer Obru Chescheru und machst mir ein schönes Foto von meiner Hütte rechts oben neben dem Brunnen, damit ich es noch einmal sehen kann, bevor ich nicht mehr da bin."

Alpe Tossie
24. September 2007, 1003

Man sieht hier gut, wie dünn und verletzlich die Vegetationsdecke im Gebirge ist. Wenn Wiesen nicht mehr gemäht oder durch Weidetiere abgefressen werden, kommt nicht etwa die "Urnatur" zurück - warum das so ist, steht hier! - , sondern die unumkehrbare Erosion zum nackten Fels beginnt: "An Steilhängen aufgegebene Mähder beginnen oft zu erodieren, da der Schnee im Winter an den nicht abgehauenen Pflanzenresten anfriert und bei allfälligem Abrutschen diese mitreißt und die Grasnarbe öffnet." erklärt der exzellente Alpenflora-Führer des SAC auf Seite 86. Die entstehenden Blaiken, die früher sofort mit Grassoden und Stabilisierungspflöcken repariert wurden und deshalb keine Bedrohung darstellten, haben sich aufgrund der unkontrollierten und somit ungebremsten Erosion innert fünfzig Jahren zu rechten Geröllhalden entwickelt. Niemand erinnert sich mehr daran, an welcher fruchtbaren Stelle mit einer meterhohen Humusschicht man gefahrlos Grassoden entnehmen kann und wie genau man sie richtig verpflanzt - ein jahrhundertealtes Wissen, das jetzt für immer verlorengeht. In weiteren fünfzig Jahren wird man keine Ruinen mehr sehen, und der ganze Hang, auf dem heute noch die Ziegen des knapp 80jährigen Costantino aus Sant'Anna weiden - des allerletzten Einwohners im diesem verlassenen Seitental von Rimella - wird eine einzige graue Geröllhalde sein! Der Verlust dieses Wissens ist dramatisch und unumkehrbar, weil es nach unserer jahrzehntelangen Erfahrung im Piemont keinerlei Aufzeichnungen gibt; sie wurden deswegen nie gemacht, weil dieses überlebenswichtige Wissen immer direkt vor Ort und selbstverständlich "nur" mündlich an die nächste Generation weitergegeben wurde; gleichzeitig wurde es den laufenden Veränderungen entsprechend kontinuierlich aktualisiert und optimiert. Niemand konnte sich vorstellen, oder gar voraussehen, daß innerhalb von nur wenigen Jahrzehnten viele abgelegene Berggebiete praktisch total entvölkert und aufgelassen werden! Ebenso weiß bald niemand mehr, wie man Pflanzen seit Jahrhunderten mit durchschlagendem Erfolg als Haus- und Heilmittel einsetzt. Noch vor 50 Jahren hatte auch in Württemberg jedes Dorf sein "Kräuterweible"; diese hochgeschätzten Frauen wußten hervorragend Bescheid über die - oft geheimen - Standorte der Heilpflanzen und deren Verarbeitung und natürliche Wirkung für Mensch und Tier. Frau Vogl-Lukasser schreibt in einer interessanten Arbeit über Osttirol: "Der Wandel in der Berglandwirtschaft geht einher mit einem unhinterfragten Ausscheiden vieler Elemente lokalen Wissens, beispielsweise Wissen über Alm- und Wiesenpflege, Futter- und Heilpflanzen, Landsorten, weil der gesellschaftliche, wissenschaftliche und politische Blick Hoch-, Informations- und Gentechnologie als einzige Lösungsstrategie für die Bewältigung aktueller ... Probleme postuliert."

Alpe Zer Obru Chescheru, Tüttschu für "Zur oberen Käserei". Diese Alpe wurde noch Ende der 1990er Jahre von Schaf- und Ziegenhirten zum gelegentlichen Übernachten benützt, deshalb sind vier Hütten noch recht gut erhalten. Zwei davon haben ein neues Wellblechdach, das zigmal billiger und schneller zu decken ist als die traditionellen Steinplattendächer. Adas Familie besitzt die Hütte rechts mit der Terrasse davor. Man sieht genau, wie diese Alpe vor Jahrhunderten an der weit und breit einzigen Stelle erbaut wurde, die vor den Lawinen geschützt ist durch die Felsen darüber. Aber auch hier sieht man schon die Entwicklung der seit etwa 30 Jahren vernachlässigten Blaiken zu unreparierbaren Geröllhalden! Eine gute Erklärung dieser Zusammenhänge für Laien steht hier. 24. Juli 2006, 1152.

Alpe del Cardone
Die abgelegenste Alpe im hintersten Val Roy wurde etwa 1960 aufgegeben
Zwei große Blaiken oberhalb der Hütten
Mehrere kleine Blaiken rechts
15. Juli 2008, 1209

Wenn man so wie wir mit den alten Leuten redet, hört man überraschend übereinstimmend immer wieder dieselben Geschichten, egal ob in Rimella oder im Stronatal oder 70 Kilometer Luftlinie weit entfernt im hintersten Val Verzasca im Tessin:

Laut dieser Statistik gab es 2006 in der Region Piemont noch über 1000 beladene Alpen mit mehr als 20 erwachsenen Rindern und über 300 Alpen mit weniger Rindern. Die total 22000 Milchkühe produzieren 77500 Liter Milch, aus denen 7500 Kilo Käse erzeugt wird. Diese Arbeit des Melkens und der Käseherstellung geschieht jedoch nur noch auf etwa der Hälfte der beladenen Alpen, woraus folgt, daß der Rest der Alpen - wie beispielsweise in der Schweiz - die Milch zur einfacheren Verarbeitung über Rohre und so weiter ins Tal transportiert.

Peter Danks, Geschäftsführer des Alpwirtschaftlichen Vereins im Allgäu, in Quo Vadis: "Die Kulturlandschaft ist das Produkt von vieler Hände Arbeit, fleißiger Menschen, die auch Freude an der Schönheit der Natur haben - und nicht etwa das Werk der zahlreichen Verordnungen und Vorschriften unkundiger Politiker und Beamten! Ohne Alpwirtschaft geht sowohl beim Tourismus als auch beim Naturschutz nichts, aber auch gar nichts mehr. Hoffentlich merken sie dies noch rechtzeitig."

Werner Bätzing, Autor der GTA-Wanderführer, schreibt schon 1986 über die zu erwartende Entwicklung in Bad Hofgastein: "Nur noch auf 12 von 55 Almen wird gekäst und gebuttert, meist von alten Leuten. Zu erwartende Entwicklung im nächsten Jahrzehnt: Die Landwirtschaft wird angesichts der Misere der EG-Agrarpolitik immer schlechtere Rahmenbedingungen erhalten."

Piana di Fobello, GTA Etappe 4
Renzo Giacobini ist 86 Jahre alt und arbeitet immer noch ...
Wir haben ihm ein paar schöne Fotos von seinen Bergen mitgebracht,
weil er nicht mehr so weit gehen kann
Im Stall präsentiert der Älpler stolz zwei pechschwarze Zicklein
"Strienghi? 'ndumma sübit!"
14. Mai 2009, 1820

Exemplarisch für die totale Weltfremdheit der "EU"-Politbonzen ist das Alpine Space Operational Programme 2007-2013. Hier in der schönen Universitätsstadt Tübingen sind wir ja von halbgebildeten Halbakademikern in den Halbhöhenlagen wahrhaftig einiges gewohnt, beim Teutates, aber ... dieser gnadenlos absurde "EU"-Quacksprech übertrifft nun wirklich alles und jegliches saudomms Läddagschwätz. Wohl bekomm's! Unseren besten Freunden im Piemont, den verarmten und vergessenen allerletzten Bergbauern dort oben, wird ein derart dämliches "EU"-Gelaber garantiert NIX bringen!

Alpine Space Operational Programme 2007-2013
Typische Soziologenkartoffelgrafik zur Selbst-Rechtfertigung
Was sagt uns dieses schöne Schaubild?
N I X !

Believe it or not, aber die gallisch-zentralistischen Vollidioten der sogenannten "EU" wenden ihre weltweit begrinsten absurden Vorschriften sogar noch auf die letzten piemontesischen Bergbauern an. "Di difficile comprensione è il fatto che una località di montagna che per la salvaguardia dell'ambiente ha bisogno del contadino, dell'animale e che comunque non molti anni or sono contava 500 bovini, oggi non dovrebbe superare la produzione di latte attribuita ad una ventina di vacche." schreibt Mario Antonietti in Remmalju 1995. Über die wortwörtlich "extreme Dummheit" der lächerlichen "EU" schreibt Ferruccio Vercellino 2004 in seinem Werk Insediamenti Walser al sud del Monte Rosa: "Le richieste ufficiali sono di una extrema stupidaggine nei riguardi dei più poveri contadini, meritevoli di premio per il solo fatto di restare a coltivare i sassi delle montagne! In questi ultimi tempi, i laboriosi montanari non sono scomparsi certo soffocati dagli aiuti ricevuti a tempo e con criterio dalla amministrazioni centrali: erano una quantità troppo trascurata per tenerne conto ed è scomparsa una richezza e con essi anche un equilibro ecologico." Über die schwere Arbeit schrieb uns Nadino Zoppo aus Quincinetto (GTA-Etappe 13) am 29. März 2008: "Sono nato in montagna e sin da piccolo ho imparato quanto sacrificio serve per poterla mantenere integra e fertile. Il duro lavoro giornaliero della mungitura, lavorazione del latte, accudire la stalla, pascolare gli animali, falciare il fieno d'estate e spandere il letame in autunno. Un lavoro vissuto da bambino sino alla fine degli anni 60. Da allora ho continuato a fare lo stesso lavoro nella cascina dei miei genitori durante il mio tempo libero."

Ronco di Fobello, GTA Etappe 4
Da hat doch einer Plastiksäcke mitten auf die schöne Wiese geschmissen ...
26. April 2010, 1244

Arbeiten wie im Mittelalter
Der arme alte Älpler Giuseppe hat kein Tragtier
Er muß den scharfen Ziegenmist von Boco inferiore
200 Höhenmeter rauf auf dem Rücken in die Wiese tragen
Dann verteilt er ihn als jahrhundertelang bewährten Naturdünger
mit den Händen (!) zum Erhalt der Artenvielfalt
Was tun die Superseckel von "Europa"
mit ihrer mafiösen maßlosen Agrarpolitik???
26. April 2010, 1241

Im Raum Rimella werden die Alpen Bach, Bise Rosso, Calzino, Capezzone, Cevia, Fauto, La Res, Pianello, Pian Via, Ratte, Rondecca, Scarpiola, Selletta, Sinanecca und Solivo noch bealpt - noch! Die Älpler arbeiten sehr hart, sie haben meistens keine Krankenversicherung und oft schon mit 40 oder 50 Jahren kaputte Band- und Kniescheiben. Viele dieser Alpen haben nicht mal Strom oder ein Drahtseil zum Materialtransport und schon gar kein Geld für den Hubschraubertransport, wo eine Minute 18 EUR kostet, plus 15 EUR für die Bodenmannschaft - Originalrechnung siehe hier! Käse zum Verkaufen und riesige Heuballen für das Vieh im Winter müssen sie wie vor hundert Jahren mit dem Tragtier oder auf dem eigenen Rücken nach Rimella hinunterzerren - nota bene: ohne Haitäck-Bergstöcke mit Easy Lock System Nordic Thermo Trigger Komfortgriff Super Power Cross Trigger Schlaufe! "Non siamo abituati di fare domande, poveri noi", sagt die alte Luigina aus dem malerischen San Gottardo, aber daß die Gemeinde es seit über zwanzig Jahren nicht fertigbringt, wenigstens ein Stromkabel von San Giorgio die paar Meter hinauf zu ihrer Alpe Wan zu legen, damit sie abends ein elektrisches Licht hat, das zipft sie schon gewaltig an. Dazu kommt seit Jahrzehnten aus Brüssel der reine Psychoterror mit immer absurderen Arbeitsschutz-, Herstellungs-, Hygiene- und Vermarktungs-Vorschriften für bäuerliche Familien- und Kleinbetriebe, von denen insbesondere auch wegen dieser immer perverseren Bürokratie in den letzten 50 Jahren über 90 Prozent schon längst aufgegeben haben. Wenn aber nur noch hochsubventionierte fabrikähnliche Großbetriebe standardisierte Lebensmittel produzieren, sind die Folgen für den verdummten und vergifteten Verbraucher entsprechend katastrophal: Einheitsgeschmack und Massenfraß wie Analog"käse" (gibt es eigentlich auch Digitalkäse?), Form"fleisch", "Mozzarella" zusammengerührt in Bayern (!) aus chinesischem (!!) Milchpulver (!!!) und selbstverständlich "EU"-normgerecht, denn die kriminelle Lebensmittelindustrie schreibt sich praktischerweise ihre "EU"-Gesetze gleich selbst, "Schinken"imitat aus Stärke-Gel, Pseudo"garnelen" aus gepreßtem Fisch- und Hühnereiweiß, und wer da eine gefriergeschockte "Pizza Margherita" für Drei Komma Neunundneunzig kauft und glüht und frißt und gar noch glaubt, das sei eine Pizza Margherita mit tollen Tomaten und echtem Mozzarella, dem ist eh nicht mehr zu helfen... Pfui Teufel!

Spiegel, 17. September 2005

Es ist umfassend nachgewiesen, daß die kriminelle und korrupte "EU"-Agrar- und Strukturpolitik ausschließlich die Interessen der supersubventionierten großen Agrarfabriken bedient, die ihre politische und wirtschaftliche Macht seit über einem halben Jahrhundert natürlich auch brutalstmöglich dafür einsetzen, ausschließlich ihnen genehme Gesetze schreiben zu lassen und somit die lästige kleine individuelle Qualitäts-Konkurrenz ein für allemal umfassend zu vernichten. Exemplarisch ist die überaus lächerliche Käseherstellungshygienevorschriftenrichtlinie im Originaltext - keine Panik, es sind nur 40 Druckseiten:

Hat beim Käsekaufen auf der Alpe Pianello
schon mal jemand die legendäre Graziella
nach einer "Genußtauglichkeitskennzeichnung" gefragt?
Ilachmezdaud!

Der 89jährige Älpler Robert Lauber arbeitet auf der Alpe Läger, unter dem Gipfel des Männlichen bei Grindelwald gelegen, und er wird zitiert in der SAC-Zeitschrift "Die Alpen" vom Juli 2009: "Schreibtischtäter, die das erfunden haben. Was herauskommt, ist Industriekäse, konform und neutral im Geschmack. Das macht doch keinen Sinn. Das ist doch ein Schritt gegen die Natur. Mit Sterilität machst du nicht nur die schlechten, sondern auch die guten Bakterien kaputt. Die EU wollte sogar die Verwendung von Holzbrettern für die Käselagerung verbieten." Was für Idioten!

Seit Jahrtausenden wird Käse natürlich auf Holzbrettern gelagert
Wie denn sonst, porco cane?
Zitat aus den Käseinformationen

Am Verzehr von Toma-Käse von der Alpe Pianello ist garantiert noch niemand gestorben ...
... aber garantiert an "täglich laborkontrolliertem" vergiftetem "EU"-Industriekäse!
Rückrufaktion einer Industriekäsefabrik in Österreich
deren Produkte unter dem ach so romantischen Markennamen "Reinhardshof" firmieren ...

Buam jo mei wia schaut deeees scheeee aus!
A scheans greans Hofguad a blaua Himmi a Holzbreddl a Bauanbrot
a Paradeisaschnitzn zwoa Bladdl Baasili an Kimmi obnauffi
Buam a soo a Gaude abraaa isoxeich!
In Wirklichkeit ist das Lumpenzeug da reinster Industriegiftkäse,
an dem man jämmerlich verrecken kann:
perfekt perverser Frankenstein-"Käse"!

Frankfurter Allgemeine Zeitung
17. und 18. Februar 2010

SOO sieht ECHTER Käse aus!
Keine superhygienische Verpackung, keine Lügenetiketten, kein Haltbarkeitsdatum
Keine "Ernährungs-Navigation" mit absichtlich total unverständlichen,
aber garantiert "EU"-gemäßen perversperfekten Inhaltsangaben
Kein DLG-Logo, kein "EU"-Idioten-e, keine Fettprozente, keine Kilokalorien
Keine Alufolie, keine Plastikschachtel, kein Strichcode
Garantiert keine "Genußtauglichkeitskennzeichnung" gemäß den "EU"-Idioten
Garantiert originaler guter Tomakäse ohne Todesgefahr!
Käsekeller auf der Alpe Pianello
28. Juli 2005, 1508

Auf der Alpe Pianello muß die Graziella (Foto von Jörg Klingenfuß auf Seite 9 im GTA-Nord-Führer) mit ihren beiden Töchtern von Mai bis Oktober Tag für Tag 38 Kühe und 72 Ziegen von Hand melken, nach einer Hüftoperation, die sie vor lauter Arbeit bis zuallerletzt hinausgeschoben hat: "Ho fatto un'estate da cane", sagt sie im Herbst 2003, wegen der Schmerzen konnte sie nachts kaum noch schlafen. Seit acht Jahren wartet sie darauf, daß die Gemeinde endlich das kaputte Drahtseil für den Materialtransport von und zu dieser größten Alpe von Rimella repariert. Die geldverteilenden Honoratioren und Politiker wohnen allerdings schon lange nicht mehr selbst in diesem Bergdorf am Ende der Welt, sondern in doppelter Hinsicht weit weg in Bern oder Bologna oder Mailand oder Novara oder Ravenna oder Turin, und sie haben keine Ahnung vom harten Alltag der allerletzten Handvoll Leute da oben - gli ultimi lassù! - und von deren unmöglichen Arbeitsbedingungen. Die solcherart maßgeblichen Leute sind außerdem noch regelrecht besessen und somit mental völlig blockiert durch ihre irrealen Träumereien von einer längst vergangenen Walserkultur und Walsersprache, von "ihrem Rimella", das es so schon längst nicht mehr gibt, denn "die Jungen" unter 50 sprechen im Alltag nur noch Italienisch und Valsesiano - was denn sonst? Größere Summen sind deshalb stets sofort verfügbar für einen nutzlosen Umbau des Museums, das gerade mal fünf Tage pro Jahr geöffnet ist - für wen eigentlich? - , für eine neue Videoglotze für den Walserverein, damit alte Leute alte Filme aus alten Zeiten anschauen können, oder für hochgelehrte Bücher und Vorträge über die nahezu tote Sprache und die glorreiche Vergangenheit von Rimella. Für die Gegenwart und die Zukunft, das heißt für die restlichen Einwohner im Ort, die keine wortgewaltige halbakademische Lobby haben, bleibt dann natürlich nix mehr übrig, schon gar nicht lächerliche tausend Euro für ein neues Drahtseil oder für die dringendst nötige Wegarbeit! "Bitte schreib doch du mal einen offiziellen Brief an die Gemeinde, damit sie endlich den kaputten abgerutschten Weg von der B hinüber zu unserer Alpe C herrichten, ich versuche es schon seit Jahren ohne Erfolg, vielleicht hören sie wenigstens auf dich wegen deinen Wandergruppen!", sagte der alte R im September 2004. Da non credere, erst fünf Jahre später im Sommer 2009 wurden diese dringenden Wegarbeiten endlich in Angriff genommen!

Alpe Pianello, 1805 Meter
Die größte, höchste und wichtigste Alpe von Rimella
Die Käseproduktion wie im Mittelalter rentiert schon lange nicht mehr
Jeden Tag müssen 38 Kühe und 72 Ziegen von Hand gemolken werden
Keine Anerkennung, kein Geld, keine Materialseilbahn, kein Strom, keine Zukunft
Der Materialtransport rauf-runter geht mit einem Esel ...
Giorgio diskutiert mit Anna und Corrado
und (nicht im Bild, sie macht gerade noch mehr Cafè) der legendären Graziella
die äußerst mühsamen Möglichkeiten,
auch ohne Hilfe von außen den Betrieb irgendwie weiterzuführen
Foto Horst Weise, Teilnehmer beim Bergwandern in Rimella 2002 2004 2008
13. Juli 2008, 0946
Foto anklicken!

Der Preis für die "Treue zu den Bergen"
ausgerichtet von den Gebirgsjägern im Sesiatal
wird an die Älplerin Graziella Dago verliehen
Sie erhält den Preis als erste Frau überhaupt!
Anschließend wird natürlich gefeiert - im Albergo Fontana, wo denn sonst?
La Stampa, 17. Oktober 2010

Alpe Rondecca, 1565 Meter
Die Situation ist ähnlich schwierig wie auf Pianello
Giorgio diskutiert mit Ida und Giacomo (links) und Bekannten
und verteilt seine berühmten "gelben Zettel"
mit den Adressen der umfangreichen Internet-Seiten
Nur (s)ein intelligenter Tourismus kann die Kulturlandschaft noch retten
Foto Horst Weise, Teilnehmer beim Bergwandern in Rimella 2002 2004 2008
18. Juli 2008, 1304
Foto anklicken!

Alleine im Mastallonetal gab es total weit mehr als 200 Alpen. Fast alle Alphütten sind wegen der massiven Entvölkerung schon vor mehreren Jahrzehnten aufgegeben und verlassen worden, was man auch auf unseren topaktuellen Fotos gut sieht, und sowieso auf keiner Karte mehr zu finden. Nur wir kennen diese extrem abgelegenen und einsamen Plätze - Romantik und Natur pur! - und deren spannende Geschichte sowie die verborgenen und längst vergessenen Wege dorthin, und auch weit darüber hinaus bis auf die unmöglichsten Pässe und wildesten Gipfel. Wegen der heutzutage unvorstellbaren Übervölkerung (!) im Mittelalter mußte damals buchstäblich jedes halbwegs ebene Fleckchen Erde als Alp oder Mähwiese oder Pferch oder Viehweide gerodet und genutzt werden: das Verb roncare heißt roden, es findet sich heutzutage aber nicht einmal mehr im 2200 Seiten umfassenden Paravia Langenscheidt Handwörterbuch Italienisch. Das participio passato ist ronco, was dann als Substantiv = Ortsname Ronco zigmal auf jeder Landkarte vom Tessin bis hinunter nach Sizilien aufscheint. Die Alpe Vairolo beispielsweise, mehr als 1000 Höhenmeter senkrecht über dem Mastallonetal gelegen mit spektakulärer Aussicht auf Cervatto, Fobello, Rimella und den Monte Rosa sowieso, liegt mühsame drei Stunden Aufstieg vom nächsten Dorf Ferrera entfernt und wurde wegen ihrer extrem exponierten Lage schon vor über 80 Jahren aufgegeben. Heutzutage sind dort oben nur noch die Wilderer unterwegs: einer der fleißigsten Vertreter unserer Zunft hat erst vor einigen Jahren unter der Hand eine einigermaßen erhaltene Alphütte auf der unterhalb von Vairolo gelegenen Alpe Giavina Lunga erworben, und das garantiert nicht, um dort spazierenzugehen oder Pilze zu suchen oder ein Knutschwochenende mit der Freundin zu verbringen ... "Porco cane, was lachst du eigentlich, ich mache doch schon lange nix mehr. Wenn ich aber zuuuuufällig gerade dort oben Blumen pflücke und es fällt zuuuuufällig ein schöner Gamsbock mit einem Herzinfarkt gerade vor mir auf den Weg, dann kann ich das arme Tier doch nicht einfach liegenlassen, oder?" Eben. Fotos anklicken!

Alpe Barbughera
15. September 2005, 1434

Alpe Cà d'Marco
20. April 2007, 1049

Alpe Cà Giulia
6. Juli 2006, 1222

Alpe Campo di Rossa
30. April 2005, 1240

Alpe Casaroli
26. April 2009, 0944

Alpe Cascinelli
21. April 2005, 1157

Alpe Casera
10. August 2009, 1754

Alpe Catcuràa
28. Mai 2005, 1106

Alpe Cevia Bassa
28. Mai 2005, 1047

Alpe Ciupai
2. September 2005, 1538

Alpe Colletta
7. September 2006, 0927

Alpe Corti
15. September 2005, 1146

Alpe Costa
10. September 2006, 1041

Alpe Cottura
21. September 2006, 1156

Alpe del Cardone
15. Juli 2008, 1209

Alpe di Rondo
28. Mai 2006, 1059

Alpe Dorcie
17. September 2008, 1001

Alpe Ebelje
4. Juni 2006, 1228

Alpe Fornale di sopra
4. August 2005, 0857

Alpe Ghalmanna
30. April 2005, 1316

Alpe Ghebrecco
7. Oktober 2009, 1158

Alpe Ghiaccio
25. Mai 2006, 1126

Alpe Ghignole
9. August 2006, 1121

Alpe Giavina Lunga
22. Juli 2005, 1216

Alpe Grasso
19. Juni 2005, 1214

Alpe Jazz
23. Mai 2006, 1421

Alpe Kaval
17. Juni 2006, 1310

Alpe La Bonda
22. April 2006, 1240

Alpe La Fabbrica
25. September 2009, 1123

Alpe Laghetto
14. September 2005, 1414

Alpe Lagone
26. August 2005, 1256

Alpe La Rossa
5. September 2006, 1001

Alpe Lavaggio
22. April 2006, 0958

Alpe Locce
20. Juni 2009, 1014

Alpe Masareui
30. April 2005, 1059

Alpe Massero
21. Juli 2005, 1036

Alpe Mazzuccaccio
19. April 2007, 1124

Alpe Orletto
24. Juni 2006, 1200

Alpe Orlo di Volta di sopra
6. Mai 2009, 1142

Alpe Oropiano
20. April 2007, 1012

Alpe Ovaghe
25. Mai 2006, 1012

Alpe Passo della Sella
3. Oktober 2007, 1238

Alpe Penninetto
5. Juni 2005, 1012

Alpe Pertus
6. September 2007, 1133

Alpe Pianaccia
3. September 2006, 1221

Alpe Piana Ronda
27. Juli 2006, 1026

Alpe Pian Campello
15. September 2005, 1416

Alpe Pian dal Böösk
21. Juni 2006, 1121

Alpe Piano Scarognino
19. April 2006, 0928

Alpe Piovàa
2. September 2005, 1505

Alpe Pizzetto
26. Juni 2008, 1047

Alpe Pizzole
28. Mai 2005, 1123

Alpe Prà Piano
22. April 2006, 0903

Alpe Prato Bianco di sotto
15. September 2005, 1357

Alpe Ratti inferiore
8. Juli 2007, 0914

Alpe San Gottardo Chescheru
31. August 2006, 1639

Alpe Sass Luluc
6. Juni 2007, 1023

Alpe Sasso del Gatto
22. Juli 2005, 1036

Alpe Solivo di Cravagliana
9. Juli 2006, 1303

Alpe Schattelte
7. Oktober 2009, 1039

Alpe Sopriva
10. Oktober 2009, 0743

Alpe Tele di sopra
20. Juni 2009, 1153

Alpe Tele di sotto
20. Juni 2009, 1219

Alpe Tommen Akku
5. Oktober 2009, 1213

Alpe Tracciora
30. April 2005, 1109

Alpe Vairolo
13. Juli 2005, 1248

Alpe Vegliana
4. Juni 2006, 1204

Alpe Zum Träntje
4. Juni 2006, 0908

Alpe Zum Vukschlu
27. April 2005, 0917

Alpe Zun Engo
1. Mai 2009, 1125

Traditionen

Im Mittelalter entstand die Idee der gemeinsamen Arbeit, beispielsweise beim Bau neuer Wege und beim Erhalt der bestehenden Wege.

Kunstvolle und extrem aufwendige Weganlage im Hochgebirge. Drei Techniken von links nach rechts: 1. Das Felseck wurde weggesprengt; am Zoom sieht man sogar noch recht gut die beiden senkrechten Sprengkanäle. Dieser Walserweg ist viele Hunderte von Jahren alt, und da es erst seit 400 Jahren Schießpulver und erst seit 170 Jahren moderne Sprengstoffe gibt, wurde mit großer Wahrscheinlichkeit die uralte Holzpfahl-Wasser-Methode angewendet. Unter dem Abbruch wurde mit einer Trockensteinmauer die Trasse angelegt. 2. Auch das Bachbett wurde mit Natursteinen hochgemauert, und darauf wurden massive Trittsteine gelegt, die auch bei Hochwasser oder durch Schneelawinen nicht weggerissen werden und außerdem die fragile Natursteintragmauer wirksam schützen. 3. Der Weg führt mitten durch eine labile Geröllhalde; diese wurde oberhalb durch eine Trockensteinmauer abgefangen, und unterhalb wurde auf einer weiteren Trockensteinmauer die Trasse angelegt. Was für eine ungeheure Arbeit! GTA Etappe 3 Bocchetta di Campello Monti - Rimella. 10. Oktober 2009, 1218. Foto anklicken!

Von dieser sogenannten "Corvè" waren insbesondere die Männer betroffen, und ihr Anteil an der gemeinsamen Arbeit entsprach exakt der Größe ihrer Familie, beispielsweise "San Gottardo, Riolo Giovanni, 10 Tage im Jahr". Die Corvè ist eine freiwillige und sinnvolle Absprache innerhalb einer Dorfgemeinschaft, und sie darf nicht verwechselt werden mit Frondienst und Knechtschaft der Leibeigenen für ihren Grundherrn, denn so etwas gab es in Rimella nie, oder gar mit dem perfiden System der Sklavenarbeit in den Kolonien, das hier beispielhaft beschrieben ist. Die Corvè wurde jeweils Anfang Jahr schriftlich festgelegt und genauestens überwacht und hat sich jahrhundertelang bestens bewährt. Vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis in den Zweiten Weltkrieg waren die Arbeiter bei der Corvè sogar durch den Staat Italien garantiert gegen Unfälle versichert. Durch den Wegfall dieser Versicherung nach dem Krieg und insbesondere natürlich durch die dramatische Entvölkerung und Überalterung ist das System der Corvè in den 1950er Jahren endgültig zusammengebrochen und hat somit den flächendeckenden Verfall der Bergwege weiter beschleunigt.

Florian Boller zitiert einen Einheimischen in seiner sehr lesenswerten Arbeit über Wildnisgebiete im Tessin: "Wer unsere Berge nicht aus der Nähe kennt, kann sich von der riesigen Arbeit keine Vorstellung machen, die für den Bau der Alpwege nötig war. Es sind Kilometer von Stützmauern, Zehntausende von Stufen; an den schwierigsten Stellen war es nötig, den Weg aus dem Felsen zu meisseln, oder Stege aus Lärchenbalken zu bauen. Diese gefährliche Arbeit mussten die Menschen hängend an Seilen verrichten. Aber es gab nicht nur die Alpwege, die Kuhwege, wie sie genannt wurden. Man musste auch hundert andere, kleinere Pfade und Abkürzungen bauen, für die Ziegen, für die Wildheuer, damit sie an den unzugänglichsten Hängen den letzten Grashalm ernten konnten." Exakt an diese "unmöglichen" Heuwiesen erinnern sich heute noch die alten Leute von Rimella. Aurelia: "Da ragazza ho tagliato il fieno sotto s'Karl-Vurkelte e lo ho portato sulle spalle fino al Dörf." Donato: "Guarda quel prato pazzesco, lassù sotto la cima del Kaval. Roba da matt'!" Manuela: "Ci sono posti veramente assurdi, passi di venti centimetri, scale nella roccia dove passavano con i carici sulle spalle ..."

"... posti veramente assurdi ..."
Diese extrem ausgesetzte Wiese über senkrechten Felswänden und Schluchten
wurde vor einem halben Jahrhundert noch regelmäßig gemäht
Der Zustieg führte über eine Steintreppe in den Felswänden
22. April 2010, 1218

Wir verfügen über jahrzehntelange Wildniserfahrung, topaktuelle GPS-Daten, Zehntausende von Fotos, zigfaches optisches (!) Zoom und Hunderte von hochauflösenden Digitalpanoramen. Diese einzigartige Kombination ermöglicht uns - und sonst niemandem! - das Auffinden uralter Wegspuren, die nicht mal die Einheimischen mehr kennen. Beispielsweise entdeckt man - bei optimalem Sonnenstand und idealem Restschnee - oberhalb einer seit vielen Jahrzehnten total verlassenen und vergessenen Alpruine in exponierter Lage, die sogar den Superlawinenwinter 2008/2009 noch überlebt hat ...

... zwei uralte und extrem ausgesetzte "Weg"spuren durch den berüchtigten Dross auf einen so unscheinbaren wie hervorragenden Aussichtsberg ...

... die dann vor Ort tatsächlich - nur für Verrückte - eine erst noch spektakuläre Überschreitung ins supereinsame Nachbartal ermöglichen. "Lì è un po' brutto ..."

Auch der Dachbau ist gemeinsame Schwerstarbeit. Seit Jahrhunderten sind die Handwerker aus Rimella im ganzen Sesiatal und weit darüber hinaus als die besten Fachleute für Steindächer bekannt und entsprechend nachgefragt. Anhand dieses Fotos von der Alpe Selletta läßt sich anschaulich das ungeheure Gewicht eines Steinplattendachs ausrechnen. Hier leistet sich ein Flachlanditaliener aus Mailand den Umbau einer alten Alphütte als Ferienluxusbude. Die Lattung besteht aus 30 Sechziger-Latten von jeweils 8 Metern Länge. Die Granitplatten sind etwa 60 mal 40 mal 6 Zentimeter groß, sie wiegen unbehauen gute 40 Kilogramm und werden palettenweise mit dem Transporthubschrauber auf die gut sichtbare Hilfskonstruktion am First abgesetzt. Vor dem Legen werden sie fachmännisch vorsortiert, man sieht hier schön die "guten" Platten rechts, die "schlechten" links und die wiederverwendbaren Platten vom alten Dach ganz links: diese extrem kritische Selektion von Hand und nach Sicht ist eines der größten Geheimnisse der Rimmelesi und sie entscheidet darüber, ob das Werk "nur" 50 Jahre hält - oder doppelt so lang! Gelegt wird von unten nach oben und gleichzeitig werden die Platten nach außen behauen, so daß die Sichtkante am Ende etwa 35 Zentimeter Breite hat. Die Platten werden nicht eingehängt oder festgeschraubt, sie halten alleine durch ihr großes Gewicht bei der idealen Neigung und durch die Reibung bei der korrekten Überlappung. Total benötigt man bei diesem Dach pro Latte (800 : 35 =) 23 Platten, für 30 Lagen also 690 Platten und für beide Dachhälften total 1380 Platten. Das macht 1380 mal 60 mal 40 mal 6 = 19 872 000 Kubikzentimeter oder 20 Kubikmeter. Bei einem spezifischen Gewicht von 2,9 sind das total 58 Tonnen alleine für die Steinplatten. Dazu kommen noch etliche Tonnen für das massive Tragwerk. Was das ganze kostet - plus Transporthubschrauber für 18 EUR pro Minute plus Bodenpersonal für 15 EUR pro Minute plus Mehrwertsteuer - kann man sich denken ... Dünner, kleiner, leichter und wesentlich billiger sind Schieferplatten, die wegen der erheblichen Wasseraufnahme und raschen Verwitterung natürlich nicht so lange halten. 18. September 2006, 1021.

Das Dach ist fertig
22. April 2007, 0828

Neues Tragwerk für das pyramidenförmige neue Steinplattendach des Albergo Fontana, Gewicht etwa 200 (zweihundert) Tonnen. Das Foto vom 2. Juli 2006 zeigt die massive Eckkonstruktion mit Dachbalken aus 45 Zentimeter starken besonders ausgesuchten Lärchenstämmen. Auch die Sparren haben satte 30 Zentimeter. Pro Zentimeter Stärke muß das Tragwerk vor dem Bau ein Jahr lagern, sonst wird das nix, denn Holz schafft! Bei den besten Handwerkern aus Rimella - Planung, Statik, Mauerwerk, Tragwerk, Blechpatscherei und Dach kommen stets aus einer Hand! - hält so ein Steinplattendach etwa 80 bis 100 Jahre ...

Durch das System der Realteilung wird im Erbfall der Grundbesitz stark aufgeteilt. Eine zwangsweise Flurbereinigung wie beispielsweise nach dem Zweiten Weltkrieg in Baden-Württemberg hat es in Italien nie gegeben. Über die Jahrhunderte führte das zu einer unglaublichen Zersplitterung der Eigentumsverhältnisse, bei der die meisten Grundstücke nur noch wenige Quadratmeter klein sind. Wer sich einen aktuellen Katasterplan anschaut, den trifft wirklich der Schlag:

Digitaler Katasterplan von Villa superiore di Cervarolo im unteren Mastallonetal. Die Entfernung zwischen der Kirche, mit einem Kreuz gekennzeichnet, auf 882 Metern Seehöhe und dem Weg, der die Markung links begrenzt, genau westlich der Kirche auf 971 Metern, beträgt laut GPS genau 361 Meter. Daraus folgt, daß beispielsweise das mit einem roten Punkt markierte Grundstück eine Fläche von gerade mal 18 • 14 Metern hat, also lächerliche 252 Quadratmeter.

Etliche weltfremde grüngraue Schreibtischschwätzer glauben zu wissen, daß schon wenige Jahrzehnte nach dem Rückzug des Menschen und seiner Weidetiere aus dem Alpgebiet endlich wieder die romantisch (v-)erträumte "Urnatur" mit Tausenden von verschiedenen Pflanzenarten und ein paar Trillionen schöner Blumen und Schmetterlinge aus dem Nirwana "irgendwie und so" sanft darniederschwebt. In der Wirklichkeit trifft jedoch das genaue Gegenteil zu. Ausführliche Beschreibungen und Erklärungen findet man in den exzellenten wissenschaftlichen Standardwerken des Geographie-Professors und GTA-Führerautors Bätzing und insbesondere bei der Biologie-Professorin Lehringer, die im Wildnisgebiet unseres schönen Nachbartals Val Strona arbeitet und forscht - beides Leute mit jahrzehntelanger Praxis, die anders als irgendwelche tumbe Trielträumer auch schon öfters mal ein piemontesisches Buschmesser von nahem gesehen haben! - , sowie in Dutzenden von weiteren exzellenten Arbeiten wie beispielsweise hier: "Von allen Vegetationseinheiten weisen extensiv bewirtschaftete Wiesen und Weiden die größten Artenzahlen pro Fläche auf. Schon gewisse Zwischenstadien wie beispielsweise Grünerlengebüsche sind ausgesprochen artenarm. Magerrasen entwickeln sich im Südtessin innert 15 Jahren zu dichten Vorwäldern. Rote-Liste-Arten werden im Berggebiet durch die Bewirtschaftungsaufgabe zurückgedrängt." ... und nicht etwa begünstigt! Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. April 2008, über die Familie Wehrli auf einer Alp in der Schweiz: "Dort, wo es keine Hirten mehr gibt, holt sich die Natur das Land zurück, das man ihr mühsam abgetrotzt hat. Der Wald kommt und nimmt sich pro Sekunde eineinhalb Quadratmeter Schweiz, das sind jeden Tag zehn Fußballfelder. Täler und Alpwiesen verschwinden, mit ihnen die Vielfalt der Arten." Auch für die gerade in Rimella unglaublich große Vielfalt und Vielzahl an Schmetterlingen und anderem Krabbelzeug ist der Grünerlen-Dschungel tödlich:

Verbuschung Stufe 0
"Grasphase" der Sukzession nach Surber
Diese perfekte Wiese beim Ortsteil Prati wird von der Annetta und dem Eugenio
noch regelmäßig mit der Sense gemäht und mühsam von Hand gepflegt
Die Artenvielfalt ist extrem hoch - und einfach schön!
1. Juni 2005, 1430

Verbuschung Stufe 1
"Krautphase" der Sukzession nach Surber
Rimella Villa superiore
Der Laie sieht noch "eine schöne Bergwiese", aber ...
genau so nimmt das Unkraut und mit ihm das Unheil seinen Lauf!
24. Juni 2008, 1819

Verbuschung Stufe 2
"Staudenphase" der Sukzession nach Surber
Rimella San Giorgio
Kein Mensch ist mehr da, der sofort das verfluchte Schadzeug rausreißt!
Auf kommt "Bärchhai", das gottverdammte gelbe Stangengras,
das bestenfalls noch die Ziegen fressen ...
27. September 2008, 1329

Verbuschung Stufe 3
"Strauchphase" der Sukzession nach Surber
Die grüne Vorhölle des Piemont
Weg Rimella Prati - Alpe Zu Fleppenne
Diese Wiese wird seit etwa 5 - 7 Jahren nicht mehr gemäht
oder durch Weidetiere abgefressen
Es gibt kaum Blumen und das Grünerlenzeug,
der Todfeind jedes GTA-Wanderers, steht schon über einen Meter hoch!
24. Juli 2007, 1728

Verbuschung Stufe 4
"Baumphase" der Sukzession nach Surber
Die grüne Hölle des Piemont
Posa dei Morti, direkt unterhalb der GTA
Nach 12 - 15 Jahren hat sich das Gebüsch zu einem typischen Stangenwald entwickelt
Der engstehende Stangendschungel ist etwa 5-6 Meter hoch
Entdeckt hier irgendjemand noch irgendeine Blume?!
Artenvielfalt gibt es da drinnen schon lange nicht mehr!
Für Menschen ist hier ohne Motorsäge kein Durchkommen ...
21. September 2007, 0854

Da hat einer eine Handvoll Häuser auf einen nackten Berghang geworfen, an der einzigen Stelle weit und breit, die nicht zu steil und auch nicht lawinengefährdet ist. Das da ist nicht Tadschikistan oder Tibet, sondern Meula in einem der wildesten Seitentäler des Mastallonetals, das wir besser kennen als irgendjemand sonst. Vor hundert Jahren hatte es 300 Einwohner, heute 3 (drei). Nur im Frühjahr, das heißt in den zwei bis drei Wochen unmittelbar nach der Schneeschmelze und vor der Wiederbelaubung, sieht man, daß drumherum alles, aber wirklich alles! bis in die steilsten Gräben und in den nackten Fels hinein, mit Trockenmauern terrassiert war. Was für eine ungeheure Arbeit! Standort Cima Lavaggio, 22. April 2006, 1123.

Villa superiore, einer der höchsten Ortsteile von Rimella. Auch hier sieht man die alten Trockenmauern, die jetzt mit Gras zuwachsen und von unten nach oben verbuschen. Inutile dire che, auch in diesem Labyrinth von Terrassen gibt es Wege, die weder beschildert noch markiert sind und die nur wir kennen. Standort Monte Tracciora di Fobello, 10. Mai 2007, 1132.

Diese Schwarzweißfoto wurde etwa um das Jahr 1900 herum aufgenommen. Der Autor ist unbekannt, sein Standort war höchstwahrscheinlich die Alpe La Res, also etwas weiter rechts = südlich als unser Farbfoto von 2007. Vor über 100 Jahren muß es eine Sauarbeit gewesen sein, die schwere Fotoausrüstung mit Teleobjektiv und Stativ dort hinaufzuschleppen. Diese einzigartige Dokument wurde uns erst 2006 unter der Hand von den Einheimischen zugespielt. Man sieht sehr gut die alten Terrassen und Felder links = nördlich von Villa superiore, lange vor der brutalen Entvölkerung und darauffolgenden Verbuschung. Bemerkenswert ist, daß der überlebenswichtige "Pineta", der Lawinenschutzwald über den zentralen Dorfteilen, der heute - siehe oben - unmittelbar oberhalb der Häuser beginnt, hier nicht zu sehen ist. Stattdessen sieht man unmittelbar über den ersten Häusern einen riesigen vegetationslosen Erosionsgraben, den es heute nicht mehr gibt - siehe oben; diesen Graben haben wir jeweils mit einem roten Pfeil markiert. Es handelt sich wohlgemerkt nicht um den großen Graben links des Schutzwaldes! Daraus folgt: erstens, der Erosionsgraben wurde innerhalb der letzten hundert Jahre fachmännisch perfekt befestigt und bepflanzt; heute kann das niemand mehr. Zweitens, ebenfalls innerhalb der letzten hundert Jahre wurde der Lawinenschutzwald durch gezielte Anpflanzungen bis unmittelbar über die obersten Häuser ausgedehnt. Wie man bei uns sagt: "Die Alten waren auch keine Seckel"!

Die restlichen Einwohner sprechen selbst von "fazoletti qua e la", weit auseinanderliegenden Flächen von der Größe eines Taschentuchs. Wegen der harzigen Mentalität der Bergbewohner ist eine Zusammenlegung mit dem Ziel der rationelleren und einfacheren Bewirtschaftung praktisch unmöglich und käme heute sowieso viel zu spät. Schon die Idee, die fünf Mikrogemeinden im Mastallonetal - Cervatto, Cravagliana, Fobello, Rimella und Sabbia - mit total 370 Einwohnern endlich zusammenzulegen, um effektiver zu arbeiten und gegenüber den Behörden mehr Macht zu haben, führt zu flächendeckenden Lachkrämpfen und zur Feststellung: "Das ist vollkommen unmöglich, da würde sofort der Krieg ausbrechen." Cervatto hat - nach eigener Aussage! - im Winter 22 Einwohner, und wenn man die Leute genauer fragt, sind es tatsächlich nur noch acht!

Eine weitere uralte Tradition, von der die bedauernswerten grüngrauen Schreibtischtäter aus den Städten genausowenig Ahnung haben, ist das Wildern. Je fanatischer beispielsweise Gebiete des wilden Sesiatals geschützt, gesperrt, reguliert und verwaltet werden, umso aktiver werden die Wilderer: A casa mia comando io! Exemplarisch sind die zunehmend chaotischen Zustände im nahen Nationalpark Val Grande. Nachdem der Parco Naturale Alta Valsesia in den 1980er Jahren dekretiert wurde und in der Folge insbesondere der Kollege B. aus Morca so ziemlich alles leergeschossen hatte, hat sich im mittleren Sesiatal dagegen die Lage normalisiert. Zum Glück hat auch er sich inzwischen beruhigt, denn an und pfirsich sollte man den Spaß und vor allem die Provokation nicht unnötig übertreiben. Nach dem Superwinter 2008/2009 war er mit seinem Sohn ein paar Tage lang ein paar Täler weiter weg zum Tragwerksbau auf einem von der Schneelast eingestürzten Dach in Tapponaccio ("porco cane, non mi conosci più?"), mit Übernachtung in der daneben leerstehenden Alphütte vom Remo, der es mit seinen Kühen und seinen 77 Jahren jetzt "nur noch" bis Oro Negro schafft, und die beiden hatten garantiert nicht nur Brot und Wein und Salame und Grappa dabei im Rucksack, und das ganze Tal war alarmiert: "Der Hubschrauber hat dann zuallerletzt noch so einen ganz komischen Transportsack von der Baustelle heruntergeflogen zu deren Lastwagen ... Den haben sie aber nicht aufgemacht und da war sicher ein starker Hirsch drin und ein paar Gams sowieso ..." Wer "geht", macht das schon lange nicht mehr aus der Not heraus, so wie es beispielsweise zur überlebensnotwendigen Fleischversorgung im Zweiten Weltkrieg geschah, als es eben auch noch "richtige" Winter gab. Wer "geht", demonstriert heute damit insbesondere gegenüber der Obrigkeit, daß sie in seinem Gebiet überhaupt garnix zu suchen oder gar zu befehlen hat und daß er bei sich zuhause macht, was er will: A casa mia comando io!

Cià ... prendilo! 'ndummmmma!
Irgendwann, irgendwo ... a casa mia!

Jeder Einheimische weiß natürlich ganz genau, wer "geht", und witzigerweise hat es unter ihnen auch Parkaufseher und Jäger, denn die Grenzen diverser Persönlichkeiten sind fließend ... Im übrigen ist im zunehmend menschenleeren Wildnisgebiet des Sesiatals mehr als genügend Wild für alle da. Wenn die Wilderer links gehen, gehen die Carabinieri rechts, denn man kennt sich sowieso und nur zu gerne vermeidet man unnötigen Ärger und lästige Schreiberei. Hat man eigentlich den fetten Forstaufseher F. schon mal oben im wilden Val Piatt gesehen, das genau das Gegenteil von "piatt" ist und an dessen Eingang man nur nach 400 Höhenmetern steilem Aufstieg gelangt - auf einem Schleichweg für Eingeweihte, dessen Anfang wir wie immer absichtlich zugewachsen lassen, damit ihn sonst keiner findet? Daß diese hohen Herren vom Corpo Forestale dello Stato sowieso nur im Jeep herumfahren und eh keine Ahnung haben, sieht man schon auf den begrinsenswerten Fotos von ihrer Webseite ...

Warnung

Im Wildnisgebiet Mastallonetal - Sesiatal gibt es wegen Dummheit und Orientierungsverlust jedes Jahr mehrere (!) tödliche Unfälle, insbesondere unter den großstädtisch naturentfremdeten Flachlanditalienern aus Mailand oder Rom bei der alljährlichen durchgeknallten Pilzsammelorgie im Spätsommer. Nach den wochenlangen Regenfällen im Frühjahr 2008 werden die Pilze jetzt regelrecht explodieren und muß daher heuer schon ab August mit Dutzenden von verunglückten fanatischen Pilzverrückten gerechnet werden. Diese unsere Vorhersage vom Mai 2008 hat sich leider schrecklich bestätigt ...

Abgestürzt und tot
Mitten in unserem Arbeitsgebiet!
Wenn es einen schönen kilometergroßen Wald gibt
mit nur einer einzigen winzigen Felswand mittendrin,
dann kann man garantiert Gift drauf nehmen,
daß die Pilzverrückten GENAU DORT ABSTÜRZEN!!!
La Stampa, 9. August 2008
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Abgestürzt und tot
In zwei Jahren drei Tote
Notizia Oggi
Farbfoto von Jörg Klingenfuß
3. September 2007
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Abgestürzt und tot
La Stampa
3. September 2007
Zeitungsausschnitt anklicken!

Das verfluchte Gebiet der Pilzsucher
La Stampa
4. September 2007
Zeitungsausschnitt anklicken!

Es handelt sich hier nicht um ein rotesockenkariertehemdenmäßiges vollerschlossenes Stocknägeltouristengebiet, sondern um das Ende der Welt, wo kaum noch jemand wohnt. Abseits der einigermaßen gut markierten - und auf dieser Internetseite exzessiv beschriebenen! - GTA sind die nach jahrhundertelanger Entvölkerung überhaupt noch vorhandenen Wege prinzipiell NICHT markiert und auch mit dem verfügbaren Kartenmaterial NICHT zu finden. 2005 drei tote Turnschuh-Mailänder im Sermenzatal innerhalb von nur 10 Tagen! In Ihrem ureigensten Interesse sollten Sie unbedingt diese nachdrückliche Warnung lesen, verstehen und vor allem auch beachten. Lebensgefahr!

Empfehlung

Wenn Sie die letzten Einwohner in den vergessenen piemontesischen Bergdörfern unterstützen wollen, machen Sie Urlaub dort oben bei ihnen. Die Gegend ist mindestens so schön wie Südtirol vor hundert Jahren, ohne Massentourismus und mit Tausenden von "richtigen" Bergen von 1000 bis 4800 Metern Höhe. Zentrale Touristenbüros und Internetadressen mit Unterkunftsverzeichnissen finden Sie hier. Alle Wanderkarten und Führer gibt es hier bei uns in Tübingen. Fragen Sie in den Touristenbüros nach weiteren Informationen. Fragen Sie an Ort und Stelle in den Sektionsbüros des Italienischen Alpenvereins nach geführten Wanderungen und weiteren Angeboten. Unterstützen Sie regionale Projekte wie die GTA und lokale Projekte wie die Initiative Pro Rimella. Machen Sie aussagekräftige Fotos und zeigen Sie Ihren Freunden zuhause, wie schön und erholsam man abseits vom alpinen Massentourismus reisen und wandern kann. Wenn es Ihnen gefallen hat, kommen Sie bitte wieder. Lernen Sie Italienisch, reden Sie mit den freundlichen Bergbewohnern und genießen Sie das gute Essen in der kulinarisch führenden Region Europas. Unterstützen Sie Slow Food. Bekämpfen Sie die wahnsinnigen Vorschriften der sogenannten "EU". Setzen Sie sich ein für den Erhalt jahrhundertealter Rezepte, traditioneller Qualitätsprodukte und kleiner Familienbetriebe. Es lohnt sich, weil es einfach besser schmeckt - und erst noch viel gesünder ist! Kaufen Sie einheimische Produkte direkt beim Erzeuger vor Ort und nicht im Supermarkt in Borgosesia oder Mailand. Wenn es Ihnen nicht angeboten wird, fragen Sie danach: nur eine Nachfrage erzeugt einen Markt!

  • Beeren: je nach Jahreszeit hat es Brombeeren, Erdbeeren, Heidelbeeren, Himbeeren, Holunderbeeren, Johannisbeeren, Mehlbeeren, Preiselbeeren, Stachelbeeren und Wacholderbeeren, die fallweise auch zu Gelee, Grappa, Kuchen, Likör, Marmelade und Schleckzeug weiterverarbeitet werden.

    Heidelbeere
    Vaccinium myrtillus
    Alpe Rondecca
    17. Juli 2006, 1417
    Foto anklicken!

    Rote Johannisbeere
    Ribes rubrum
    Cervatto Orlino
    12. August 2006, 1524
    Foto anklicken!

    Wald-Erdbeere
    Fragaria vasca
    Rimella Prati
    3. Juli 2008, 1730
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    Himbeere
    Rubus idaeus
    Alpe Bonda Larga
    10. September 2006, 1007
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  • Fische: Im Mastallonefluß und in den zahlreichen Seitenbächen hat es schöne Forellen.

    Molino inferiore, eines von mehreren Geisterdörfern im Mastallonetal, das wir erst vor wenigen Jahren wiederentdeckt haben. Außer einigen verschwiegenen Anglern, die Fremden prinzipiell keine Auskünfte geben, kennt die wilden Wege dorthin niemand mehr, und das ist gut so, denn so haben wir und sie mitsamt ihren Fischen immer ihre Ruhe. In diesem fotogenen Kanal mit kristallklarem Wasser hat es riesige Forellen, und wenige Meter weiter oben ist ein großes und noch tieferes Wasserbecken. 22. Mai 2005. Foto anklicken!

  • Gemüse: Bohnen, Fenchel, Gurken, Handgranaten, Kartoffeln, Knoblauch, Lauch, Mangold, Paprika, Spargel, Spinat, Tomaten, Zucchini. Wilden Fenchel, wilden Knoblauch und wilden Spinat hat es auf den Alpwiesen unmittelbar nach der Schneeschmelze, die Einheimischen kennen die Standorte und machen daraus einzigartig leckere Gemüsesuppen. Wilder Spargel ist violett, wächst wie "Un"kraut direkt neben den Wegen und schmeckt ausgezeichnet. Hier ist ein bewährtes Kochrezept dafür.

    Albergo Fontana - Antipasto # 17. 23. Juni 2005, 2036. Foto anklicken!

  • Honig gibt es in Rimella bei Piera Rinoldi in Prati und bei Franco Dago in San Gottardo.

    Bienenkästen auf der Blumenwiese direkt neben der Bar Monte Càpio
    3. August 2006, 1728

  • Käse gibt es überall auf den Alpen, es hat verschiedene harte und milde und schärfere und weiche Toma-Sorten sowie würzigen Ziegenkäse. Verkauf auch im Laden des Albergo Fontana.

    Käsekeller auf der Alpe Pianello
    "Genußtauglichkeitskennzeichnung"?
    Roba da matt'!
    28. Juli 2005, 1508

    Die Alpe Pianello wird entladen
    Anna, Corrado und vier Freunde treiben die Kühe hinunter ins Dorf
    Kein "Almabtrieb", kein Affentheater, keine Touristen
    Wieviele Jahre noch wird die Alpe Pianello mühsam beladen und betrieben werden
    angesichts des bürokratischen Psychoterrors aus Brüssel
    tipo "EU"-Käseherstellungshygienevorschriftenrichtlinie?
    20. September 2008, 1004
    Foto anklicken!

  • Kastanien waren der Brotbaum des Mittelalters und wachsen heute ungenutzt im unteren Mastallonetal, beispielsweise auf den alten Terrassen von Cravagliana. Im Laden des Albergo Fontana gibt es leckere Kastanienmarmelade.
  • Lardo ist fetter Speck, der mit Rosmarin bestreut und wochenlang zwischen Buchenholzbrettern gepreßt wird. Schmeckt sehr lecker.
  • Nüsse wie Hasel- und Walnüsse findet man überall.
  • Obst: auf den Alpen wurden früher gezielt Kirschbäume angepflanzt. Im unteren Mastallonetal hat es Apfelbäume mit uralten Sorten und natürlich auch Birnen und Pfirsiche und Zwetschgen. In der Umgebung von Varallo hat es wilde Feigenbäume, die niemand mehr nutzt.
  • Pilze wachsen im feuchtwarmen Spätsommer wie Unkraut. Schirmlinge = Parasol haben locker bis zu 40 Zentimeter Durchmesser, und Pfifferlinge werden bis zu 15 Zentimeter hoch. Steinpilze werden im Superklima des Piemont bis zu anderthalb Kilo schwer.

    Violetter Schleierling
    Cortinarius violaceus
    San Pantaleone
    16. September 2005, 1801
    Foto anklicken!

    Sommersteinpilz
    Boletus aestivalis
    Cima Tono
    28. September 2005, 1019
    Foto anklicken!

  • Salami wird von den Metzgern in Varallo aus einheimischen Eseln, Pferden und Rindern hergestellt.
  • Wild kommt regelmäßig auf den Tisch: Gams, Hirsch, Reh, Zicklein. Mama Elda vom Albergo Fontana kocht noch so wie früher und gibt die uralten Rezepte gerne weiter.
  • Wildkräuter, Salat- und Würzpflanzen: eine Biologin meinte, für die unvergifteten Wildkräuter aus dem Naturparadies Mastallonetal würden einschlägige deutsche Firmen ein Vermögen bezahlen. Es hat Arnika, Basilikum, Brennnnnnesseln, Chili, Lorbeer, Löwenzahn, Majoran, Rosmarin, Salbei, Sauerampfer, Thymian und Dutzende weiterer "Un"kräuter. Uralte Hausrezepte für die Heilung mit Wildkräutern gibt es hier. Meiden Sie im Gelände aber unbedingt den direkten Kontakt mit allen Pflanzen, die Sie nicht ganz genau kennen. Beispielsweise wächst der fotogene Blaue Eisenhut im Sesiatal sehr häufig in der Nähe von aufgelassenen Alpen. Er ist die giftigste Pflanze Europas und sollte ums Verrecken nicht berührt werden, denn schon der Hautkontakt kann zu schweren Vergiftungen führen und zu Hautschäden, Ausschlägen und Brennen bis zur Taubheit. Bereits fünf Blütenblätter oder zwei Gramm der Wurzel oder fünf Milli(!)gramm des Wirkstoffs selbst sind für den Menschen tödlich. Dasselbe gilt für den im Sesiatal ebenfalls häufigen Lamarck- (Gelben) Eisenhut!

    Alpe Zer Obru Chescheru
    28. August 2005, 1058
    Foto anklicken!

  • Nel cuore delle Alpi - Im Herzen der Alpen: "Oggi la valle, grazie alla sua gente piena di volontà, è cambiata, ma ha conservato il bene più prezioso: l'ambiente! Questa valle ha cime che dispensano panorami solari e stupendi, e silenzi surreali. Un patrimonio naturale a cinque stelle per l'escursionista sensibile e intelligente."

    Waldbestand im Sabbiolatal, einem Seitental des Mastallone, wo innerhalb der beiden rot abgegrenzten Flächen die Früchte für eine Samenschule genutzt werden, nach Datenbanken der Region Piemont. Oben links die "Cima di Locce" (in Wirklichkeit die Cima dell'Oca, aber in der Gegend treibt sich außer ein paar Wilderern und Jörg Klingenfuß sowieso niemand mehr herum), oben rechts der Pian delle Streghe am Grat zum Turlo, unten links der "Strand" von Selva di Cravagliana, unten rechts Villa superiore di Cervarolo. Anhand der verschiedenen Farben sieht man gut die überwältigende Vielfalt an Buschwerk sowie an Buchenwäldern, Eichenwäldern, Kastanienwäldern und Nadel-Wäldern und zahlreichen Einzelvorkommen von selteneren Arten. Sofort fällt einem der mysteriöse Bosco dell'Impero ein, der natürlich nicht auf der Karte bezeichnet ist!

    Blumen

    Die nachstehenden Fotos wurden nach dem Aufnahmedatum sortiert und umfassen das gesamte Sommerhalbjahr von Anfang April bis Ende September sowie das gesamte Gebiet des Mastallonetals und seiner wilden Seitentäler von den Bergen Rimellas bis hinunter nach Varallo. Vom Frühjahr über den Sommer bis in den Herbst gibt es eine Vielzahl von verschiedenen Blumen. Die in den Nord- und Ostalpen ebenfalls verbreiteten Blüten wie beispielsweise Alpenrose, Arnika, Kirsche, Krokus und Silberdistel lassen wir hier natürlich weg. Im Gebiet Sesiatal gibt es kein Wald- und kein Artensterben (warum, das steht hier) und somit anders als in Südtirol oder den Dolomiten viel mehr ungewöhnliche Blumen und Schmetterlinge. "In questa comunità Walser abbiamo una presenza botanica veramente rimarchevole, direi quasi eccezionale." schrieb Giuseppe Pedrizzetti in Remmalju 1997. Die Arten wurden bestmöglich identifiziert anhand des Standardwerks Alpenflora vom Schweizer Alpen-Club SAC, das wir hier beschreiben, und insbesondere des exzellenten Großformat-Bildbands Flora Eletta Valsesiana. Aufgeführt sind der lateinische Name, die lokale Bezeichnung im Sesiatal-Dialekt oder der italienische Name, der deutsche Name, und der Standort. Alle Aufnahmen wurden mit der bewährten Canon Ixus 40 gemacht, wie immer händisch und ohne Stativ. Die Originalfotos sind 2272 • 1704 Pixel groß; alleine diese 50 Dateien umfassen 60 Megabyte. Zusammen mit weiteren 600 Megabyte Naturmotiven sind sie für nur 30 EUR einschließlich Versandkosten auch auf einer CD erhältlich. Fotos anklicken!

    Saxifraga cotyledon
    Sassifraga piramidale
    Strauß-Steinbrech
    Weg Barattina - Cervarolo
    6. April 2005

    Cymbalaria muralis
    Linaria dei muri
    Mauer-Leinkraut
    Varallo Dovesio
    19. April 2006

    Larix decidua
    Larice
    Lärche
    Colma Lavaggio
    22. April 2006

    Corydalis solida
    Coridale
    Festkn. Lerchensporn
    Alpe Valmala di sopra
    23. April 2006

    Soldanella alpina
    Soldanella comune
    Gemeines Alpenglöckchen
    Alpe Pianello
    27. April 2006

    Epilobium fleischeri
    Epilobio di Fleischer
    Fleischers Weidenröschen
    Cervatto
    30. April 2005

    Gentiana kochiana
    Genziana acaule
    Stengelloser Enzian
    Weg Meula - Alpe Ciupai
    30. April 2005

    Aquilegia alpina
    Aquilegia maggiore
    Alpen-Akelei
    Ponte Vecchio di Cerv.
    3. Mai 2006

    Vinca minor
    Pervinca
    Kleines Immergrün
    Cervarolo Villa superiore
    3. Mai 2006

    Androsace vandellii
    Androsace di Vandelli
    Schweizer Mannsschild
    Hepter Akku
    8. Mai 2008

    Viola biflora
    Violetta gialla
    Zweiblütiges Veilchen
    Alpe Rondecca
    19. Mai 2006

    Chamaecytisus hirsutus
    Citiso peloso
    Behaarter Geißklee
    Weg G__742 - G__952
    20. Mai 2006

    Primula pedemontana
    Primula piemontese
    Piemont-Primel
    Alpe Rossa superiore
    20. Mai 2005

    Saxifraga biflora
    Sassifraga biflora
    Zweiblütiger Steinbrech
    Alpe Zu Fleppenne
    1. Juni 2008

    Lilium bulbiferum
    Giglio Rosso
    Feuerlilie
    Varallo Gerbidi
    4. Juni 2005

    Sempervivum grandiflorum
    Semprevivo a fiori grandi
    Großblütige Hauswurz
    Alpe Ebelje
    4. Juni 2006

    Geum rivale
    Geo - Ambretta rivale
    Bach-Nelkenwurz
    Alpe Rondecca
    5. Juni 2005

    Thlaspi rutundifolium
    Erba storna - Iberella
    Rundblättr. Täschelkraut
    Passo dei Rossi
    5. Juni 2005

    Tephroseris capitata
    Fiör Falò
    Kopfiges Geiskraut
    Alpe Ebelje
    17. Juni 2007

    Rhodiola rosea
    Rodiola
    Rosenwurz
    Villa Aprilia
    17. Juni 2005

    Linaria alpina
    Linaria alpina
    Alpen-Leinkraut
    Monte Càpio
    18. Juni 2006

    Paradisea liliastrum
    Giglio di San Bruno
    Weiße Trichterlilie
    Stutz
    19. Juni 2006

    Antennaria dioica
    Antennaria dioica
    Katzenpfötchen
    Ameisenboden
    21. Juni 2005

    Lotus alpinus

    Alpen-Hornklee
    Ameisenboden
    21. Juni 2005

    Aruncus dioicus
    Asparago selvatico
    Geißbart
    Cervarolo Volta
    23. Juni 2005

    Cirsium eriophorum
    Cirsio lanoso
    Wollköpfige Kratzdistel
    Ameisenboden
    2. Juli 2005

    Orchis maculata
    Concordia
    Geflecktes Knabenkraut
    Alpe Baranca
    3. Juli 2008

    Lilium martagon
    Riccio di Dama
    Türkenbund
    Alpe Zer Helo
    4. Juli 2005

    Pedicularus kerneri
    Erba pidocchiara
    Kopfiges Läusekraut
    Alpe Pianello
    4. Juli 2006

    Campanula excisa
    Campanula incisa
    Ausgeschn. Glockenblume
    Alpe Baranca
    7. Juli 2005

    Astrantia major
    Astranzia maggiore
    Große Sterndolde
    Rimella Prati
    10. Juli 2005

    Sedum ochroleucum
    Erba di San Giovanni
    Blaßgelbe Fetthenne
    Rimella Pianello
    10. Juli 2005

    Centaurea montana
    Fiordaliso alpino
    Berg-Flockenblume
    Alpe Scarpiola
    12. Juli 2008

    Sempervivum dolomiticum
    Semprevivo dolomitico
    Dolomiten-Hauswurz
    Rimella Sella
    12. Juli 2005

    Saxifraga stellaris
    Sassifraga stellata
    Stern-Steinbrech
    Ponte Vecchio di Cerv.
    15. Juli 2005

    Gentiana purpurea
    Genziana rossa
    Purpur-Enzian
    Cima del Camossaro
    17. Juli 2008

    Campanula barbata
    Campanula barbuta
    Bärtige Glockenblume
    Rimella Chiesa
    18. Juli 2005

    Bupleurum stellatum
    Bupleuro stellato
    Stern-Hasenohr
    Pass Brütt
    23. Juli 2006

    Dianthus superbus
    Garofano a pennacchio
    Pracht-Nelke
    Alpe Ratte
    23. Juli 2006

    Epilobium angustifolium
    Gambi rossi
    Wald-Weidenröschen
    Bocchetta di Cevia
    23. Juli 2006

    Saxifraga aizoides
    Sassifraga autunnale
    Gewimperter Steinbrech
    Alpe Ratte
    23. Juli 2006

    Achillea distans
    Achillea felcata
    Rainfarnbl. Schafgarbe
    Alpe Zum Vukschlu
    3. August 2006

    Sempervivum tectorum
    Semprevivo dei tetti
    Dach-Hauswurz
    Balmacco
    6. August 2008

    Gentiana asclepiadea
    Genziana asclepiadea
    Schwalbenwurz-Enzian
    Alpe Lagone
    26. August 2005

    Gentianella anisodonta
    Genzianella anisodonta
    Blauviol. Engadin-Enzian
    Stutz
    27. August 2006

    Aconitum variegatum
    Aconito azzurro
    Bunter Eisenhut
    Alpe Zer Obru Chescheru
    28. August 2005

    Parnassia palustris
    Parnassia palustre
    Studentenröschen
    Bocchetta di Campello M.
    31. August 2005

    Cyclamen purp. Miller
    Pan Porcino
    Alpenveilchen
    Diga di Molinaccio
    1. September 2005

    Sedum anacampseros
    Borracina porporina
    Rundblättrige Fetthenne
    Cappella di San Pietro
    7. September 2006

    Campanula scheuchzeri
    Campanula di Scheuchzer
    Rundbl. Glockenblume
    Rimella San Gottardo
    19. September 2005

    Insekten und Schmetterlinge

    Die nachstehenden Fotos wurden nach dem Aufnahmedatum sortiert und umfassen das gesamte Sommerhalbjahr von Anfang April bis Ende September sowie das gesamte Gebiet des Mastallonetals und seiner wilden Seitentäler von den Bergen Rimellas bis hinunter nach Varallo. Das Sesiatal ist ein Paradies für Natur- und Schmetterlingsfreunde. Durch die jahrhundertelange extensive Bewirtschaftung haben die Wiesen einen außerordentlich hohen Artenreichtum an Blütenpflanzen und Insekten, die woanders kaum mehr zu sehen sind. Vom Frühjahr über den Sommer bis in den Herbst gibt es eine Vielzahl von verschiedenen Insekten und Schmetterlingen. Im Gebiet Sesiatal gibt es kein Wald- und kein Artensterben (warum, das steht hier) und somit anders als in Südtirol oder den Dolomiten viel mehr ungewöhnliche Insekten. "In questa comunità Walser abbiamo una presenza botanica veramente rimarchevole, direi quasi eccezionale." schrieb Giuseppe Pedrizzetti in Remmalju 1997.

    Es gibt Tage, da sitzt auf jeder zweiten Blüte mindestens ein Insekt
    Hier sitzen drei verschiedene Insekten auf einer Blüte!
    Große Sterndolde - Astrantia major
    Bocchetta di Vocca
    22. Juni 2008, 1358
    Foto anklicken!

    Wir sind keine Botaniker; wer sich mit dem fotogenen Krabbelzeug da gut auskennt, der kann vielleicht ein paar ungenau bestimmte oder uns unbekannte Arten korrekt identifizieren - danke! Spezialist Hans Kostenbader aus Stuttgart hat freundlicherweise mehrere Arten identifiziert. Alle Aufnahmen wurden mit der bewährten Canon Ixus 40 gemacht, wie immer händisch und ohne Stativ. Die Originalfotos sind 2272 • 1704 Pixel groß. Fotos anklicken!

    Raupe

    Alpe Zu Fleppenne
    23. April 2007

    Oiceoptoma thoracica
    Aaskäfer
    Rimella Villa superiore
    26. April 2007

    Araneus diadematus
    Kreuzspinne
    Alpe Palazzo di sopra
    27. April 2007

    Schmetterling

    Alpe Sosletto
    27. April 2007

    Coccinella septempunctata
    Marienkäfer
    Ponte Vecchio di Cervarolo
    11. Mai 2007

    Meloe spec.
    Ölkäfer
    Cravagliana Colla
    13. Mai 2007

    Insekt

    Pra dla Sella
    13. Mai 2007

    Spinne

    Weg Pozzallo - Verzimo
    22. Mai 2005

    Stilpnotia salicis
    Pappelspinner
    Sella del Lagone
    2. Juni 2006

    Wanze

    Hepter Akku
    4. Juni 2007

    Wanze

    Hepter Akku
    4. Juni 2007

    Oreina speciosa
    Blattkäfer
    Alpe Rondecca
    5. Juni 2005

    Hummel

    Rimella Prati
    5. Juni 2005

    Cryptocephalus sericeus?
    Fallkäfer
    Prato Lungo
    9. Juni 2007

    Fliege

    Ameisenboden
    2. Juli 2005

    Nymphalis polychloros
    Großer Fuchs
    Cresta della Scarpiola
    7. Juli 2007

    Heuschrecke

    Cervarolo Molino inferiore
    7. Juli 2006

    Hundertfüßler

    Alpe Solivo di sopra
    9. Juli 2006

    Zygaena ephialtes
    Verändl. Rotwidderchen
    Varallo Gerbidi
    9. Juli 2005

    Schmetterling

    Rimella Pianello
    10. Juli 2005

    Parnassius apollo
    Roter Apollo
    Alagna Otro Weng
    12. Juli 2007

    Leptura maculata
    Bockkäfer
    Alpe Corti di Cervatto
    14. Juli 2007

    Heuschrecke

    Ponte Vecchio di Cervarolo
    15. Juli 2005

    Iphiclides podalirius
    Segelfalter
    Lago di Capezzone
    19. Juli 2007

    Pachytodes cerambyciformis
    Bockkäfer
    Weg Rimella Sella - Pineta
    23. Juli 2007

    Eudia pavonia
    Kleines Nachtpfauenauge
    Stutz
    24. Juli 2005

    Euphydryas aurinia
    Skabiosen-Scheckenfalter
    Rimella Prati
    24. Juli 2007

    Zygaena filipendulae
    Sechsfleck-Widderchen
    Alpe Scarpiola
    27. Juli 2007

    Spinne

    Alpe Zer Obru Chescheru
    31. August 2005

    Raupe

    Hepter Akku
    2. September 2007

    Bienen

    Hepter Akku
    2. September 2007

    Insekt

    Val Henderwasser
    3. September 2007

    Pyropterus nigroruber?
    Rotdeckenkäfer
    Alpe Kaval
    3. September 2007

    Raupe

    Rio Scarpiola
    21. September 2007

    Colias hyale
    Goldene Acht
    Cravagliana Nosuggio
    30. September 2007

    Flechten

    Flechten sind Lebensgemeinschaften aus Pilzen und Algen. Sie wachsen überall auf der Welt, auch in der Antarktis, im Dschungel, in Städten, am Wasser und in der Wüste. Im Hochgebirge wachsen Flechten sogar auf dem nackten Fels, wo sie extremer Kälte, extremer Hitze, extremer Trockenheit und extremer Ultraviolettstrahlung ausgesetzt sind. Trotzdem wachsen Krustenflechten jedes Jahr etwa ½ bis 2½ Millimeter, und sie werden bis zu tausend Jahre alt! Flechten auf Felsen erhalten ihre Nährstoffe natürlich nicht aus dem Boden, sondern ausschließlich aus der Luft und durch Nebel, Regen und Schnee. Sie reagieren deshalb sehr empfindlich auf Schadstoffe in der Luft und sind somit ideale Indikatorpflanzen für die Luftqualität. Eine auch für Laien gut verständliche Dissertation zu diesem interessanten Thema steht hier. Hunderte von Fotos von Flechten aus aller Welt stehen hier.

    Baum mit Flechten im Dschungel oberhalb von Magneronco di Rimella
    19. September 2005, 1504

    Bestimmte Flechtenarten können nur in sehr sauberer Luft existieren, wie wir sie in Rimella haben. Weshalb es im Sesiatal keinen sauren Regen und kein Waldsterben gibt, beschreiben wir hier. Fotos anklicken!

    Alpe Pianello
    4. Juli 2006

    Alpe Zum Träntje
    28. April 2006

    B.a di Campello Monti
    25. Juli 2006

    B.a di Campello Monti
    25. Juli 2006

    B.a di Campello Monti
    25. Juli 2006

    B.a di Campello Monti
    31. Juli 2006

    B.a di Campello Monti
    31. Juli 2006

    B.a di Campello Monti
    31. Juli 2006

    Rimella Sant'Antonio
    16. September 2006

    Tuppuwald
    17. Juni 2006

    Natur

    Alpine Kulturlandschaften, in denen von der früheren Besiedlung und Nutzung durch den Menschen noch eine rudimentäre Infrastruktur vorhanden ist, werden derzeit endgültig vernachlässigt und aufgegeben. Auch ohne viel Fantasie kann sich jeder ausmalen, daß mit der weiter zunehmenden Verstädterung = Entfremdung des "modernen" Menschen solche Naturlandschaften schon in 10 -15 Jahren zunehmend gefragt sein werden ... falls es sie bis dahin überhaupt noch gibt, denn entvölkerte Gebiete, in denen niemand mehr wohnt und für seine Heimat kämpft, sind stets verschärft bedroht von durchgeknallten Wahnsinnsprojekten wie beispielsweise Übungsplätze für das Militär, künstlich zurechtgesprengte, planierte und disaihnte Skigebiete mit Schneekanonen und Nightlife und Events und Almhof-Tenne und Bierschwemme und Welcome Party und Beautyfarm und Kuhstalldisko und Weiberhimml und Bladercross (Prospekt Galtür in Nordtirol), Endlager für Sondermüll oder Abfälle aus der allseits beliebten Atomindustrie, Raserpisten für Motorräder und Geländefahrzeuge aller Art, Staudämme zur Energieversorgung insbesondere der gnadenlos übervölkerten Großstädte, und so weiter.

    Die restlichen Einwohner im Sesiatal lieben ihre Heimat und bekämpfen derartigen Wahnsinn. Mit unserem sanften Tourismus unterstützen wir direkt die Einheimischen, die wir sowieso fast alle persönlich kennen, und nicht irgendwelche kommerziellen Reiseverunstalter. Glücklicherweise konnte das Wildnisgebiet Rimella und Mastallonetal bis jetzt noch seine einzigartige Ursprünglichkeit bewahren. Wenn Ihnen

    etwas bedeuten, dann werden Sie sich hier wohlfühlen. Zahlreiche Weitwanderer auf der GTA und viele Teilnehmer an unseren Bergwanderungen in Rimella haben unabhängig voneinander schon festgestellt: "Ich habe mich trotz der körperlichen Anstrengung noch nie so gut erholt!" Ecco. Referenzen finden Sie hier. Ci vediamo lassù!


    Der Autor

    Jörg Klingenfuss

    Initiative Pro Rimella
    Hagenloher Str. 14
    D-72070 Tübingen
    Telefon 07071 62830
    Fax 07071 600849
    E-Mail info@rimella.de

    Mitglied CAI Sektion Varallo

    NACHDRÜCKLICHE WARNUNG: Verwenden Sie niemals E-Müll, wenn Sie zuverlässige Kommunikation wünschen. Während eine Privatperson ihre E-Müll-Adresse jederzeit beliebig ändern kann, ist dies für uns als Inhaber dieser Webseite nicht möglich. Der Austausch von Mitteilungen über E-Müll mitsamt Virus und Spam ist ein Alptraum geworden und macht diese Art von "Kommunikation" extrem ärgerlich, zeitaufwendig, gefährlich und unzuverlässig. Wenn Sie von uns innerhalb einer vernünftigen Zeit, das heißt nach 48 Stunden, noch keine Antwort erhalten haben, dann haben wir Ihre Mitteilung nicht erhalten. Außerdem werden E-Mülls nicht sofort beantwortet, während wir unterwegs sind, also laufend zwischen April und Oktober und insbesondere vor, während und nach den von uns organisierten und geführten Bergwanderungen in Rimella und im Sesiatal; die Termine stehen hier. Außerdem haben wir nach ein paar Wochen Abwesenheit wahrhaftig etwas Besseres zu tun, als unter zigtausend Viagras im Spamfilter auch noch ein paar "echte" Mitteilungen herauszusuchen. Vergiß es! Telefax und Briefpost sind immer noch - und jetzt wieder! - die schnellsten und sichersten Arten der Kommunikation!