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Das faszinierende Wildnisgebiet von Rimella liegt liegt in den Sesia-Alpen der Region Piemont und ist nur 90 Kilometer Luftlinie von der Millionenstadt Mailand entfernt, nur 55 Kilometer Luftlinie von Locarno am Lago Maggiore, nur 47 Kilometer Luftlinie von Brig im Oberwallis, nur 29 Kilometer Luftlinie von Saas Fee und nur 24 Kilometer Luftlinie von der Dufourspitze, dem höchsten Gipfel des Monte Rosa! Das Mastallonetal liegt südöstlich des Monte Rosa, von Zermatt oder Saas Fee aus gesehen also "hinter" diesem bekannten Bergmassiv. Der Taleingang liegt in der Kleinstadt Varallo auf 450 Metern Seehöhe, und die höchste Siedlung ist San Giorgio di Rimella auf 1450 Metern. Die umgebenden Berge sind bis zu 2400 Meter hoch.
In diesem abgelegenen und unzugänglichen Gebiet abseits des Massentourismus findet seit über 150 Jahren eine massive Entvölkerung statt, die jetzt durch die jahrzehntelange Vernachlässigung, Verbrachung, Verbuschung und Verwaldung in der Entstehung von neuen Wildnisgebieten resultiert. Die alten Verbindungswege verschwinden im Dschungel und im Gestrüpp, und es gibt keine Hinweisschilder und keine Wegmarkierungen.
Nach über einem Jahrzehnt anstrengender Arbeit im wildesten Gelände kennen wir im Mastallonetal über 600 uralte Wege. Mit großem Erfolg bieten wir jetzt auch geführte Trekkingtouren an, im unteren Mastallonetal mit Stützpunkt Varallo und im oberen Mastallonetal ex Rimella. Unsere Tagestouren mit festem Standort - und sehr gutem Essen! - im Albergo Italia und im Albergo Fontana sind ideal für Bergwanderer, die einmal etwas Besonderes erleben möchten. Einzelheiten finden Sie hier und hier. Referenzen finden Sie hier. Glauben Sie nur, was Sie sehen: einige schöne Fotos sehen Sie hier. Mehr als 1700 (eintausendsiebenhundert!) topaktuelle Fotos und spektakuläre Digitalpanoramen gibt es hier!
Im folgenden beschreiben wir die Hauptursachen für die Entstehung dieses neuen Wildnisgebiets. Bei unseren Bergwanderungen werden wir unterwegs natürlich auf offensichtliche und erst recht auf verborgene Zusammenhänge hinweisen. "Man sieht nur, was man weiß" schreibt der Geograph Werner Bätzing im GTA-Nord-Führer auf Seite 10: nur mit einem wirklich ortskundigen Wanderführer, der jedes Jahr monatelang in der Gegend herumrennt und sowieso alle Einheimischen persönlich kennt, können Sie in diesem touristisch völlig unerschlossenen Wildnisgebiet auch unter die Oberfläche schauen und die komplexen Zusammenhänge zwischen der gerade in Rimella besonders interessanten Besiedlung, Geographie, Geschichte, Kultur und Wirtschaft begreifen - selbstverständlich ohne den abgehobenen, elitären und oberlehrerhaften Anspruch einer sogenannten "Studienreise"!
Die Geschichte der Entvölkerung in Rimella haben wir hier beschrieben: von 1381 Einwohner in 1831, dem Maximum, auf 58 Einwohner in 2008, dem Minimum, mit weiterhin abnehmender Tendenz. Für das gesamte Mastallonetal sieht die offizielle Bilanz so aus

und in der Wirklichkeit ist sie noch dramatischer, denn nach unseren Erfahrungen wohnen nur 55 Prozent der gemeldeten "Residenti" tatsächlich noch das ganze Jahr über im Heimatdorf. Vuol dire: unter Fortschreibung der Dynamik dieser Statistik hat es 2008 im gesamten Mastallonetal tatsächlich nur noch 372 Einwohner!

Zum selben realistischen Ergebnis kommt man, wenn man die "offiziellen" Statistiken hernimmt: Val Mastallone 854 Einwohner abzüglich 20 Prozent Entvölkerung 1999-2008 mal 55 Prozent ergibt 376 tatsächliche Einwohner! Val Sermenza 799 ergibt eingedampft 352 Einwohner, Val Grande (das obere Sesiatal von Varallo bis Alagna, aber ohne die Kleinstadt Varallo und das Mastallone- und Sermenza-Tal) 2381 macht auch nur 1048 Einwohner, total also 1776 Einwohner in 2008 für sämtliche Bergdörfer zusammen oberhalb von Varallo. Das ist zufällig exakt die Einwohnerzahl von Hagelloch bei Tübingen, dem schönsten Ortsteil der Stadt mit der höchsten Lebensqualität Deutschlands. Nur teilt sich das im Sesiatal eben auf 20 (zwanzig!) selbständige Mikro-Gemeinden auf - die nicht nur nicht vernetzt sind, sondern more often than not auch noch gegeneinander intrigieren! - mit jeweils einem eigenen Bürgermeister, einem eigenen Rathaus und einer eigenen Verwaltung für durchschnittlich 89 Einwohner: ein administrativer und bürokratischer Irrsinn, der sämtliche gutgemeinten Ideen und Projekte schon im Ansatz zunichte macht und jeden halbwegs intelligenten Menschen brüllend davonrennen läßt. Ecco die gnadenlose Überalterung und die akut drohende totale Entvölkerung!
Region Piemont Entwicklung 2000-2006: Der Bevölkerungsrückgang ist besonders stark in einigen Gebieten der Nordost-Provinzen des Piemont. In weniger als 20 Jahren hat sich die Bevölkerung des Sesiatals praktisch halbiert. Was man als die "Krankheit" solcher Gebiete bezeichnen kann, ist die gesellschaftliche und wirtschaftliche Randlage. Sie ist der Ausgangspunkt eines Teufelskreises, der mit dem Zusammentreffen von Rezessionserscheinungen beginnt: der Bevölkerungsrückgang schwächt die Bevölkerungsstruktur, die Kaufkraft, die Einkommen und das System der lokalen Dienstleistungen, und er endet damit, daß er der Abwanderung den letzten Anstoß gibt. Somit entsteht eine Negativspirale, an deren Ende schließlich der praktisch völlige Verlust der menschlichen Besiedlung steht, mit einem stark negativen Einfluß auch auf die Erhaltung der Kulturlandschaft.
Susanne Lehringer schreibt in ihrem exzellenten nagelneuen Werk Kulturlandschaft oder Wildnis in den Alpen auf Seite 525: "Die Erfahrung der Abwanderung von Familienmitgliedern, Verwandten und Nachbarn, der Zusammenbruch einer vertrauten Lebensform und der damit verbundenen Werte sowie der fortschreitende Verfall der umgebenden Landschaft stellen ein traumatisches Erlebnis dar, das diese Menschen tief geprägt hat. Dies drückt sich in einer resignativen, pessimistischen Grundstimmung aus, die zukunftsorientierten Initiativen im Weg steht. Die Menschen fühlen sich alleingelassen und vergessen. Sie erwarten von der Zukunft keine Verbesserung. Es dominiert ein allgemeines Gefühl der Marginalisierung und Benachteiligung, das für viele Berggebiete kennzeichnend ist."
In Rimella haben nach vielen Jahren harter Arbeit der Initiative Pro Rimella die meisten Einwohner allerdings verstanden, daß die verrückten deutschsprachigen Bergwanderer Geld im Dorf lassen und sich erst noch für ihr verlassenes Bergdorf interessieren und, das Verrückteste überhaupt ... wiederkommen! Anders als in Piana di Forno, wo Frau Lehringer ein Haus hat und zeitweise wohnt, gibt es in Rimella noch Läden und Bars und im Sommer ein Hotel, das zudem Etappenstützpunkt auf dem Weitwanderweg GTA ist, der allerdings von Jahr zu Jahr leider immer weniger Besucher ins Dorf bringt.
Frau Lehringer schreibt auf Seite 517: "Wie eng die Bindung der angestammten Dorfbewohner an die Landschaft ist, wird besonders in den Erzählungen der ältesten Gesprächspartnerin von Piana di Forno deutlich, die heute noch, nach mehr als 30 Jahren, in ihren Träumen die Aufstiege zur Alpe, die Zahl der Wegkehren, die Ruhepunkte sowie die Überquerung steiler Pässe, die heute nicht mehr möglich ist, durchlebt. Die Dorfbewohner sind parallel zu den Landschaftsveränderungen gealtert. Sie haben den Landschaftswandel persönlich miterlebt. Durch ihr fortgeschrittenes Alter und den Verfall der Wege ist ihnen die vertraute Landschaft heute nicht mehr zugänglich und fremd geworden. Sie fragen detailliert nach dem Zustand der Alpen und der Wege dorthin. Durch den progressiven Verfall der Kulturlandschaft werden die Einheimischen von ihren Wurzeln getrennt."
Dieselbe Erfahrung haben wir auch in Rimella gemacht. Beim Betrachten der neuesten Digitalfotos von Jörg Klingenfuß 2005 sagt die alte Ada: "Das ist die Alpe Tossie. Dort habe ich meine ganze Jugend verbracht. Es war so schön und wir waren so viele Leute, das kannst du dir garnicht vorstellen. Wir sind barfuß bis zum Colle Segnara gelaufen, um die Ziegen zu suchen. Ich könnte heulen, wenn ich sehe, daß heute keine einzige Hütte mehr steht und man nur noch Ruinen sieht. Wir hatten sogar eine kleine Kapelle. Du mußt mir von dem Foto unbedingt einen größeren Abzug machen, damit ich es mit meinen alten Augen besser sehen kann. Wenn das mein Bruder wüßte. Und dann gehst du auf die Alpe Zer Obru Chescheru und machst mir ein schönes Foto von meiner Hütte rechts oben neben dem Brunnen, damit ich es noch einmal sehen kann, bevor ich nicht mehr da bin."

Man sieht hier gut, wie dünn und verletzlich die Vegetationsdecke im Gebirge ist. Die Blaiken, die früher sofort mit Grassoden und Stabilisierungspflöcken repariert wurden und deshalb keine Bedrohung darstellten, haben sich aufgrund der unkontrollierten und somit ungebremsten Erosion innert fünfzig Jahren zu rechten Geröllhalden entwickelt. Niemand erinnert sich mehr daran, an welcher fruchtbaren Stelle mit einer meterhohen Humusschicht man gefahrlos Grassoden entnehmen kann und wie genau man sie richtig verpflanzt - ein jahrhundertealtes Wissen, das jetzt für immer verlorengeht. In weiteren fünfzig Jahren wird man keine Ruinen mehr sehen, und der ganze Hang, auf dem heute noch die Ziegen des knapp 80jährigen Costantino aus Sant'Anna weiden - des allerletzten Einwohners im diesem verlassenen Seitental von Rimella - wird eine einzige graue Geröllhalde sein! Der Verlust dieses Wissens ist dramatisch und unumkehrbar, weil es nach unserer jahrzehntelangen Erfahrung im Piemont keinerlei Aufzeichnungen gibt; sie wurden deswegen nie gemacht, weil dieses überlebenswichtige Wissen immer direkt vor Ort und selbstverständlich "nur" mündlich an die nächste Generation weitergegeben wurde; gleichzeitig wurde es den laufenden Veränderungen entsprechend kontinuierlich aktualisiert und optimiert. Niemand konnte sich vorstellen, oder gar voraussehen, daß innerhalb von nur wenigen Jahrzehnten viele abgelegene Berggebiete praktisch total entvölkert und aufgelassen werden! Ebenso weiß bald niemand mehr, wie man Pflanzen seit Jahrhunderten mit durchschlagendem Erfolg als Haus- und Heilmittel einsetzt. Noch vor 50 Jahren hatte auch in Württemberg jedes Dorf sein "Kräuterweible"; diese hochgeschätzten Frauen wußten hervorragend Bescheid über die - oft geheimen - Standorte der Heilpflanzen und deren Verarbeitung und natürliche Wirkung für Mensch und Tier. Frau Vogl-Lukasser schreibt in einer interessanten Arbeit über Osttirol: "Der Wandel in der Berglandwirtschaft geht einher mit einem unhinterfragten Ausscheiden vieler Elemente lokalen Wissens, beispielsweise Wissen über Alm- und Wiesenpflege, Futter- und Heilpflanzen, Landsorten, weil der gesellschaftliche, wissenschaftliche und politische Blick Hoch-, Informations- und Gentechnologie als einzige Lösungsstrategie für die Bewältigung aktueller ... Probleme postuliert."

Alpe Zer Obru Chescheru, Tüttschu für "Zur oberen Käserei". Diese Alpe wurde noch Ende der 1990er Jahre von Schaf- und Ziegenhirten zum gelegentlichen Übernachten benützt, deshalb sind vier Hütten noch recht gut erhalten. Zwei davon haben ein neues Wellblechdach, das zigmal billiger und schneller zu decken ist als die traditionellen Steinplattendächer. Adas Familie besitzt die Hütte rechts mit der Terrasse davor. Man sieht genau, wie diese Alpe vor Jahrhunderten an der weit und breit einzigen Stelle erbaut wurde, die vor den Lawinen geschützt ist durch die Felsen darüber. Aber auch hier sieht man schon die Entwicklung der seit etwa 30 Jahren vernachlässigten Blaiken zu unreparierbaren Geröllhalden! 29. Mai 2005, 1118.
Wenn man so wie wir mit den alten Leuten redet, hört man überraschend übereinstimmend immer wieder dieselben Geschichten, egal ob in Rimella oder im Stronatal oder 70 Kilometer Luftlinie weit entfernt im hintersten Val Verzasca im Tessin:
Laut dieser Statistik gab es 2006 in der Region Piemont noch über 1000 beladene Alpen mit mehr als 20 erwachsenen Rindern und über 300 Alpen mit weniger Rindern. Die total 22000 Milchkühe produzieren 77500 Liter Milch, aus denen 7500 Kilo Käse erzeugt wird. Diese Arbeit des Melkens und der Käseherstellung geschieht jedoch nur noch auf etwa der Hälfte der beladenen Alpen, woraus folgt, daß der Rest der Alpen - wie beispielsweise in der Schweiz - die Milch zur einfacheren Verarbeitung über Rohre und so weiter ins Tal transportiert.
Peter Danks, Geschäftsführer des Alpwirtschaftlichen Vereins im Allgäu, in Quo Vadis: "Die Kulturlandschaft ist das Produkt von vieler Hände Arbeit, fleißiger Menschen, die auch Freude an der Schönheit der Natur haben - und nicht etwa das Werk der zahlreichen Verordnungen und Vorschriften unkundiger Politiker und Beamten! Ohne Alpwirtschaft geht sowohl beim Tourismus als auch beim Naturschutz nichts, aber auch gar nichts mehr. Hoffentlich merken sie dies noch rechtzeitig."
Believe it or not, aber die gallisch-zentralistischen Vollidioten der sogenannten "EU" wenden ihre weltweit begrinsten absurden Vorschriften sogar auf die letzten piemontesischen Bergbauern an. "Di difficile comprensione è il fatto che una località di montagna che per la salvaguardia dell'ambiente ha bisogno del contadino, dell'animale e che comunque non molti anni or sono contava 500 bovini, oggi non dovrebbe superare la produzione di latte attribuita ad una ventina di vacche." schreibt Mario Antonietti in Remmalju 1995. Über die wortwörtlich "extreme Dummheit" der lächerlichen "EU" schreibt Ferruccio Vercellino 2004 in seinem Werk Insediamenti Walser al sud del Monte Rosa: "Le richieste ufficiali sono di una extrema stupidaggine nei riguardi dei più poveri contadini, meritevoli di premio per il solo fatto di restare a coltivare i sassi delle montagne! In questi ultimi tempi, i laboriosi montanari non sono scomparsi certo soffocati dagli aiuti ricevuti a tempo e con criterio dalla amministrazioni centrali: erano una quantità troppo trascurata per tenerne conto ed è scomparsa una richezza e con essi anche un equilibro ecologico." Über die schwere Arbeit schrieb uns Nadino Zoppo aus Quincinetto (GTA-Etappe 13) am 29. März 2008: "Sono nato in montagna e sin da piccolo ho imparato quanto sacrificio serve per poterla mantenere integra e fertile. Il duro lavoro giornaliero della mungitura, lavorazione del latte, accudire la stalla, pascolare gli animali, falciare il fieno d'estate e spandere il letame in autunno. Un lavoro vissuto da bambino sino alla fine degli anni 60. Da allora ho continuato a fare lo stesso lavoro nella cascina dei miei genitori durante il mio tempo libero."
Alleine im Mastallonetal gab es total weit mehr als 200 Alpen. Fast alle Alphütten sind wegen der massiven Entvölkerung schon vor mehreren Jahrzehnten aufgegeben und verlassen worden, was man auch auf unseren topaktuellen Fotos gut sieht, und sowieso auf keiner Karte mehr zu finden. Nur wir kennen diese extrem abgelegenen und einsamen Plätze - Romantik und Natur pur! - und deren spannende Geschichte sowie die verborgenen und längst vergessenen Wege dorthin, und auch weit darüber hinaus bis auf die unmöglichsten Pässe und wildesten Gipfel. Wegen der heutzutage unvorstellbaren Übervölkerung (!) im Mittelalter mußte damals buchstäblich jedes halbwegs ebene Fleckchen Erde als Alp oder Mähwiese oder Pferch oder Viehweide gerodet und genutzt werden: das Verb roncare heißt roden, es findet sich heutzutage aber nicht einmal mehr im 2200 Seiten umfassenden Paravia Langenscheidt Handwörterbuch Italienisch. Das participio passato ist ronco, was dann als Substantiv = Ortsname Ronco zigmal auf jeder Landkarte vom Tessin bis hinunter nach Sizilien aufscheint. Die Alpe Vairolo beispielsweise, mehr als 1000 Höhenmeter senkrecht über dem Mastallonetal gelegen mit spektakulärer Aussicht auf Cervatto, Fobello, Rimella und den Monte Rosa sowieso, liegt mühsame drei Stunden Aufstieg vom nächsten Dorf Ferrera entfernt und wurde wegen ihrer extrem exponierten Lage schon vor über 80 Jahren aufgegeben. Heutzutage sind dort oben nur noch die Wilderer unterwegs: einer der fleißigsten Vertreter seiner Zunft hat erst vor einigen Jahren unter der Hand eine einigermaßen erhaltene Alphütte auf der unterhalb von Vairolo gelegenen Alpe Giavina Lunga erworben, und das garantiert nicht, um dort spazierenzugehen oder Pilze zu suchen oder ein Knutschwochenende mit der Freundin zu verbringen ... "Porco cane, was lachst du eigentlich, ich mache doch schon lange nix mehr. Wenn ich aber zuuuuufällig gerade dort oben Blumen pflücke und es fällt zuuuuufällig ein schöner Gamsbock mit einem Herzinfarkt gerade vor mir auf den Weg, dann kann ich das arme Tier doch nicht einfach liegenlassen, oder?" Eben. Fotos anklicken!
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![]() 19. April 2006, 0928 |
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![]() 7. September 2006, 0927 |
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![]() 27. April 2005, 0917 |
Im Mittelalter entstand die Idee der gemeinsamen Arbeit, beispielsweise beim Bau neuer Wege und beim Erhalt der bestehenden Wege. Von dieser "Corvè" waren insbesondere die Männer betroffen, und ihr Anteil an der gemeinsamen Arbeit entsprach exakt der Größe ihrer Familie, beispielsweise "San Gottardo, Riolo Giovanni, 10 Tage im Jahr". Die Corvè ist eine freiwillige und sinnvolle Absprache innerhalb einer Dorfgemeinschaft, und sie darf nicht verwechselt werden mit Frondienst und Knechtschaft der Leibeigenen für ihren Grundherrn, denn so etwas gab es in Rimella nie. Die Corvè wurde jeweils Anfang Jahr schriftlich festgelegt und genauestens überwacht und hat sich jahrhundertelang bestens bewährt. Vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis in den Zweiten Weltkrieg waren die Arbeiter bei der Corvè sogar durch den Staat Italien garantiert gegen Unfälle versichert. Durch den Wegfall dieser Versicherung nach dem Krieg und insbesondere natürlich durch die dramatische Entvölkerung und Überalterung ist das System der Corvè in den 1950er Jahren endgültig zusammengebrochen und hat somit den flächendeckenden Verfall der Bergwege weiter beschleunigt.
Auch der Dachbau ist gemeinsame Schwerstarbeit. Seit Jahrhunderten sind die Handwerker aus Rimella im ganzen Sesiatal und weit darüber hinaus als die besten Fachleute für Steindächer bekannt und entsprechend nachgefragt. Anhand dieses Fotos von der Alpe Selletta läßt sich anschaulich das ungeheure Gewicht eines Steinplattendachs ausrechnen. Hier leistet sich ein Flachlanditaliener aus Mailand den Umbau einer alten Alphütte als Ferienluxusbude. Die Lattung besteht aus 30 Sechziger-Latten von jeweils 8 Metern Länge. Die Granitplatten sind etwa 60 mal 40 mal 6 Zentimeter groß, sie wiegen unbehauen gute 40 Kilogramm und werden palettenweise mit dem Transporthubschrauber auf die gut sichtbare Hilfskonstruktion am First abgesetzt. Vor dem Legen werden sie fachmännisch vorsortiert, man sieht hier schön die "guten" Platten rechts, die "schlechten" links und die wiederverwendbaren Platten vom alten Dach ganz links: diese extrem kritische Selektion von Hand und nach Sicht ist eines der größten Geheimnisse der Rimmelesi und sie entscheidet darüber, ob das Werk "nur" 50 Jahre hält - oder doppelt so lang! Gelegt wird von unten nach oben und gleichzeitig werden die Platten nach außen behauen, so daß die Sichtkante am Ende etwa 35 Zentimeter Breite hat. Die Platten werden nicht eingehängt oder festgeschraubt, sie halten alleine durch ihr großes Gewicht bei der idealen Neigung und durch die Reibung bei der korrekten Überlappung. Total benötigt man bei diesem Dach pro Latte (800 : 35 =) 23 Platten, für 30 Lagen also 690 Platten und für beide Dachhälften total 1380 Platten. Das macht 1380 mal 60 mal 40 mal 6 = 19 872 000 Kubikzentimeter oder 20 Kubikmeter. Bei einem spezifischen Gewicht von 2,9 sind das total 58 Tonnen alleine für die Steinplatten. Dazu kommen noch etliche Tonnen für das massive Tragwerk. Was das ganze kostet - plus Transporthubschrauber für 18 EUR pro Minute plus Bodenpersonal für 15 EUR pro Minute plus Mehrwertsteuer - kann man sich denken ... Dünner, kleiner, leichter und wesentlich billiger sind Schieferplatten, die wegen der erheblichen Wasseraufnahme und raschen Verwitterung natürlich nicht so lange halten. 18. September 2006, 1021.
Neues Tragwerk für das pyramidenförmige neue Steinplattendach des Albergo Fontana, Gewicht etwa 200 (zweihundert) Tonnen. Das Digitalpanorama vom 2. Juli 2006 zeigt die massive Eckkonstruktion mit Dachbalken aus 45 Zentimeter starken besonders ausgesuchten Lärchenstämmen. Auch die Sparren haben satte 30 Zentimeter. Bei den besten Handwerkern aus Rimella - Planung, Statik, Mauerwerk, Tragwerk, Blechpatscherei und Dach kommen stets aus einer Hand! - hält so ein Steinplattendach etwa 80 bis 100 Jahre ...
Durch das System der Realteilung wird im Erbfall der Grundbesitz stark aufgeteilt. Eine zwangsweise Flurbereinigung wie beispielsweise nach dem Zweiten Weltkrieg in Baden-Württemberg hat es in Italien nie gegeben. Über die Jahrhunderte führte das zu einer unglaublichen Zersplitterung der Eigentumsverhältnisse, bei der die meisten Grundstücke nur noch wenige Quadratmeter klein sind. Wer sich einen aktuellen Katasterplan anschaut, den trifft wirklich der Schlag:
Digitaler Katasterplan von Villa superiore di Cervarolo im unteren Mastallonetal. Die Entfernung zwischen der Kirche, mit einem Kreuz gekennzeichnet, auf 882 Metern Seehöhe und dem Weg, der die Markung links begrenzt, genau westlich der Kirche auf 971 Metern, beträgt laut GPS genau 361 Meter. Daraus folgt, daß beispielsweise das mit einem roten Punkt markierte Grundstück eine Fläche von gerade mal 18 • 14 Metern hat, also lächerliche 252 Quadratmeter.
Etliche weltfremde grüngraue Schreibtischschwätzer glauben zu wissen, daß schon wenige Jahrzehnte nach dem Rückzug des Menschen und seiner Weidetiere aus dem Alpgebiet endlich wieder die romantisch (v-)erträumte "Urnatur" mit Tausenden von verschiedenen Pflanzenarten und ein paar Trillionen schöner Blumen und Schmetterlinge aus dem Nirwana "irgendwie und so" sanft darniederschwebt. In der Wirklichkeit trifft jedoch das genaue Gegenteil zu. Ausführliche Beschreibungen und Erklärungen findet man in den exzellenten wissenschaftlichen Standardwerken des Geographie-Professors und GTA-Führerautors Bätzing und insbesondere bei der Biologie-Professorin Lehringer, die im Wildnisgebiet unseres schönen Nachbartals Val Strona arbeitet und forscht - beides Leute mit jahrzehntelanger Praxis, die anders als irgendwelche Trielträumer auch schon öfters mal ein piemontesisches Buschmesser von nahem gesehen haben! - , sowie in Dutzenden von weiteren exzellenten Arbeiten wie beispielsweise hier: "Von allen Vegetationseinheiten weisen extensiv bewirtschaftete Wiesen und Weiden die größten Artenzahlen pro Fläche auf. Schon gewisse Zwischenstadien wie beispielsweise Grünerlengebüsche sind ausgesprochen artenarm. Magerrasen entwickeln sich im Südtessin innert 15 Jahren zu dichten Vorwäldern. Rote-Liste-Arten werden im Berggebiet durch die Bewirtschaftungsaufgabe zurückgedrängt." ... und nicht etwa begünstigt! Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. April 2008, über die Familie Wehrli auf einer Alp in der Schweiz: "Dort, wo es keine Hirten mehr gibt, holt sich die Natur das Land zurück, das man ihr mühsam abgetrotzt hat. Der Wald kommt und nimmt sich pro Sekunde eineinhalb Quadratmeter Schweiz, das sind jeden Tag zehn Fußballfelder. Täler und Alpwiesen verschwinden, mit ihnen die Vielfalt der Arten." Auch für die gerade in Rimella unglaublich große Vielfalt und Vielzahl an Schmetterlingen und anderem Krabbelzeug ist der Grünerlen-Dschungel tödlich:




Da hat einer eine Handvoll Häuser auf einen nackten Berghang geworfen, an der einzigen Stelle weit und breit, die nicht zu steil und auch nicht lawinengefährdet ist. Das ist nicht Tadschikistan oder Tibet, sondern Meula in einem der wildesten Seitentäler des Mastallonetals, das wir besser kennen als irgendjemand sonst. Vor hundert Jahren hatte es 300 Einwohner, heute 3 (drei). Nur im Frühjahr, das heißt in den zwei bis drei Wochen unmittelbar nach der Schneeschmelze und vor der Wiederbelaubung, sieht man, daß drumherum alles, aber wirklich alles! bis in die steilsten Gräben und in den nackten Fels hinein, mit Trockenmauern terrassiert war. Was für eine ungeheure Arbeit! Standort Cima Lavaggio, 22. April 2006, 1123.

Villa superiore, einer der höchsten Ortsteile von Rimella. Auch hier sieht man die alten Trockenmauern, die jetzt mit Gras zuwachsen und von unten nach oben verbuschen. Inutile dire che, auch in diesem Labyrinth von Terrassen gibt es Wege, die weder beschildert noch markiert sind und die nur wir kennen. Standort Monte Tracciora di Fobello, 10. Mai 2007, 1132.

Diese Schwarzweißfoto wurde etwa um das Jahr 1900 herum aufgenommen. Der Autor ist unbekannt, sein Standort war höchstwahrscheinlich die Alpe La Res, also etwas weiter rechts = südlich als unser Farbfoto von 2007. Vor über 100 Jahren muß es eine Sauarbeit gewesen sein, die schwere Fotoausrüstung mit Teleobjektiv und Stativ dort hinaufzuschleppen. Diese einzigartige Dokument wurde uns erst 2006 unter der Hand von den Einheimischen zugespielt. Man sieht sehr gut die alten Terrassen und Felder links = nördlich von Villa superiore, lange vor der brutalen Entvölkerung und darauffolgenden Verbuschung. Bemerkenswert ist, daß der überlebenswichtige "Pineta", der Lawinenschutzwald über den zentralen Dorfteilen, der heute - siehe oben - unmittelbar oberhalb der Häuser beginnt, hier nicht zu sehen ist. Stattdessen sieht man unmittelbar über den ersten Häusern einen riesigen vegetationslosen Erosionsgraben, den es heute nicht mehr gibt - siehe oben; diesen Graben haben wir jeweils mit einem roten Pfeil markiert. Es handelt sich wohlgemerkt nicht um den großen Graben links des Schutzwaldes! Daraus folgt: erstens, der Erosionsgraben wurde innerhalb der letzten hundert Jahre fachmännisch perfekt befestigt und bepflanzt; heute kann das niemand mehr. Zweitens, ebenfalls innerhalb der letzten hundert Jahre wurde der Lawinenschutzwald durch gezielte Anpflanzungen bis unmittelbar über die obersten Häuser ausgedehnt. Wie man bei uns sagt: "Die Alten waren auch keine Seckel"!
Die restlichen Einwohner sprechen selbst von "fazoletti qua e la", weit auseinanderliegenden Flächen von der Größe eines Taschentuchs. Wegen der harzigen Mentalität der Bergbewohner ist eine Zusammenlegung mit dem Ziel der rationelleren und einfacheren Bewirtschaftung praktisch unmöglich und käme heute sowieso viel zu spät. Schon die Idee, die fünf Mikrogemeinden im Mastallonetal - Cervatto, Cravagliana, Fobello, Rimella und Sabbia - mit total 370 Einwohnern endlich zusammenzulegen, um effektiver zu arbeiten und gegenüber den Behörden mehr Macht zu haben, führt zu flächendeckenden Lachkrämpfen und zur Feststellung: "Das ist vollkommen unmöglich, da würde sofort der Krieg ausbrechen." Cervatto hat - nach eigener Aussage! - im Winter 22 Einwohner, und wenn man die Leute genauer fragt, sind es tatsächlich nur noch acht! Die Folge sind unnötige Reibungsverluste untereinander:
Bergbauern in Bayern, Frankreich, Österreich und in der Schweiz werden wegen der schwierigen Arbeitsbedingungen und für gezielte Landschaftspflege umfangreich subventioniert. Insbesondere für die Bealpung, für Wegarbeiten und für die Infrastruktur gibt es viel Geld, eben um die Kulturlandschaft zu erhalten - die natürlich auch dem in diesen Ländern lebensnotwendigen Massentourismus dient - , und um dadurch die Entstehung von Wildnisgebieten zu verhindern. In Italien gibt es keinen Pfennig für "die letzten dort oben". Es gibt zwar theoretisch
Es gibt im Piemont aber real nichtIn der Flachland-Provinz Vercelli, dem größten Reisanbaugebiet Europas, hat es über 180000 Einwohner, davon alleine 45000 in der Hauptstadt Vercelli, 14000 in Borgosesia und weit unter 10000 in den anderen Kleinstädten wie Santhià und Gattinara. Das Sesiatal selbst ist eine abgelegene Gebirgsregion, die vor 200 Jahren in ihrer Blütezeit sogar eine eigene Provinz war; die spannende Geschichte beschreiben wir hier. Es hat gerade mal 6800 echte (und nicht nur angemeldete) Einwohner, davon knapp 5000 in Varallo. Bleiben also rund 1800 meist ältere Leute in den abgelegenen Bergtälern, die untereinander nicht vernetzt sind, und jeder kann sich ausrechnen, daß die paar Eingeborenen da hinten in der reichen padanischen Tiefebene drunten sowieso niemanden interessieren und daß sie bei Wahlen keinerlei Gewicht haben. An der hypsometrischen Kurve der Provinz sieht man genau, daß die Gebiete, die höher als 1500 Meter liegen, gerade mal 14 Prozent der Gesamtfläche ausmachen.
Gert Trego vom Verlag der Weitwanderer, der viele Jahre lang die GTA betreut und unterstützt hat, schrieb schon 1993 in seinem Wanderführer Der große Walserweg auf Seite 135 über die Alpen im Gebiet des oberen Sesiatals: "Sieht man, wie hier Bergbauern der EG wirtschaften müssen, und vergleicht das mit der Agrarpolitik in Brüssel, so kann, wenn nicht schnell etwas geschieht, der Tod der Wirtschaft dieser Bauern bereits heute vorausgesagt werden." Ecco!
Von den Milliardengeldern, die seit Jahrzehnten in der sogenannten "EU" alleine für deren idiotische, umweltzerstörende und hochkriminelle Agrarpolitik verpulvert werden, abgezockt insbesondere von Frankreich mit brutto 10 und netto 3 Milliarden EUR pro Jahr, das sind unglaubliche 95 EUR pro Sekunde!, ahnen die letzten Einwohner dort oben glücklicherweise nix. "Europa" funktioniert bekanntlich so, daß genau diejenigen Nationen das meiste Geld abzocken, die von Anfang an ihre rücksichtslosesten Manipulatoren an den entscheidenden Schaltstellen der Macht installiert haben, wo sie dann weisungsgemäß ausschließlich im nationalen Interesse am lautesten schreien und bluffen und auf den Tisch hauen: an allererster Stelle - wie immer seit über einem halben Jahrhundert! - die zentralistischen und extrem korrupten Gallier, dann kommt verdammt lange NIX mehr, und dem perfekt manipulierten Rest gibt man buchstäblich den Rest. Dadurch verstärkt sich vollautomatisch der perverse Effekt, daß ausgerechnet dieses Land mit lächerlichen 2 (zwei, nicht zwölf oder zwanzig. Zwei!) Prozent Anteil der Landwirtschaft am Bruttoinlandsprodukt (Fischer Weltalmanach 2008 Seite 182) auch noch die meisten Agrar- und Strukturgelder abzockt. Economist, 24. Dezember 2005: "A modern EU budget would not be one that spends 40 % on agriculture ¦¦and another 20 % on 'structural aid' - JK¦¦. This policy benefits France to the tune of 3 000 000 000 EUR net, per year. If France likes wasting taypayer's money on big, rich farmers, which is what the Common Agricultural Policy (CAP) does, it should surely pay for this folly itself. The deal puts off any serious chance for further CAP reforms until 2013." Wir schreiben jetzt 2008 und das alles ist einfach ein permanenter ungeheurer Skandal, denn auf Druck der französischen Politmafia und der gallierhörigen bundesdeutschen Attrappenpolitiker - lascia perdere, diese dummdeutschen Dorfdeppen aus Berlin! - soll diese EU = Extrem Undemokratische Riesensauerei weitere fünfzig Jahre lang ungebremst und genauso pervers weitergehen. "Europa ist nach innen korrupt und nach außen eine Gefahr für den globalen Handel." Sunday Times, 18. Dezember 2005. Bravo, ragazzi, dem ist wahrhaftig nix mehr hinzuzufügen. Und die Entvölkerung in den vergessenen und verlassenen italienischen Bergdörfern geht genauso ungebremst weiter!
Das exakte Gegenteil davon ist die urdemokratische Schweiz, die sich gottseidank nicht dem verbrecherischen "EU"-Agrarwahnsinn unterworfen hat und ihre Bergbauern eben gerade nicht verrecken läßt. Economist, 29. September 2007: "There are subsidies for feeding cows only grass and hay, and subsidies for letting them graze outdoors in summer. Swiss voters are big on animal welfare, and tourists like animals. Wildflower meadows, wooded riverbanks and steep fields all attract cash. Officials insist these are payments for public goods that do not distort the market."
Unverbrauchte junge Fachleute, die sich noch nicht durch Geld oder Macht korrumpieren lassen, haben diese Zusammenhänge schon lange begriffen. So schrieb beispielsweise Rainer Rothfuss vom Gemeinsamen Technischen Sekretariat des Interreg 3 Alpenraumprogramms beim Alpenforschungsinstitut in Garmisch am 28. August 2003: "Gestern Abend hat mir meine Mutter erzählt, dass eine ihrer Freundinnen (Ingeborg Lenzer) ganz begeistert von einer von Dir geführten Wanderung in Rimella gewesen sei. Weil Du aus Tübingen kommst und ich dort auch Geographie studiert habe und jetzt auch mit der Alpenthematik zu tun habe, dachte ich mir, ich melde mich mal kurz. Wir haben ja schon einige Projekte und Anträge vorliegen, die sich mit einer ähnlichen Thematik beschäftigen, wie die Rimella-Initiative, leider kommen aber die Projektpartner fast immer nur aus den ohnehin reicheren Regionen der Alpen. Wir suchen gerade nach einer Lösung für dieses Problem, da wir ja die Ungleichgewichte zwischen den Regionen mit unserem Programm nicht noch weiter verstärken wollen!" Nach eingehender Aufklärung unsererseits über die tatsächliche Situation vor Ort, insbesondere in Rimella, schrieb er am 30. September 2003 im szenetypischen "EU"-Sprech an seine Kollegen: "In solch benachteiligten Regionen fehlt das Potenzial, um im transnationalen Rahmen zu kooperieren. Um im Interreg-3-B-Rahmen regionale Disparitäten wirksam abzubauen statt eventuell sogar zu verstärken (in der Mid-Term-Evaluation wird ja deren Zunahme während der letzten Jahre erwähnt werden), sollten wir uns Gedanken machen, wie wir auch diese Partner ¦¦gemeint ist die private Initiative Pro Rimella¦¦ in unser Programm einbinden können, die nicht schon unabhängig vom Alpenraumprogramm aufgrund bereits bestehender struktureller Stärken international kooperieren können."
Die Provinzbürokraten im topfebenen Flachland von Vercelli, dem Zentrum des Reisanbaus in der Padanischen Tiefebene, haben absolut Null Ahnung von den Bedürfnissen und Problemen der Valsesiani oben in den wilden Bergen, und wenn tatsächlich mal aus Versehen Geld ins Tal kommt, handelt es sich durchwegs um völlig sinnlose Projekte, selbstverständlich "EU"-gefördert, an Absurdität sowieso nicht mehr zu überbieten und von den Einheimischen vor Ort, die "EU"-typisch sowieso nie gefragt werden, ausgiebigst begrinst und verlacht. Die hochkriminelle, sinnlose und überaus lächerliche Subventionspolitik der sogenannten "EU" wird auch in einem Artikel im Spiegel vom 19. März 2007 beschrieben, aus dem wir hier zitieren. Nachstehend nur einige Beispiele, denen man unterwegs begegnet - inutile dire che, das ist nur die Spitze des Eisbergs!
Auf der gegenüberliegenden Talseite sieht es noch übler aus. Schon mit bloßem Auge sieht man unterhalb des Grats, der vom Col Baranca zum Pizzo del Moro zieht, auf mehreren Hundert Metern Breite einen über zehn Meter hohen Abriß mit drei Bögen, der sich nach unseren jahrelangen Beobachtungen - nota bene, wir reden hier nicht von 10 Millionen Jahren, sondern von neun Jahren! - in allen drei Dimensionen ständig vergrößert. Auf deutsch: irgendwann und demnächst kommt hier der ganze Berg herunter, was auch Sergio und Alda von der Alpe Baranca bestätigen. Sie reden übereinstimmend von riesigen Mengen labilem Eis im Berg, das an verschiedenen Stellen nur wenige Meter unter der Erdoberfläche zutage tritt und das von ihnen schon seit Jahrzehnten, weiter oben natürlich auch von den Wilderern, als natürlicher "Kühlschrank" genutzt wird, und sie alle haben vollkommen recht. Es wäre also auch deswegen lebensgefährlich, eine Fahrstraße ausgerechnet durch das Val Baranca zu führen, das außerdem oft bis in den Mai hinein durch Lawinen bedroht ist. Die schweizerische Geologin Dr. Andrea Rieser, die vor einigen Jahren in Rimella gearbeitet und mit einem ungeheuren Aufwand eine neue geologische Karte des Gebiets erstellt hat, schrieb am 4. Februar 2006: "Ich würde das einfach als Rutschung oder Hangrutschung bezeichnen mit klarer oberer Abrisskante. Die Tatsache, dass die Rutschung eine so gerade Oberkante hat, könnte darauf hinweisen, dass das Ganze auf tauenden Permafrost zurückzuführen ist, oder aber dass eine Störung dort entlang läuft. In dem Fall ¦¦Störung¦¦ würde ich aber erwarten, dass man auch im felsigen Teil ein Lineament erkennen kann, und das ist hier nicht der Fall." Volltreffer! In diesem Zusammenhang sei auf eine weitere Arbeit im nur wenige Kilometer entfernten Saas-Tal hingewiesen: das Projekt Steinschlag. Kommentar der Einheimischen aus Fobello und Cravagliana: Sarebbe ora! Es wäre an der Zeit! Ein Teil erhofft sich von der Straße tatsächlich einen neuen Tourismus. Ein anderer Teil ist voll dagegen, vor allem wegen der riesigen Folgekosten für den Unterhalt, die allerdings auch von den Befürwortern als unbezahlbar akzeptiert werden. Auch hier wird diese Schnapsidee heiß diskutiert.









Zuerst war die rundumerneuerte Luxusbude für Jugendgruppen aus dem Flachland vorgesehen, man kommt aber sowieso nur zu Fuß hin, also hat man diesen unglaublichen Blödsinn ziemlich schnell aufgegeben, denn drunten in Tiefitalien gibt es, anders als in deutschsprachigen Ländern, keine organisierte Wanderbewegung, und kein Flachlanditaliener ist so dumm und läuft freiwillig stundenlang einen steilen Bergweg hinauf! GTA-Weitwanderer kommen ebenfalls nicht in Frage, denn was sollen sie dort tun? Dieser Ortsteil ist schon seit Jahrzehnten völlig verlassen, kein Mensch wohnt mehr dort, und selbst im Hochsommer geht dort am Osthang nachmittags gegen 1700 die Sonne unter und dann wird es sofort lausig kalt, während unsere Wandergruppen im Albergo Fontana, direkt gegenüber am Westhang im lebendigen Zentrum von Rimella, auf der riesigen Terrasse noch drei Stunden länger Sonne und Wärme genießen können, selbstverständlich in angenehmer Gesellschaft zusammen mit den Einheimischen.

Aufgrund unserer langjährigen Erfahrung im Sesiatal prophezeien wir: kein Mensch wird jemals diese Bude betreiben, das Geld wird also buchstäblich zum Fenster hinausgeschmissen, denn nach einer Anstandsfrist von gerade mal zwei Jahren wird die Bude letzendlich dem berüchtigten italienischen WWF vermacht, der sie dann mit seinen Saufbanden, die im Vollrausch die Möbel verheizen, die Küche zertrümmern und die Matratzen zum Fenster hinausschmeißen, innert einem Jahr genauso zugrunderichten wird wie vor wenigen Jahren eine ehemals sehr schöne Berghütte zwei Seitentäler weiter oben am Monte Rosa. Die Höhe unserer solcherart sinnlos verheizten "EU"-Steuergelder kann man amtlich bestätigt hier finden: 140017 EUR! Kommentar der Einheimischen aus Rimella: Sono matti, le maledette teste ronde lagiù in Italia! Die sind verrückt, die verdammten Rundköpfe da unten in Italien (sic). Ausgerechnet in Roncaccio superiore. Wem so etwas einfällt, der muß schwer krank sein. Es wäre besser, sie würden endlich etwas für unser Dorfzentrum tun, bevor es endgültig zu spät ist!



Der Torrente Mastallone soll unterhalb der markanten Kurve südwestlich von Cravagliana gefaßt und in einem Rohr vollständig nach Vocca ins Sesiatal abgeleitet werden. Restwassermengen sind nicht vorgesehen beziehungsweise werden sie vermieden durch die üblichen faulen Tricks der Wasserkraftmafia, die man unterwegs sieht.
Wenn man gleichzeitig einen Straßentunnel baut, würde niemand mehr an der spektakulären Ponte della Gula vorbeifahren, und keiner würde sich über den fehlenden Wildfluß beschweren: äußerst raffiniert eingefädelt von der bergbachgeilen Wasserkraftmafia aus Mailand und Turin!

Ponte della Gula, eine der größten Sehenswürdigkeiten im unteren Mastallonetal bei der Fahrt von Varallo nach Rimella. Spilker: "Eine kleine Steinbrücke, die sich elegant von einer Klammwand zur anderen schwingt. 35 Meter unter der Ponte della Gula schimmert das grünliche, glasklare Wasser des Mastallone. Es ist hier über 10 Meter tief, senkrecht ragen die Felswände rechts- und linksufrig aus dem Fluß. An der Felswand erkennt man einen alten Saumpfad. Die Klamm selbst ist unproblematisch. So haben wir Muße, die Eindrücke auf uns wirken zu lassen. Weit hängen die ausgespülten Felswände über uns, düster und unheimlich ist es hier unten. Ab und zu verirrt sich ein Sonnenstrahl und läßt das klare, tiefe Wasser grünlich schimmern. Ich lasse mich zu Freudenschreien hinreißen. Was gibt es doch für schöne Fleckchen auf unserer Erde!" Natürlich kennen wir auch in diesem wilden Gebiet zahlreiche schöne und versteckte alte Bergwege. Digitalpanorama zusammengesetzt aus Fotos vom 13. Juni 2005. Die Originaldatei ist 2073 • 4227 Pixel groß!

Wir sagen im Januar 2008 voraus: Die logische Folgerung aus einer derartig einseitigen "touristischen Entwicklung" wird sein, daß demnächst auch in der landschaftlich schönen Talweitung von Scopa, im mittleren Sesiatal, ähnliche Wahnsinnsprojekte realisiert werden, denn woanders ist das Sesiatal viel zu schmal. Wir kennen Scopa und die einsamen Wege in der Umgebung recht gut - hier steht ein Digitalpanoramafoto vom wilden Valmala - und haben 2007 zum ersten Mal die spektakuläre Überschreitung Piaggiogna - Scopa mit begeisterten Wandergruppen durchgeführt. Kommen Sie zum Bergwandern ins Sesiatal, bevor auch noch diese superschöne Gegend vom sogenannten "Fortschritt" gnadenlos verschandelt wird!

Das Geheimprojekt wurde am 20. April 2007 von der Lokalzeitung Notizia Oggi aufgedeckt und veröffentlicht mit einem äußerst realistischen und giftigen Kommentar: "L'augurio più caldo e sincero che possiamo fare è che questa idea della metropolitana sotto il Monte Rosa finisca in qualche cassetto e ci resti per svariati decenni. Non si può sperare altro, per un programma del genere. Il guai è che, quando l'affare ammonta a varie centinaia di milioni di euro, anche gli incubi più assurdi rischiano di trasformarsi in realtà. Basta dire la parola magica: sviluppo. Da ripetere più spesso che si può. Sviluppo, sviluppo, sviluppo. Un bel giorno qualche ingegnere se ne esce dicendo che trapanare il massiccio è un progetto essenziale 'per garantire un futuro' ai paesi intorno al Rosa. Alla fine si trasforma in progetto, possibilmente agganciato a qualche bando europeo. Una sola parola: pazzesco! Un Monte Rosa come Gardaland, con il trenino che va su e giù a portare la gente a vedere i panorami? Ma il mondo reale non è un parco dei divertimenti. Se si vuole investire seriamente sulle valli, si pensi piuttosto a valorizzare i boschi, o a creare mercati validi per gli allevatori. Meglio una vacca sopra la montagna che un treno sotto." Nota bene, dieser Kommentar stammt nicht von uns, aber er bestätigt unsere jahrzehntelange Erfahrung: je absurder ein "Entwicklungsprojekt" ist und je mehr Millionen Steuergelder abgezockt werden sollen, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß ein derartiger Wahnsinn auch schnellstmöglich realisiert wird. Beweise und Fotos siehe oben!
Am 26. Februar 2007 haben wir per Einschreibbrief diese Anfrage gerichtet an die für den Jahresplan 2007-2013 zuständige "EU"-Behörde in, of all countries, Frankreich. Eine Antwort haben wir bis heute noch nicht erhalten.
Am 12. April 2007 haben wir per Einschreibbrief dieselbe Anfrage gerichtet an den National Contact Point des Alpine Space Programme in Garmisch-Partenkirchen. Eine Antwort haben wir bis heute noch nicht erhalten.
Am 12. April 2007 haben wir per Einschreibbrief dieselbe Anfrage gerichtet an das Joint Technical Secretariat des Alpine Space Programme in Rosenheim. Abgespeist wurden wir per E-Mail - eine Frechheit per se! - mit einem völlig sinnlosen Serienbrief aus dem Phrasenbaukasten, dessen gnadenlos sinnlosen Inhalt Sie gerne hier nachlesen können.
Die perverse Bürokratie der "EU"-Superseckel wird hier von einer betroffenen Projektchefin äußerst treffend beschrieben. Wieso eigentlich wird dieselbe totale Kontrolle nicht auch über die kriminelle "EU"-Kommission darselbst verhängt? Der Knaller ist, daß bei diesen mickrigen Alpinprojekten mit bestenfalls ein paar hunderttausend EUR Kostenbeteiligung schon 20 Prozent Abweichung vom schärfstens kontrollierten Finanz- und Zeitplan (!) nicht toleriert werden. Die größenwahnsinnige "EU"-Kommission unter totalitärer gallisch-zentralistischer Diktatur foutiert sich bekanntlich seit Jahrzehnten um demokratische oder gar haushälterische Prinzipien. Wenn also deren Idiotenprojekte, beispielsweise das überaus lächerliche und künstlich hochgejazzte "Galileo", die mindestens um den Faktor 1 0 0 0 0 (z e h n t a u s e n d !) mal teurer sind, ohne jeglichen seriösen Finanzplan (!) angeleiert werden und dann erst noch, wenn überhaupt jemals irgendwann vielleicht, zehn Jahre zu spät kommen und unglaubliche 13 M I L L I A R D E N - oder eher 30 M I L L I A R D E N ! - statt der von Anfang an total verlogenen 3 M I L L I A R D E N kosten, dann ist das anscheinend völlig (l)egal!
Derartige Projekte sind aufgrund der Erderwärmung sowieso sinnlos, da es selbst in der ehemaligen Schneeschmelzzeit mangels Schnee fast kein Wasser mehr hat, wie man hier an den amtlichen Statistiken der Region Piemont sieht.









Unterhalb von Rimella wurden bereits drei Gebirgsbäche abgeleitet, die Konzession der Provinz Vercelli vom 27. Januar 2001 erlaubt total durchschnittlich 3,78 Kubikmeter pro Sekunde und maximal 8,30 Kubikmeter pro Sekunde:
"Deflusso Minimo Vitale: il concessionario ha l’obbligo di lasciar defluire liberamente, immediatamente a valle delle opere di presa, le seguenti portate costanti e continue: sul torrente Bise Rosso lt/sec. 57; sul torrente Scarpiola lt/sec. 21; sul torrente Rondo lt/sec. 48." Die kriminelle Wasserkraftmafia hat die von Anfang an eingeplante Umgehung dieser gesetzlich vorgeschriebenen Restwassermengen schon bei der Konstruktion der Ableitungen gleich mit eingebaut und durchgeführt. Neben dem "Grill" wird zwar vorschriftsmäßig ein Überlauf für das Restwasser eingebaut, diese obligatorische Lücke wird jedoch von Anfang an durch Steine oder Bretter sofort blockiert, damit nur ja auch der letzte Tropfen Wasser in den Grill statt in den Bach fließt und dadurch den perversen Profit der ach so "grünen" Wasserkraftmafia erhöht. Exakt für diese Bretter gibt es sogar elegant einbetonierte Führungsschienen! Beweisdokumente:


Am 30. November 2006 teilte uns Frau Lehringer aus dem benachbarten Stronatal mit, daß auch hier ein Kraftwerk gebaut werden soll. Die Provinz Verbania-Cusio-Ossola hat seit Mussolinis Zeiten italienweit sowieso schon den höchsten Anteil von Strom aus Wasserkraft. Geplant ist ein Staudamm direkt in Campello Monti, einem seit über 20 Jahren vollkommen ausgestorbenem ehemaligen Ortsteil von Rimella - unmittelbar betroffen sind die GTA-Etappen 2 und 3! - und praktisch eine Totalableitung des Strona mit einem Kraftwerk unterhalb von Piana di Forno.
In den Alpen fehlt es an neuen Ideen für einen intelligenten Tourismus - ein Begriff, mit dem die Einheimischen im Sesiatal unsere Initiative Pro Rimella bezeichnen und den auch die lokale Presse hier aufgegriffen und angeregt hat. Stattdessen, trotz der rasanten Klimaveränderung mit immer höheren Temperaturen und immer weniger Regen und Schnee, panisches Festklammern - buchstäblich ums Verrecken! - an der alpenweit noch immer üblichen touristischen Einheitsidiotie: Schlepplifte, Seilbahnen, Schneekanonen und Skifahren, die alpintouristische Umweltsauerei Nummer Eins - beispielsweise bei Scopello auf der grünen Wiese der Alpe Mera, wo es natürlich auch schon lange nicht mehr richtig schneit, in lächerlichen 1700 Metern Höhe, und natürlich "EU"-gefördert: alleine für die neue Zufahrtstraße werden uns Steuerzahlern 1823016 EUR abgezockt, wie man hier sieht, und der neue Staudamm für das Kunstschneewasser, die kilometerlangen unterirdischen Wasserrohre und die Kunstschneekanonen kosten uns weitere 12000000 EUR!

Berge, März 2006: "Skifahren ist der einzige Sport, der binnen weniger Jahrzehnte ganze Landstriche umgemodelt und auch beschädigt hat." National Geographic Magazine, February 2006: "Glaciers in Switzerland have lost 20 % of their surface area in the past 15 years. As temperatures rise, so does the snow line. Says Willi Krüger of the Pitztal resort: 'If I were investing, I wouldn't invest in any ski area lower than 5500 feet ¦¦= 1800 metres¦¦. ' Artificial snow damages the plants and disturbs the water cycle. I had looked at a series of photographs of a mountain in the process of becoming a ski area. It resembled the pictures of a person's face after plastic surgery, just when they take the bandages off. The scars will remain. Ski slopes, discotheques, wine, massages. This has left an indelible mark on the mountains. Skiing is a very aggressive activity. It's aggressive to go there in your car, aggressive to go up the mountain on a ski lift. It's a tourism that's still rooted in consumerism. Prostitution of the snow." Neue Zürcher Zeitung, 7./8. Januar 2006: "Das Skigebiet auf der Belalp bekundet große Mühe, die Ersatzanlagen von alten Skiliften zu finanzieren. Viele Skigebiete im schweizerischen Alpenraum vermögen die nächste Investitionsrunde nicht mehr zu bestreiten. Trotzdem schmieden auch die angeschlagenen Skigebiete immer wieder Ausbau- und Verbindungspläne, die mit den insgesamt über 100 Vorprojekten und Projektideen in der ganzen Schweiz eines gemeinsam haben: sie sind kaum finanzierbar. Im Saastal, wo eben erst drei Gemeinden mit kantonalen Mitteln vor dem Bankrott bewahrt werden mußten, weil sie sich bei der Finanzierung von touristischer Infrastruktur übernommen hatten, träumt man immer noch von einem riesigen Skizirkus im Monto-Moro-Gebiet an der schweizerisch-italienischen Grenze. Kostenpunkt: 180 Millionen Franken." Vielleicht kommen diese Herren aus Saas Fee irgendwann doch noch auf die glorreiche Idee, buchstäblich höchst und persönlich mal auf den Monte-Moro-Paß zu rennen, nach Macugnaga, dem alten Walserdorf Makanà, hinunterzuschauen und endlich zu kapieren, daß in ihrem nur 13 Kilometer entfernten italienischen Nachbarort schon seit Jahrzehnten der Skitourismus mangels Schnee und Erreichbarkeit verreckt: von 272866 Übernachtungen im Jahr 1972 auf lächerliche 41690 in 2006, mithin ein Rückgang um 85 Prozent! Im Winter 2005/2006 hat es erst am 28. Januar richtig geschneit. Und wenn es keinen Schnee mehr gibt ...

... dann verunstalten sie stattdessen eben Morodisco! Skifahrer aus Mailand fahren sowieso schon immer und viel lieber auf der Autostrada ins Aostatal, statt sich das ewig lange Toce- und Anzascatal bis nach Makanà hinaufzuquälen, vero o non?, die marode Seilbahn ist more often than not außer Betrieb und die seit Jahren vorgeschriebene Totalrevision kann sowieso nicht mehr bezahlt werden, und genau wegen dieser strategisch krottenfalschen Einseitigkeit findet schon seit über 30 Jahren eine massive und unumkehrbare Entvölkerung hinunter ins industriegeprägte Tocetal statt. Im übrigen: wenn selbst die steinreiche Schweiz schon keinen Profit mehr mit dem längst abgehakten Skitourismus macht, wie bitte soll das dann erst in Bayern, in Österreich oder gar in Scopello funktionieren? Neue Zürcher Zeitung, 31. März / 1. April 2007: "Skigebiet zu verschenken. Keinesfalls ein Aprilscherz. Oberwalliser Bergbahnen Ernergalen. Oberhalb von Fiesch. Betriebskosten 520000 CHF. Profitabel ist das Skigebiet nicht." Inzwischen prostituiert sich das ehemals währschafte Wallis konsequent und brutalstmöglich für die kommunistisch-kapitalistischen Neureichen. Selbst in der steinreichen Schweiz geht ohne die Russenmafia, die jetzt etliche so serbelnde wie verkommene Skigebiete zum Preis von einem Franken plus Mehrwertsteuer aufkauft und für die Ansprüche ihrer verkommenen Klientel superelegant herrichtet, garnix mehr: Mirax baut derzeit in Moskau das höchste und großkotzigste Bürogebäude "Europas", den Gazprom-Turm. Jetzt klingelts endlich: Putin - Komitet Gosurdastwennoij Besopasnosti - Erdgasmafia - Schröder - Lupenreiner Demokrat - Gepanzerter Mercedes - KGB undsoweiter: zum Kotzen! Neue Zürcher Zeitung, 14. Januar 2008: "Energalen nicht über den Berg. In ihrer Not setzt die Territoriumsgemeinde Mollens nun voll auf das Großprojekt der Moskauer Bau- und Immobilienfirma Mirax ... Zweitwohnungen erstellt und ab Plan an zahlungskräftige russische Interessenten verkauft."

Umweltsauerei Nummer zwei: man glaubt es kaum, aber im Sesiatal gibt es eine Firma, die mit dem Helikopter reiche Touristen, darunter auch etliche Deutsche, mitsamt ihrem Geländemotor- oder Fahrrad auf die Berggipfel fliegt, damit diese dann eine "sportliche" Abfahrt genießen können: ebenfalls eine perverse und, wie es das National Geographic Magazine zweifellos bezeichnen würde, "a very aggressive activity still rooted in consumerism"!
What's more, wir haben am Gipfel des Pizzo Tracciora di Cervatto schon Deutsche getroffen, die mit einem einheimischen "Führer" und zwei Motorrädern stundenlang den ganzen Bergweg von Boccioleto aus herauf- und hinunterfahren. Gemäß regionalen Gesetzen ist das eindeutig verboten. Schon eine einzige "sportliche" Befahrung - auf deutsch: rasen und bremsen - mit Stollenreifen zerstört die, wie man oben sieht, hauchdünne Vegetationsdecke im Hochgebirge! Auch die Trendsportart Mountainbike ist zunehmend problematisch. Einzelne, rücksichtsvolle und umweltbewußte Biker sind harmlos und somit gern gesehene Touristen, insbesondere wenn sie sich an das vom ADFC und BUND wohlüberlegte und gemeinsam! aufgestellte Leitbild halten. Aber in Massen auftretende Mountainbiker sind für die geschundene Natur keinen Deut besser als durchgeknallte Motorradfahrer, denn sie bewirken natürlich dieselbe katastrophale Erosion, die auch in den einschlägigen Internetforen durchaus offen zugegeben wird. MTB-Forum: "Es gibt Leute, die sich hochliften lassen, um dann irgendwelche Wanderpfade wie die Bescheuerten runterzuknallen und dabei alles kaputtbremsen und der Erosion freien Lauf lassen." "Sorge bereitet auch die zunehmende Ausweisung von Down-Hill-Strecken für Mountainbiker. Die sensible Grasnarbe erleidet hier sehr schnell irreparable Schäden." schreibt auch Klaus Schulz vom BUND in Quo Vadis. Bundesamt für Naturschutz: "Die hohe mechanische Belastung durch das MTB (großer Druck auf eine kleine Auflastungsfläche, verbunden mit hohen Zug- und Scherkräften) führt in jedem Falle zur Schädigung der Vegetationsdecke, wenn Wege und Straßen verlassen werden. Geht die stabilisierende Wirkung des Pflanzenkleides verloren, kommt es zur Erosionstätigkeit: Humusabtrag, Freilegung des darunter liegenden Schotter- und Felsbodens. Verletzungen der Grasnarbe entstehen vor allem durch blockierende Reifen beim Bremsen oder durch plötzliches Anfahren und Beschleunigen. Der geübte Mountain-Biker versucht zwar eine derart unökonomische Fahrweise zu vermeiden, aber aufgrund der derzeitigen Entwicklung dieser Sportart muss wohl vermehrt mit Laien auf diesem Gebiet gerechnet werden." Zu exakt denselben Ergebnissen kommt eine seriöse Studie aus der Schweiz. Wegen der unglaublichen Arroganz und Uneinsichtigkeit dieser Leute und insbesondere der von gerade derartigen Laien profitierenden Reiseverunstalter - MTB ist ein Riesenmarkt, bei dem es um Unsummen von Geld geht! - muß jetzt in den am schlimmsten geschädigten Gebieten sofort die Notbremse gezogen werden. Regione Trentino: "A seguito di una attenta e collettiva valutazione si è ritenuto corretto, anche nell’intento di contemperare i vari obiettivi di fruizione e valorizzazione turistica con quelli di tutela ambientale e di sicurezza, consentire la ciclabilità di tutti i percorsi aventi pendenze inferiori al 20 % e larghezze mediamente superiori all’ingombro trasversale della bicicletta sul terreno." Magazin des Österreichischen Alpenvereins, Jänner 2006: "Wanderwege und Steige werden auch in Südtirol und dem Trentino von den alpinen Vereinen ehrenamtlich instandgehalten und markiert. Durch den Mountainbike-Boom der letzten Jahre wurden die Wege stark in Mitleidenschaft gezogen. Die starke Zunahme geführter Mountainbiketouren deutscher Veranstalter hat jetzt zu neuen gesetzlichen Regelungen geführt: erlaubt ist nur noch das Befahren von Forststraßen und außerdem von Wegen, die weniger als 20 % steil und so breit sind, wie ein Fahrrad lang ist. Ab 1. Mai 2006 Fahrverbot für Mountainbikes auf Wanderwegen. Übertretungen werden mit Abmahnungen geahndet, ab 2007 werden uneinsichtige Bergradler abgestraft!" Im Gebiet des Monte Paganella nördlich von Trient, das seit Jahrzehnten von durchgeknallten Bergradlern überrannt und zerstört und erst noch von weiteren Skiliften bedroht wird, werden jetzt endlich die Konsequenzen gezogen: die Gesellschaft der Tridentiner Bergsteiger SAT mit 23000 Mitgliedern gibt jetzt das teure und sinnlose Herrichten und Unterhalten sämtlicher Bergwege, das stets auf dem kostenlosen und mühsamen Arbeitseinsatz engagierter Freiwilliger beruht hat, mit sofortiger Wirkung endgültig auf, wie man hier lesen kann: "Così la legge che disciplina la circolazione delle Mountain Bike su determinati sentieri è annacquata e sostanzialmente elusa." Sämtliche Hinweistafeln und Wegmarkierungen werden umgehend entfernt, und weitere vom Massentourismus und der MTB-Mafia überrannte Gebiete werden noch im Jahr 2008 dieselben Konsequenzen ziehen - nicht nur in Nordostitalien!
Die Vorteile eines intelligenten Wintertourismus sind derart eklatant, daß man sich fragt, weshalb die Tourismusverantwortlichen immer noch nicht flächendeckend und speditiv umdenken. In einer umfassenden Analyse der Neuen Zürcher Zeitung vom 24. Januar 2008 wird exemplarisch auf die rosige Zukunft des Schneeschuhwanderns verwiesen:

Im Wildnisgebiet Mastallonetal - Sesiatal gibt es wegen Dummheit und Orientierungsverlust jedes Jahr mehrere (!) tödliche Unfälle, insbesondere unter den großstädtisch naturentfremdeten Flachlanditalienern aus Mailand oder Rom bei der alljährlichen durchgeknallten Pilzsammelorgie im Spätsommer. Nach den wochenlangen Regenfällen im Frühjahr 2008 werden die Pilze jetzt regelrecht explodieren und muß daher heuer schon ab August mit Dutzenden von verunglückten fanatischen Pilzverrückten gerechnet werden. Diese unsere Vorhersage vom Mai 2008 hat sich leider schon jetzt bewahrheitet ...
Es handelt sich hier nicht um ein rotesockenkariertehemdenmäßiges vollerschlossenes Stocknägeltouristengebiet, sondern um das Ende der Welt, wo kaum noch jemand wohnt. Die nach jahrhundertelanger Entvölkerung überhaupt noch vorhandenen Wege sind prinzipiell NICHT markiert und auch mit dem verfügbaren Kartenmaterial NICHT zu finden. 2005 drei tote Turnschuh-Mailänder im Sermenzatal innerhalb von nur 10 Tagen! In Ihrem ureigensten Interesse sollten Sie unbedingt diese nachdrückliche Warnung lesen, verstehen und vor allem auch beachten. Lebensgefahr!
