Wildnisgebiet Rimella und Mastallonetal

www.rimella.de

Rimella
Laghetto Sivie bei der Bocchetta di Campello Monti
Im Hintergrund rechts der Monte Rosa
GTA Etappe 3 Campello Monti - Rimella
7. Oktober 2015, 1100
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Situation
Entvölkerung
Alpwirtschaft
Traditionen
Wildern
Raubtiere
Warnung
Empfehlung
Blumen
Schmetterlinge
Flechten
Geologie
Natur
N I X

Situation

Das faszinierende Naturparadies und Wildnisgebiet von Rimella liegt in den Sesia-Alpen der Region Piemont und ist nur 90 Kilometer Luftlinie von der Millionenstadt Mailand entfernt, nur 55 Kilometer Luftlinie von Locarno am Lago Maggiore, nur 47 Kilometer Luftlinie von Brig im Oberwallis, nur 29 Kilometer Luftlinie von Saas Fee und nur 24 Kilometer Luftlinie von der Dufourspitze, dem höchsten Gipfel des Monte Rosa! Das Mastallonetal liegt südöstlich des Monte Rosa, von Zermatt oder Saas Fee aus gesehen also "hinter" diesem bekannten Bergmassiv. Der Taleingang liegt in der Kleinstadt Varallo auf 450 Metern Seehöhe, und die höchste Siedlung ist San Giorgio di Rimella auf 1450 Metern. Die umgebenden Berge sind bis zu 2400 Meter hoch.

Übersichtskarte des Sesiatals mit Rimella genau in der Mitte
Am rechten Kartenrand der Lago Maggiore
R Rimella
G Gressoney im Aostatal - M Monte Rosa - S Saas Fee - V Varallo
P Passo della Colma, direkte Straßenverbindung von Omegna am Orta-See nach Varallo!
A Arona - B Borgosesia - D Domodossola - O Omegna am Orta-See
Kartendaten © Copyright Google, DigitalGlobe

In diesem abgelegenen und unzugänglichen Gebiet weit abseits des Massentourismus findet seit über 150 Jahren eine massive Entvölkerung statt. Die alten Verbindungswege verschwinden im Dschungel und im Gestrüpp, und es gibt keine Hinweisschilder und keine Wegmarkierungen. Die jahrzehntelange Vernachlässigung, Verbrachung, Verbuschung und Verwaldung resultiert in der Entstehung von neuen Wildnisgebieten. Bätzing definiert damit in seinem Werk Die Alpen nicht etwa "eine unbeeinflußte Naturlandschaft, die es in den Alpen nicht gibt" (!), sondern die "allmählich verwildernde Kulturlandschaft".

Im neuen CAI/TCI-Führer Alpi Biellesi e Valsesiane wird unsere einzigartige Bergwelt korrekt gewürdigt: "La Val Mastallone è la più selvaggia tra le alte valli del Sesia ... un ampio spettro di escursioni e di ascensioni in ambienti che assicurano gratificanti emozioni, sopratutto per coloro che prediligono le montagne lontane dai centri urbani. Qui si ritrova ancora la possibilità di assimilare i grandi silenzi, gli itinerari marginali e secondari ... una grande varietà negli aspetti geologici, botanici e faunistici difficilmente riscontrabile in altre aree, che, insieme alle valenze storico-culturali, ne fanno un territorio di indiscutabile interesse per l'escursionistica e l'alpinista ... monti che propongono valori assai diversi, lontani dai clamori della notorietà, ma ricchi di quella sorta di 'wilderness di ritorno' apprezzata da chi ricerca luoghi appartati e silenziosi in un contatto diretto con l'ambiente naturale e il dialogo con se stesso."

Eine treffende Beschreibung der Geographie und Physiographie findet sich auch im Begleitheft der neuen Geological Map of the Southern Ivrea-Verbano Zone des USGS: "Rugged topography and poor accessibility characterize the mapped area. Steep mountains rise precipitously 1,500 metres above the valley floors. Where the slopes are not cliffs, they are covered by thick deciduous vegetation. Isolated stone huts ¦gemeint sind verfallende Alphütten - JK¦, which are abundant in the mountains, are mostly in decay as a consequence of decades of abandonment. Most of the area is accessible only by foot; unfortunately, an extensive trail network that once connected the mountain huts in this area ¦gemeint sind wiederum Alphütten, keine 'Berghütten' im touristischen Sinne, denn die gibt es nicht! - JK¦ has been lost due to lack of maintenance and overgrowth by vegetation." Die erwähnte geologische Karte samt Begleitheft halten wir übrigens, wie auch andere umfassende Spezialliteratur, exklusiv für interessierte Teilnehmer an unseren Bergwanderungen direkt vor Ort in Rimella bereit!

Nach Jahrzehnten anstrengender Arbeit im wildesten Gelände kennen wir im Mastallonetal über 1000 uralte Wege. Seit vielen Jahren bieten wir mit großem Erfolg begleitete Bergwanderungen an, im unteren Mastallonetal mit Stützpunkt Varallo und im oberen Mastallonetal ex Rimella. Unsere Tagestouren mit festem Standort - und sehr gutem Essen! - im Albergo Italia und im Albergo Fontana sind ideal für Bergfreunde, die einmal etwas Besonderes erleben möchten. Einzelheiten finden Sie hier und hier. Referenzen finden Sie hier. Glauben Sie nur, was Sie sehen: mehr als 9400 neuntausendvierhundert Superfotos für digitale Fotorahmen gibt es hier!

Parnassius apollo
Roter Apollo
Rimella Sant'Antonio
Vom Aussterben bedrohter streng geschützter Tagfalter
Nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen Appendix 2
die einzige weltweit geschützte nichttropische Schmetterlingsart
2. August 2011, 1522
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Hier beschreiben wir die Hauptursachen für die Entstehung dieses neuen Wildnisgebiets. Bei unseren Bergwanderungen weisen wir unterwegs natürlich auf offensichtliche und erst recht auf verborgene Zusammenhänge hin. "Man sieht nur, was man weiß" schreibt der Geograph Werner Bätzing im GTA-Nord-Führer auf Seite 10: nur mit einem wirklich ortskundigen Wanderbegleiter, der jedes Jahr monatelang in der Gegend herumrennt und sowieso alle Einheimischen persönlich kennt, können Sie in diesem touristisch völlig unerschlossenen Wildnisgebiet auch unter die Oberfläche schauen und die komplexen Zusammenhänge zwischen der gerade in Rimella besonders interessanten Besiedlung, Geographie, Geschichte, Kultur und Wirtschaft begreifen - selbstverständlich ohne den abgehobenen, elitären und oberlehrerhaften Anspruch einer sogenannten "Studienreise"!

Entvölkerung

Die Geschichte der Entvölkerung in Rimella haben wir hier beschrieben: von 1381 Einwohnern in 1831, dem Maximum, auf 73 Einwohner in 2019, dem Minimum, mit weiterhin abnehmender Tendenz. Für das gesamte Mastallonetal sieht die offizielle Bilanz so aus

und in der Wirklichkeit ist sie noch dramatischer, denn nach unseren Erfahrungen wohnen nur 55 Prozent der gemeldeten "Residenti" tatsächlich noch das ganze Jahr über im Heimatdorf. Vuol dire: unter Fortschreibung der Dynamik dieser Statistik hatte es 2011 im gesamten Mastallonetal tatsächlich nur noch 328 Einwohner!

"Offizielle" Einwohnerzahlen 1999 der Provinz Vercelli

Zum selben realistischen Ergebnis kommt man, wenn man die "offiziellen" Statistiken hernimmt: Val Mastallone 854 Einwohner abzüglich 22 Prozent Entvölkerung 1999-2009 mal 55 Prozent ergibt 366 tatsächliche Einwohner! Val Sermenza 799 ergibt eingedampft 343 Einwohner, Val Grande (das obere Sesiatal von Varallo bis Alagna, aber ohne die Kleinstadt Varallo und das Mastallone- und Sermenza-Tal) 2381 macht auch nur 1021 Einwohner, total also 1730 Einwohner in 2009 für sämtliche Bergdörfer zusammen oberhalb von Varallo. Das ist zufällig exakt die Einwohnerzahl von Hagelloch bei Tübingen, dem schönsten Ortsteil der Stadt mit der höchsten Lebensqualität Deutschlands. Nur teilt sich das im Sesiatal eben auf 20 (zwanzig!) selbständige Mikro-Gemeinden auf - die nicht nur nicht vernetzt sind, sondern more often than not auch noch gegeneinander intrigieren! - mit jeweils einem eigenen Bürgermeister, einem eigenen Rathaus und einer eigenen Verwaltung für durchschnittlich 86 Einwohner: ein administrativer und bürokratischer Irrsinn, der sämtliche gutgemeinten Ideen und Projekte schon im Ansatz zunichte macht und jeden halbwegs intelligenten Menschen brüllend davonrennen läßt. Ecco die gnadenlose Überalterung und die akut drohende totale Entvölkerung!

Il Monte Rosa
7. Februar 2014
Zeitungsartikel anklicken!

Wie präzise unsere realistischen Berechnungen aufgrund jahrzehntelanger Kenntnis der tatsächlichen Situation sind, bestätigt dieser Artikel aus der Wochenzeitung des Erzbischofs von Novara, der sowieso schon immer näher am Volk war als die Trotteln von der Provinzregierung. Di nuovo: non tutti i residenti sono abitanti!

Susanne Lehringer schreibt in ihrem exzellenten Werk Kulturlandschaft oder Wildnis in den Alpen auf Seite 525: "Die Erfahrung der Abwanderung von Familienmitgliedern, Verwandten und Nachbarn, der Zusammenbruch einer vertrauten Lebensform und der damit verbundenen Werte sowie der fortschreitende Verfall der umgebenden Landschaft stellen ein traumatisches Erlebnis dar, das diese Menschen tief geprägt hat. Dies drückt sich in einer resignativen, pessimistischen Grundstimmung aus, die zukunftsorientierten Initiativen im Weg steht. Die Menschen fühlen sich alleingelassen und vergessen. Sie erwarten von der Zukunft keine Verbesserung. Es dominiert ein allgemeines Gefühl der Marginalisierung und Benachteiligung, das für viele Berggebiete kennzeichnend ist."

"Der Zusammenbruch einer vertrauten Lebensform ..."
... darf dramatisch wortwörtlich genommen werden!
Verlassene Alphütten stürzen ein und Wiesen verwildern
Uralte Alpwege verfallen und wir sind die letzten, die sie noch kennen
Alpe Galmanna, 30. April 2005

Alpe Galmanna, 6. September 2011
Das Dach der obersten Hütte ist endgültig eingestürzt

Alpe Tele di sopra, 20. Juni 2006
Die Hütte ist schon "angeknackst" ...

... aber das Dach ist noch drauf
20. Juni 2006

Alpe Tele di sopra, 20. Juni 2009
Exakt drei Jahre später hat der Lawinenwinter 2008/2009
die Hütte endgültig vernichtet
In nur 2-3 Jahrzehnten wird überhaupt nichts mehr
an diese wunderschön gelegene Alpe erinnern
Schon jetzt ist sie auf keiner Karte mehr verzeichnet!

Man sieht nur, was man weiß ...
Alpe Ruse
Nein, die da steht NICHT im Internet beim Cimonetto, oder hinter Varallo!
Noch ein langer Lawinenwinter, und man sieht NIX mehr
Im wilden Val Sabbiola kann sich schon heute
kein Mensch mehr an diese spektakulär gelegene Alpe erinnern ...
... nicht mal die alte Ada, classe 1928, aus Cortaccio di Sabbia ...
24. Juli 2012, 1622
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In Rimella haben nach Jahrzehnten harter Arbeit der Initiative Pro Rimella die Einwohner allerdings verstanden, dass die verrückten deutschsprachigen Bergwanderer Geld im Dorf lassen und sich erst noch für ihr verlassenes Bergdorf interessieren und, das Verrückteste überhaupt ... wiederkommen! Anders als in Piana di Forno, wo Frau Lehringer ein Haus hat und zeitweise wohnt, gibt es in Rimella noch einen Laden und Bars und im Sommer ein Hotel, das zudem Etappenstützpunkt auf dem Weitwanderweg GTA ist, der allerdings von Jahr zu Jahr leider immer weniger Besucher ins Dorf bringt.

Alpwirtschaft

Frau Lehringer schreibt auf Seite 517: "Wie eng die Bindung der angestammten Dorfbewohner an die Landschaft ist, wird besonders in den Erzählungen der ältesten Gesprächspartnerin von Piana di Forno deutlich, die heute noch, nach mehr als 30 Jahren, in ihren Träumen die Aufstiege zur Alpe, die Zahl der Wegkehren, die Ruhepunkte sowie die Überquerung steiler Pässe, die heute nicht mehr möglich ist, durchlebt. Die Dorfbewohner sind parallel zu den Landschaftsveränderungen gealtert. Sie haben den Landschaftswandel persönlich miterlebt. Durch ihr fortgeschrittenes Alter und den Verfall der Wege ist ihnen die vertraute Landschaft heute nicht mehr zugänglich und fremd geworden. Sie fragen detailliert nach dem Zustand der Alpen und der Wege dorthin. Durch den progressiven Verfall der Kulturlandschaft werden die Einheimischen von ihren Wurzeln getrennt."

Dieselbe Erfahrung haben wir auch in Rimella gemacht. Beim Betrachten der neuesten Fotos von Jörg Klingenfuß sagt die alte Ada: "Das ist die Alpe Tossie. Dort habe ich meine ganze Jugend verbracht. Es war so schön und wir waren so viele Leute, das kannst du dir garnicht vorstellen. Wir sind barfuß bis zum Colle Segnara gelaufen, um die Ziegen zu suchen. Ich könnte heulen, wenn ich sehe, dass heute keine einzige Hütte mehr steht und man nur noch Ruinen sieht. Wir hatten sogar eine kleine Kapelle. Du mußt mir von dem Foto unbedingt einen größeren Abzug machen, damit ich es mit meinen alten Augen besser sehen kann. Wenn das mein Bruder wüßte. Und dann gehst du auf die Alpe Zer Obru Chescheru und machst mir ein schönes Foto von meiner Hütte rechts oben neben dem Brunnen, damit ich es noch einmal sehen kann, bevor ich nicht mehr da bin."

Alpe Tossie
24. September 2007, 1003

Man sieht hier gut, wie dünn und verletzlich die Vegetationsdecke im Gebirge ist. Wenn Wiesen nicht mehr gemäht oder durch Weidetiere abgefressen werden, kommt nicht etwa die "Urnatur" zurück - warum das so ist, steht hier! - , sondern die unumkehrbare Erosion zum nackten Fels beginnt: "An Steilhängen aufgegebene Mähder beginnen oft zu erodieren, da der Schnee im Winter an den nicht abgehauenen Pflanzenresten anfriert und bei allfälligem Abrutschen diese mitreißt und die Grasnarbe öffnet." erklärt der exzellente Alpenflora-Führer des SAC auf Seite 86. Die entstehenden Blaiken, die früher sofort mit Grassoden und Stabilisierungspflöcken repariert wurden und deshalb keine Bedrohung darstellten, haben sich aufgrund der unkontrollierten und somit ungebremsten Erosion innert fünfzig Jahren zu rechten Geröllhalden entwickelt. Blaike kommt von blank! Niemand erinnert sich mehr daran, an welcher fruchtbaren Stelle mit einer meterhohen Humusschicht man gefahrlos Grassoden entnehmen kann und wie genau man sie richtig verpflanzt - ein jahrhundertealtes Wissen, das jetzt für immer verlorengeht. In weiteren fünfzig Jahren wird man keine Ruinen mehr sehen, und der ganze Hang wird eine einzige graue Geröllhalde sein! Der allerletzte ständige Einwohner aus Sant'Anna verstarb 2012 über 80jährig. Don Giuseppe: "Mit seiner Arbeit hat Costantino dazu beigetragen, einige Alpen von Rimella instandzuhalten - ein praktischer und wichtiger Aspekt für das Dorf, der mit seinem Tod fehlen wird."

"Tin" war Ziegenhirte im Val Bise Rosso
und dessen bester Kenner
Notizia Oggi, 17. Mai 2012
Zeitungsausschnitt anklicken!

Der Verlust seines Wissens ist dramatisch und unumkehrbar, weil es keinerlei Aufzeichnungen gibt; sie wurden deswegen nie gemacht, weil dieses überlebenswichtige Wissen immer direkt vor Ort und selbstverständlich "nur" mündlich an die nächste Generation weitergegeben wurde; gleichzeitig wurde es den laufenden Veränderungen entsprechend kontinuierlich aktualisiert und optimiert. Niemand konnte sich vorstellen, oder gar voraussehen, dass innerhalb von nur wenigen Jahrzehnten viele abgelegene Berggebiete praktisch total entvölkert und aufgelassen werden! Ebenso weiß bald niemand mehr, wie man Pflanzen seit Jahrhunderten mit durchschlagendem Erfolg als Haus- und Heilmittel einsetzt. Noch vor 50 Jahren hatte auch in Württemberg jedes Dorf sein "Kräuterweible"; diese hochgeschätzten Frauen wußten hervorragend Bescheid über die - oft geheimen - Standorte der Heilpflanzen und deren Verarbeitung und natürliche Wirkung für Mensch und Tier. Frau Vogl-Lukasser schreibt in einer interessanten Arbeit über Osttirol: "Der Wandel in der Berglandwirtschaft geht einher mit einem unhinterfragten Ausscheiden vieler Elemente lokalen Wissens, beispielsweise Wissen über Alm- und Wiesenpflege, Futter- und Heilpflanzen, Landsorten, weil der gesellschaftliche, wissenschaftliche und politische Blick Hoch-, Informations- und Gentechnologie als einzige Lösungsstrategie für die Bewältigung aktueller ... Probleme postuliert."

Alpe Zer Obru Chescheru, Tüttschu für "Zur oberen Käserei". Diese Alpe wurde noch Ende der 1990er Jahre von Schaf- und Ziegenhirten zum gelegentlichen Übernachten benützt, deshalb sind vier Hütten noch recht gut erhalten. Zwei davon haben ein neues Wellblechdach, das zigmal billiger und schneller zu decken ist als die traditionellen Steinplattendächer. Adas Familie besitzt die Hütte rechts mit der Terrasse davor. Man sieht genau, wie diese Alpe vor Jahrhunderten an der weit und breit einzigen Stelle erbaut wurde, die vor den Lawinen geschützt ist durch die Felsen darüber. Aber auch hier sieht man schon die Entwicklung der seit etwa 30 Jahren vernachlässigten Blaiken zu unreparierbaren Geröllhalden! Eine gute Erklärung dieser Zusammenhänge für Laien steht hier. 24. Juli 2006, 1152.

Alpe del Cardone
Die abgelegenste Alpe im hintersten Val Roy wurde etwa 1960 aufgegeben
Zwei große Blaiken oberhalb der Hütten
Mehrere kleine Blaiken rechts
15. Juli 2008, 1209

Wenn man so wie wir mit den alten Leuten redet, hört man überraschend übereinstimmend immer wieder dieselben Geschichten, egal ob in Rimella oder im Stronatal oder 70 Kilometer Luftlinie weit entfernt im hintersten Val Verzasca im Tessin:

Laut dieser Statistik gab es 2006 in der Region Piemont noch über 1000 beladene Alpen mit mehr als 20 erwachsenen Rindern und über 300 Alpen mit weniger Rindern. Die total 22000 Milchkühe produzieren 77500 Liter Milch, aus denen 7500 Kilo Käse erzeugt wird. Diese Arbeit des Melkens und der Käseherstellung geschieht jedoch nur noch auf etwa der Hälfte der beladenen Alpen, woraus folgt, dass der Rest der Alpen - wie beispielsweise in der Schweiz - die Milch zur einfacheren Verarbeitung über Rohre und so weiter ins Tal transportiert.

Peter Danks, Geschäftsführer des Alpwirtschaftlichen Vereins im Allgäu, in Quo Vadis: "Die Kulturlandschaft ist das Produkt von vieler Hände Arbeit, fleißiger Menschen, die auch Freude an der Schönheit der Natur haben - und nicht etwa das Werk der zahlreichen Verordnungen und Vorschriften unkundiger Politiker und Beamten! Ohne Alpwirtschaft geht sowohl beim Tourismus als auch beim Naturschutz nichts, aber auch gar nichts mehr. Hoffentlich merken sie dies noch rechtzeitig."

Werner Bätzing, Autor der GTA-Wanderführer, schrieb schon 1986 über die zu erwartende Entwicklung in Bad Hofgastein: "Nur noch auf 12 von 55 Almen wird gekäst und gebuttert, meist von alten Leuten. Zu erwartende Entwicklung im nächsten Jahrzehnt: Die Landwirtschaft wird angesichts der Misere der EG-Agrarpolitik immer schlechtere Rahmenbedingungen erhalten."

Ein hervorragendes Werk über die letzten noch beladenen Alpen ist Alpi, Alpigiani e Formaggi della Valsesia.

Piana di Fobello, GTA Etappe 4
Renzo Giacobini ist classe 1923 und arbeitet immer noch ...
Wir haben ihm ein paar schöne Fotos von seinen Bergen mitgebracht,
weil er nicht mehr so weit gehen kann
Im Stall präsentiert der Älpler stolz zwei pechschwarze Zicklein
"Strienghi? 'ndumma sübit!"
Unser alter Freund Renzo ist 2013 verstorben ...
14. Mai 2009, 1820

Exemplarisch für die totale Weltfremdheit der "EU"-Politbonzen ist das Alpine Space Operational Programme 2014-2020. Hier in der schönen Universitätsstadt Tübingen sind wir ja von halbgebildeten Halbakademikern in den Halbhöhenlagen wahrhaftig einiges gewohnt, beim Teutates, aber ... dieser gnadenlos absurde "EU"-Quacksprech übertrifft nun wirklich alles und jegliches saudomms Läddagschwätz und wird gekrönt durch die üblichen idiotischen "EU"-Abkürzungen: C-TEMAlp, CO.N.S.E.N.SO, INTESI, PEACE_Alps, THE4BEES, ... Wohl bekomm's! Unseren besten Freunden im Piemont, den verarmten und vergessenen allerletzten Bergbauern dort oben, wird ein derart dämliches "EU"-Gelaber garantiert NIX bringen!

Alpine Space Operational Programme 2014-2020
Typische SoziologenZeroSensoPfeilGrafik zur Selbst-Rechtfertigung
Was sagt uns dieses schöne Schaubild?
N I X !

Believe it or not, aber die gallisch-zentralistischen Vollidioten Intelligenzbestien der sogenannten "EU" wenden ihre weltweit begrinsten absurden Vorschriften sogar noch auf die letzten piemontesischen Bergbauern an. "Di difficile comprensione è il fatto che una località di montagna che per la salvaguardia dell'ambiente ha bisogno del contadino, dell'animale e che comunque non molti anni or sono contava 500 bovini, oggi non dovrebbe superare la produzione di latte attribuita ad una ventina di vacche." schreibt Mario Antonietti in Remmalju 1995. Über die wortwörtlich "extreme Dummheit" der lächerlichen "EU" schreibt Ferruccio Vercellino 2004 in seinem Werk Insediamenti Walser al sud del Monte Rosa: "Le richieste ufficiali sono di una extrema stupidaggine nei riguardi dei più poveri contadini, meritevoli di premio per il solo fatto di restare a coltivare i sassi delle montagne! In questi ultimi tempi, i laboriosi montanari non sono scomparsi certo soffocati dagli aiuti ricevuti a tempo e con criterio dalla amministrazioni centrali: erano una quantità troppo trascurata per tenerne conto ed è scomparsa una richezza e con essi anche un equilibro ecologico." Über die schwere Arbeit schrieb uns Nadino Zoppo aus Quincinetto (GTA-Etappe 13) am 29. März 2008: "Sono nato in montagna e sin da piccolo ho imparato quanto sacrificio serve per poterla mantenere integra e fertile. Il duro lavoro giornaliero della mungitura, lavorazione del latte, accudire la stalla, pascolare gli animali, falciare il fieno d'estate e spandere il letame in autunno. Un lavoro vissuto da bambino sino alla fine degli anni 60. Da allora ho continuato a fare lo stesso lavoro nella cascina dei miei genitori durante il mio tempo libero."

Ronco di Fobello, GTA Etappe 4
Da hat doch einer Plastiksäcke mitten auf die schöne Wiese geschmissen ...
26. April 2010, 1244

Arbeiten wie im Mittelalter
Der arme alte Älpler Giuseppe hat kein Tragtier
Er muß den scharfen Ziegenmist von Boco inferiore
200 Höhenmeter rauf auf dem Rücken in die Wiese tragen
Dann verteilt er ihn als jahrhundertelang bewährten Naturdünger
mit den Händen (!) zum Erhalt der Artenvielfalt
Was tun die Superseckel Intelligenzbestien von "Europa"
mit ihrer mafiösen maßlosen Agrarpolitik???
26. April 2010, 1241

Im Raum Rimella werden die Alpen Bach, Bise Rosso, Calzino, Capezzone, Cevia, Fauto, La Res, Pianello, Pian Via, Ratte, Rondecca, Scarpiola, Selletta, Sinanecca und Solivo noch bealpt - noch! Die Älpler arbeiten sehr hart, sie haben meistens keine Krankenversicherung und oft schon mit 40 oder 50 Jahren kaputte Band- und Kniescheiben. Viele dieser Alpen haben nicht mal Strom oder ein Drahtseil zum Materialtransport und schon gar kein Geld für den Hubschraubertransport, wo eine Minute 18 EUR kostet, plus 15 EUR für die Bodenmannschaft - Originalrechnung siehe hier! Käse zum Verkaufen und riesige Heuballen für das Vieh im Winter müssen sie wie vor hundert Jahren mit dem Tragtier oder auf dem eigenen Rücken nach Rimella hinunterzerren - nota bene: ohne Haitäck-Bergstöcke mit Easy Lock System Nordic Thermo Trigger Komfortgriff Super Power Cross Trigger Schlaufe! "Non siamo abituati di fare domande, poveri noi", sagt die alte Luigina aus dem malerischen San Gottardo, aber dass die Gemeinde es seit über zwanzig Jahren nicht fertigbringt, wenigstens ein Stromkabel von San Giorgio die paar Meter hinauf zu ihrer Alpe Wan zu legen, damit sie abends ein elektrisches Licht hat, das zipft sie schon gewaltig an. Dazu kommt seit Jahrzehnten aus Brüssel der reine Psychoterror mit immer absurderen Arbeitsschutz-, Herstellungs-, Hygiene- und Vermarktungs-Vorschriften für bäuerliche Familien- und Kleinbetriebe, von denen insbesondere auch wegen dieser immer perverseren Bürokratie in den letzten 50 Jahren über 90 Prozent schon längst aufgegeben haben. Die Letzten löschen das Feuer: "Einem anderen Bauern namens Mario wurde aus Brüssel befohlen, den Kuhstall zu kacheln. Er weigerte sich und wanderte ab. Das Tal blutet aus." Wenn aber nur noch hochsubventionierte fabrikähnliche Großbetriebe standardisierte Lebensmittel produzieren, sind die Folgen für den verdummten und vergifteten Verbraucher entsprechend katastrophal: Einheitsgeschmack und Massenfraß wie Analog"käse" (gibt es eigentlich auch Digitalkäse?), Form"fleisch", "Mozzarella" zusammengerührt in Bayern (!) aus chinesischem (!!) Milchpulver (!!!) und selbstverständlich "EU"-normgerecht, denn die kriminelle Lebensmittelgroßindustrie schreibt sich praktischerweise ihre "EU"-Gesetze gleich selbst, "Schinken"imitat aus Stärke-Gel, Pseudo"garnelen" aus gepreßtem Fisch- und Hühnereiweiß, und wer da eine vom Doktor Koeter gefriergeschockte "Pizza Margherita" für Zwei Komma Neunundneunzig kauft und glüht und frißt und gar noch glaubt, das sei eine Pizza Margherita mit tollen Tomaten und echtem Mozzarella, dem ist eh nicht mehr zu helfen... Pfui Teufel!

Es ist umfassend nachgewiesen, dass die kriminelle und korrupte "EU"-Agrar- und Strukturpolitik ausschließlich die Interessen der supersubventionierten großen Agrarfabriken bedient, die ihre politische und wirtschaftliche Macht seit über einem halben Jahrhundert natürlich auch brutalstmöglich dafür einsetzen, ausschließlich ihnen genehme Gesetze schreiben zu lassen und somit die lästige kleine individuelle Qualitäts-Konkurrenz ein für allemal umfassend zu vernichten. Exemplarisch ist die überaus lächerliche Käseherstellungshygienevorschriftenrichtlinie im Originaltext - keine Panik, es sind nur 40 Druckseiten:

Hat beim Käsekaufen auf der Alpe Pianello
schon mal jemand die legendäre Graziella
nach einer "Genußtauglichkeitskennzeichnung" gefragt?
Ilachmezdaud!

Da morir dal ridere: Die Zehn Gebote Gottes enthalten 279 Wörter, die amerikanische Unabhängigkeitserklärung 300 Wörter. Der wahrhaft gigantische "EU"-Milchverarbeitungshygienevorschriftenrichtlinientext umfaßt genau 16250 Wörter. We're tickled to death!

Zitat aus Rimango - Ich bleibe im Valle Maira

Der über 90jährige Älpler Robert Lauber arbeitet auf der Alpe Läger, unter dem Gipfel des Männlichen bei Grindelwald gelegen ...

Robert Lauber in seiner Stube in Grindelwald
Mit Stolz erklärt er seine Urkunden und Diplome
Foto mit freundlicher Genehmigung von Giorgio Hösli
aus dem sehr schönen und empfehlenswerten Werk
Hirtenstock und Käsebrecher
Älplerinnen und Älpler im Portrait

... und er wird zitiert in der SAC-Zeitschrift "Die Alpen" vom Juli 2009: "Schreibtischtäter, die das erfunden haben. Was herauskommt, ist Industriekäse, konform und neutral im Geschmack. Das macht doch keinen Sinn. Das ist doch ein Schritt gegen die Natur. Mit Sterilität machst du nicht nur die schlechten, sondern auch die guten Bakterien kaputt. Die EU wollte sogar die Verwendung von Holzbrettern für die Käselagerung verbieten." Was für Idioten Intelligenzbestien!

Seit Jahrtausenden wird Käse natürlich auf Holzbrettern gelagert
Wie denn sonst, herrgottsakramentnochmal?
Zitat aus den Käseinformationen

Auch unser Freund Enrico Bunetta von der Alpe Laghetto
lagert seinen Käse in einer alten Nickelmine selbstverständlich auf Holzbrettern
Wie denn sonst, porco cane?
La Stampa, 6. Mai 2011
Zeitungsausschnitt anklicken!

Pflichtenheft Walliser Raclette-Käse
Wie denn sonst, porco cane?

SOO sieht ECHTER Käse aus!
Keine superhygienische Verpackung, keine Lügenetiketten, kein Haltbarkeitsdatum
Keine "Ernährungs-Navigation" mit absichtlich total unverständlichen,
aber garantiert "EU"-gemäßen perversperfekten Inhaltsangaben
Kein DLG-Logo, kein "EU"-IdiotenIntelligenzbestien-e, keine Fettprozente, keine Kilokalorien
Keine Alufolie, keine Plastikschachtel, kein Strichcode
Garantiert keine "Genußtauglichkeitskennzeichnung" gemäß den "EU"-IdiotenIntelligenzbestien
Garantiert originaler guter Tomakäse ohne Todesgefahr!
Käsekeller auf der Alpe Pianello
28. Juli 2005, 1508

Auf der Alpe Pianello muß die Graziella (Foto von Jörg Klingenfuß auf Seite 9 im GTA-Nord-Führer) mit ihren beiden Töchtern von Mai bis Oktober Tag für Tag 38 Kühe und 72 Ziegen von Hand melken, nach einer Hüftoperation, die sie vor lauter Arbeit bis zuallerletzt hinausgeschoben hat: "Ho fatto un'estate da cane", sagt sie im Herbst 2003, wegen der Schmerzen konnte sie nachts kaum noch schlafen. Seit mehr als 10 Jahren wartet sie darauf, dass die Gemeinde endlich das kaputte Drahtseil für den Materialtransport von und zu dieser größten Alpe von Rimella repariert. Die geldverteilenden Honoratioren und Politiker wohnen allerdings schon lange nicht mehr selbst in diesem Bergdorf am Ende der Welt, sondern in doppelter Hinsicht weit weg in Bern oder Bologna oder Mailand oder Novara oder Ravenna oder Turin, und sie haben keine Ahnung vom harten Alltag der allerletzten Handvoll Leute da oben - ecco, gli ultimi lassù! - und von deren unmöglichen Arbeitsbedingungen. Die solcherart maßgeblichen Leute sind außerdem noch regelrecht besessen und somit mental völlig blockiert durch ihre irrealen Träumereien von einer längst vergangenen Walserkultur und Walsersprache, von "ihrem Rimella", das es so schon längst nicht mehr gibt, denn "die Jungen" unter 50 sprechen im Alltag nur noch Italienisch und Valsesiano - was denn sonst? Größere Summen sind deshalb stets sofort verfügbar für einen nutzlosen Umbau des Museums, das gerade mal fünf Tage pro Jahr geöffnet ist - für wen eigentlich? - , für eine neue Videoglotze für den Walserverein, damit alte Leute alte Filme aus alten Zeiten anschauen können, oder für hochgelehrte Bücher und Vorträge über die nahezu tote Sprache und die glorreiche Vergangenheit von Rimella. Für die Gegenwart und die Zukunft, das heißt für die restlichen Einwohner im Ort, die keine wortgewaltige halbgebildete halbakademische Lobby haben, bleibt dann natürlich nix mehr übrig, schon gar nicht lächerliche tausend Euro für ein neues Drahtseil oder für die dringendst nötige Wegarbeit! "Bitte schreib doch du mal einen offiziellen Brief an die Gemeinde, damit sie endlich den kaputten abgerutschten Weg von der B hinüber zu unserer Alpe C herrichten, ich versuche es schon seit Jahren ohne Erfolg, vielleicht hören sie wenigstens auf dich wegen deinen Wandergruppen!", sagte der alte R im September 2004. Da non credere, erst fünf Jahre später im Sommer 2009 wurden diese dringenden Wegarbeiten endlich in Angriff genommen!

Alpe Pianello, 1805 Meter
Die größte, höchste und wichtigste Alpe von Rimella
Die Käseproduktion wie im Mittelalter rentiert schon lange nicht mehr
Jeden Tag müssen 38 Kühe und 72 Ziegen von Hand gemolken werden
Keine Anerkennung, kein Geld, keine Materialseilbahn, kein Strom, keine Zukunft
Der Materialtransport rauf-runter geht mit einem Esel ...
Giorgio diskutiert mit Anna und Corrado
und (nicht im Bild, sie macht gerade noch mehr Cafè) der legendären Graziella
die äußerst mühsamen Möglichkeiten,
auch ohne Hilfe von außen den Betrieb irgendwie weiterzuführen
Foto Horst Weise, Teilnehmer beim Bergwandern in Rimella 2002 2004 2008 2010
13. Juli 2008, 0946
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Der Preis für die "Treue zu den Bergen"
ausgerichtet von den Gebirgsjägern im Sesiatal
wird an die Älplerin Graziella Dago verliehen
Sie erhält den Preis als erste Frau überhaupt!
Anschließend wird natürlich gefeiert - im Albergo Fontana, wo denn sonst?
La Stampa, 17. Oktober 2008

Alpe Rondecca, 1565 Meter
Die Situation ist ähnlich schwierig wie auf Pianello
Giorgio diskutiert mit Ida und Giacomo (links) und Bekannten
und verteilt seine berühmten "gelben Zettel"
mit den Adressen der umfangreichen Internet-Seiten
Nur (s)ein intelligenter Tourismus kann die Kulturlandschaft noch retten
Foto Horst Weise, Teilnehmer beim Bergwandern in Rimella 2002 2004 2008 2010
18. Juli 2008, 1304
Foto anklicken!

Alleine im Mastallonetal gab es total weit mehr als 200 Alpen. Fast alle Alphütten sind wegen der massiven Entvölkerung schon vor mehreren Jahrzehnten aufgegeben und verlassen worden, was man auch auf unseren topaktuellen Fotos gut sieht, und sowieso auf keiner Karte mehr zu finden. Nur wir kennen diese extrem abgelegenen und einsamen Plätze - Romantik und Natur pur! - und deren spannende Geschichte sowie die verborgenen und längst vergessenen Wege dorthin, und auch weit darüber hinaus bis auf die unmöglichsten Pässe und wildesten Gipfel. Wegen der heutzutage unvorstellbaren Übervölkerung (!) im Mittelalter mußte damals buchstäblich jedes halbwegs ebene Fleckchen Erde als Alp oder Mähwiese oder Pferch oder Viehweide gerodet und genutzt werden: das Verb roncare heißt roden, es findet sich heutzutage aber nicht einmal mehr im 2200 Seiten umfassenden Paravia Langenscheidt Handwörterbuch Italienisch. Das participio passato ist ronco, was dann als Substantiv = Ortsname Ronco zigmal auf jeder Landkarte vom Tessin bis hinunter nach Sizilien aufscheint. Die Alpe Vairolo beispielsweise, mehr als 1000 Höhenmeter senkrecht über dem Mastallonetal gelegen mit spektakulärer Aussicht auf Cervatto, Fobello, Rimella und den Monte Rosa sowieso, liegt mühsame drei Stunden Aufstieg vom nächsten Dorf Ferrera entfernt und wurde wegen ihrer extrem exponierten Lage schon vor über 80 Jahren aufgegeben. Heutzutage sind dort oben nur noch wir die Wilderer unterwegs: einer der fleißigsten Vertreter unserer Zunft hat erst vor einigen Jahren unter der Hand eine einigermaßen erhaltene Alphütte auf der unterhalb von Vairolo gelegenen Alpe Giavina Lunga erworben, und das garantiert nicht, um dort spazierenzugehen oder Pilze zu suchen oder ein Knutschwochenende mit der Freundin zu verbringen ... "Porco cane, was lachst du eigentlich, ich mache doch schon lange nix mehr. Wenn ich aber zuuuuufällig gerade dort oben Blumen pflücke und es fällt zuuuuufällig ein schöner Gamsbock mit einem Herzinfarkt gerade vor mir auf den Weg, dann kann ich das arme Tier doch nicht einfach liegenlassen, oder?" Eben. Fotos anklicken!

Alpe Barbughera
15. September 2005, 1434

Alpe Cà d'Marco
20. April 2007, 1049

Alpe Cà Giulia
6. Juli 2006, 1222

Alpe Campo di Rossa
30. April 2005, 1240

Alpe Casaroli
26. April 2009, 0944

Alpe Cascinelli
21. April 2005, 1157

Alpe Casera
10. August 2009, 1754

Alpe Catcuràa
28. Mai 2005, 1106

Alpe Cevia Bassa
28. Mai 2005, 1047

Alpe Ciupai
2. September 2005, 1538

Alpe Colletta
7. September 2006, 0927

Alpe Corti
15. September 2005, 1146

Alpe Costa
10. September 2006, 1041

Alpe Cottura
21. September 2006, 1156

Alpe del Cardone
15. Juli 2008, 1209

Alpe di Rondo
28. Mai 2006, 1059

Alpe Dorcie
17. September 2008, 1001

Alpe Ebelje
4. Juni 2006, 1228

Alpe Fornale di sopra
4. August 2005, 0857

Alpe Ghalmanna
30. April 2005, 1316

Alpe Ghebrecco
7. Oktober 2009, 1158

Alpe Ghiaccio
25. Mai 2006, 1126

Alpe Ghignole
9. August 2006, 1121

Alpe Giavina Lunga
22. Juli 2005, 1216

Alpe Grasso
19. Juni 2005, 1214

Alpe Jazz
23. Mai 2006, 1421

Alpe Kaval
17. Juni 2006, 1310

Alpe La Bonda
22. April 2006, 1240

Alpe La Fabbrica
25. September 2009, 1123

Alpe Laghetto
14. September 2005, 1414

Alpe Lagone
26. August 2005, 1256

Alpe La Rossa
5. September 2006, 1001

Alpe Lavaggio
22. April 2006, 0958

Alpe Locce
20. Juni 2009, 1014

Alpe Masareui
30. April 2005, 1059

Alpe Massero
21. Juli 2005, 1036

Alpe Mazzuccaccio
19. April 2007, 1124

Alpe Orletto
24. Juni 2006, 1200

Alpe Orlo di Volta di sopra
6. Mai 2009, 1142

Alpe Oropiano
20. April 2007, 1012

Alpe Ovaghe
25. Mai 2006, 1012

Alpe Passo della Sella
3. Oktober 2007, 1238

Alpe Penninetto
5. Juni 2005, 1012

Alpe Pertus
6. September 2007, 1133

Alpe Pianaccia
3. September 2006, 1221

Alpe Piana Ronda
27. Juli 2006, 1026

Alpe Pian Campello
15. September 2005, 1416

Alpe Pian dal Böösk
21. Juni 2006, 1121

Alpe Piano Scarognino
19. April 2006, 0928

Alpe Piovàa
2. September 2005, 1505

Alpe Pizzetto
26. Juni 2008, 1047

Alpe Pizzole
28. Mai 2005, 1123

Alpe Prà Piano
22. April 2006, 0903

Alpe Prato Bianco di sotto
15. September 2005, 1357

Alpe Ratti inferiore
8. Juli 2007, 0914

Alpe San Gottardo Chescheru
31. August 2006, 1639

Alpe Sass Luluc
6. Juni 2007, 1023

Alpe Sasso del Gatto
22. Juli 2005, 1036

Alpe Solivo di Cravagliana
9. Juli 2006, 1303

Alpe Schattelte
7. Oktober 2009, 1039

Alpe Sopriva
10. Oktober 2009, 0743

Alpe Tele di sopra
20. Juni 2009, 1153

Alpe Tele di sotto
20. Juni 2009, 1219

Alpe Tommen Akku
5. Oktober 2009, 1213

Alpe Tracciora
30. April 2005, 1109

Alpe Vairolo
13. Juli 2005, 1248

Alpe Vegliana
4. Juni 2006, 1204

Alpe Zum Träntje
4. Juni 2006, 0908

Alpe Zum Vukschlu
27. April 2005, 0917

Alpe Zun Engo
1. Mai 2009, 1125

Per tutte le persone che hanno costruito queste case
per tutti coloro che le hanno vissute
per chi si emoziona leggendo una vecchia data incisa in un sasso
per chi ha ancora voglia di sognare
per chi verrà ...

Traditionen

Im Mittelalter entstand die Idee der gemeinsamen Arbeit, beispielsweise beim Bau neuer Wege und beim Erhalt der bestehenden Wege.

Kunstvolle und extrem aufwendige Weganlage im Hochgebirge. Drei Techniken von links nach rechts: 1. Das Felseck wurde weggesprengt; am Zoom sieht man sogar noch recht gut die beiden senkrechten Sprengkanäle. Dieser Walserweg ist viele Hunderte von Jahren alt, und da es erst seit 400 Jahren Schießpulver und erst seit 170 Jahren moderne Sprengstoffe gibt, wurde mit großer Wahrscheinlichkeit die uralte Holzpfahl-Wasser-Methode angewendet. Unter dem Abbruch wurde mit einer Trockensteinmauer die Trasse angelegt. 2. Auch das Bachbett wurde mit Natursteinen hochgemauert, und darauf wurden massive Trittsteine gelegt, die auch bei Hochwasser oder durch Schneelawinen nicht weggerissen werden und außerdem die fragile Natursteintragmauer wirksam schützen. 3. Der Weg führt mitten durch eine labile Geröllhalde; diese wurde oberhalb durch eine Trockensteinmauer abgefangen, und unterhalb wurde auf einer weiteren Trockensteinmauer die Trasse angelegt. Was für eine ungeheure Arbeit! GTA Etappe 3 Bocchetta di Campello Monti - Rimella. 10. September 2010, 1001. Foto anklicken!

Sprengkanal in Nahaufnahme. Man sieht gut, wie uralt er ist: anders als moderne mit Bohrmaschinen angelegte Kanäle verläuft nicht gerade, und zweitens ist seine Innenwand bereits deutlich mit Flechten besetzt, die bekanntlich nur wenige Hundert Mikrometer pro Jahr wachsen. Foto anklicken!

Nahaufnahme der Geröllhalde. 13. Mai 2016, 1305. Foto anklicken!

Nahaufnahme des Bachbetts. 13. Mai 2016, 1303. Foto anklicken!

Von dieser sogenannten "Corvè" waren insbesondere die Männer betroffen, und ihr Anteil an der gemeinsamen Arbeit entsprach exakt der Größe ihrer Familie, beispielsweise "San Gottardo, Riolo Giovanni, 10 Tage im Jahr". Die Corvè ist eine freiwillige und sinnvolle Absprache innerhalb einer Dorfgemeinschaft, und sie darf nicht verwechselt werden mit Frondienst und Knechtschaft der Leibeigenen für ihren Grundherrn, denn so etwas gab es in Rimella nie, oder gar mit dem perfiden System der Sklavenarbeit in den Kolonien, das hier beispielhaft beschrieben ist. Die Corvè wurde jeweils Anfang Jahr schriftlich festgelegt und genauestens überwacht und hat sich jahrhundertelang bestens bewährt. Vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis in den Zweiten Weltkrieg waren die Arbeiter bei der Corvè sogar durch den Staat Italien garantiert gegen Unfälle versichert. Durch den Wegfall dieser Versicherung nach dem Krieg und insbesondere natürlich durch die dramatische Entvölkerung und Überalterung ist das System der Corvè in den 1950er Jahren endgültig zusammengebrochen und hat somit den flächendeckenden Verfall der Bergwege weiter beschleunigt.

Florian Boller zitiert einen Einheimischen in seiner sehr lesenswerten Arbeit über Wildnisgebiete im Tessin: "Wer unsere Berge nicht aus der Nähe kennt, kann sich von der riesigen Arbeit keine Vorstellung machen, die für den Bau der Alpwege nötig war. Es sind Kilometer von Stützmauern, Zehntausende von Stufen; an den schwierigsten Stellen war es nötig, den Weg aus dem Felsen zu meisseln, oder Stege aus Lärchenbalken zu bauen. Diese gefährliche Arbeit mussten die Menschen hängend an Seilen verrichten. Aber es gab nicht nur die Alpwege, die Kuhwege, wie sie genannt wurden. Man musste auch hundert andere, kleinere Pfade und Abkürzungen bauen, für die Ziegen, für die Wildheuer, damit sie an den unzugänglichsten Hängen den letzten Grashalm ernten konnten."

Exakt an diese "unmöglichen" Heuwiesen erinnern sich heute noch die alten Leute von Rimella. Aurelia, San Gottardo: "Da ragazza ho tagliato il fieno sotto s'Karl-Vurkelte e lo ho portato sulle spalle fino al Dörf." Costantino, classe 1928, Sant'Anna, wenige Tage vor seinem Tod: "Da giovane ho messo solo 20 minuti per il Tschirun Akku per tagliare il fieno, ed un'ora per andare al Castello." Donato: "Guarda quel prato pazzesco, lassù sotto la cima del Kaval. Roba da matt'!" Ada, classe 1928, Cortaccio di Sabbia: "Mit den Kühen waren wir auf der Alpe Cevia Bassa. Die ist extrem abgelegen im wilden Valbella und nachdem 1968 unser Vater gestorben war, wollten wir unsere Mutter nicht alleine oben 'in der Schlucht' lassen. Wir waren dort also die letzten. Auf deinen Fotos sieht man eben nur noch die Ruinen ..."

Alpe Cevia Bassa in cima
"Das da oben war unsere Hütte und da unten war der Stall"
"Es war so schön dort ..."
16. Mai 2012, 1137

"Die Fahrstraße ins Val Sabbiola wurde erst in den 1970er Jahren gebaut. Die Kinder von Erbareti hatten früher eine eigene Schule. Als diese mangels Kindern geschlossen wurde, sind sie später ¦¦wie der Chefkoch Bruno vom Albergo Italia - JK¦¦ nach Salaro gegangen. Als auch diese Schule geschlossen wurde, bis nach Sabbia, zu Fuß im Winter über eine Stunde auf der Mulattiera. Gerade die Leute aus Erbareti gingen auf die Alpen Calzino und Pian Via im oberen Stronatal oberhalb von Campello Monti. Wir haben unser Heu nach Hause getragen über Bocchetta di Campello Monti - Alpe Pianello - Alpe Sinanecca - Pass Brütt - Bonda Piatta - Alpe Laghetto - Alpe Campo di Sabbia - Muntata. Ja, du glaubst es nicht, Pass Brütt! Che fatica! ¦¦Fünf bis sechs Stunden zu Fuß mit einer Riesenladung Bergheu auf dem Rücken - JK¦¦ An Ferragosto sind meine Freundin und ich immer bis hinauf zum Lago di Capezzone gegangen, wo es ein schönes Fest gab. Damals war die Rifugio Abele Traglio noch ganz klein." Renzo vom Albergo Fontana: "Die alte Ada hat es dir vollkommen richtig erzählt. Die Alpen im oberen Stronatal gehörten in der Tat teilweise den Leuten aus Sabbia und nicht uns Walsern aus Rimella oder Kampel. Pian Via habe ich damals von einem aus Sabbia erworben und die haben das Heu über die Berge nach Hause getragen. Pazzesco! Es hatte nur eine kleine Hütte und erst haben wir diese vergrößert und später den neuen Stall daneben gebaut. Mit unseren Händen, nicht wie heute mit dem Helikopter!"

Bauarbeiten auf Pian Via in den 1960er Jahren
Rechts sieht man die alte Alphütte
Reproduktion mit freundlicher Genehmigung von Renzo Rinoldi

Manuela: "Ci sono posti veramente assurdi, passi di venti centimetri, scale nella roccia dove passavano con i carici sulle spalle ..." Felix Büssig, Alp Chüeplangg UR, wird im Hirtenstock zitiert: "Früher wurde jeder erreichbare Flecken gemäht - auch dort, wo es sogar für die Ziegen zu gefährlich war - weil jede Ladung Heu dringend gebraucht wurde. Die Artenvielfalt war ein Nebenprodukt dieser naturnahen Nutzung." Eine Tatsache, die von den weltfremden grüngrauen Schreibtischschwätzern, die den Menschen am liebsten aus der Natur verjagen möchten, noch nie auch nur ansatzweise begriffen wurde!

Diese Alpwiese wird links noch regelmäßig gemäht
Rechts wird sie seit einigen Jahren nicht mehr genutzt ...
... und sofort geht die Artenvielfalt dramatisch zurück!
Villa superiore di Rimella
8. Juni 2016, 1650
Foto anklicken!

Reinhold Messner in CAI Montagne 360° Settembre 2012: "Chi non ha capito quanto è difficile portare avanti un maso in montagna vada in Piemonte ... e veda come è tutto vuoto, abbandonato; chi, come gli ambientalisti, ha impedito le infrastrutture, ha la sua responsabilità. Solo una regione alpina autosufficiente ha futuro e non una periferia sovvenzionata dall'Unione Europea!"

Tschirun Akku - "... posti veramente assurdi ..."
Diese extrem ausgesetzte Wiese über senkrechten Felswänden und Schluchten
wurde vor einem halben Jahrhundert noch regelmäßig gemäht
Der Zustieg führte über eine Steintreppe in den Felswänden
22. April 2010, 1218

Sehr interessant ist auch eine neue Arbeit von Stefanie Schuder "Transhumance promotes dispersal in fragmented landscapes", die große Schafherden in den Südwestalpen begleitet und untersucht hat. Sie konnte nachweisen, dass im Fell eines einzigen Schafs total etwa 11000 Samen von 150 Pflanzenarten hängenbleiben und während der Transhumanz über Hunderte von Kilometern Entfernung transportiert werden: ein gigantischer Austausch von Pflanzenarten entlang der Triebwege, dessen Bedeutung gerade im Piemont für die einzigartige Artenvielfalt auch über benachbarte Höhenstufen hinweg zuvor noch gar nicht entdeckt wurde!

Für die älteren piemontesischen Bergbewohner war es auch vollkommen normal, dass sie lediglich "ihr" eigenes kleines Seitental hervorragend kennen und schon das Nachbartälchen nicht mehr, geschweige denn die Nachbargemeinde: sie mußten schon als Kinder hart arbeiten und hatten keine Zeit, um "sinnlos" in der Gegend herumzulaufen. Aurelia, San Gottardo di Rimella, classe 1928: "Seit meiner Heirat vor über 60 Jahren war ich nie mehr im Val Bise Rosso" - eben weil sie mit ihrer "neuen" Familie dann nur noch im Val Henderwasser lebte und arbeitete. Sie arbeitet heute noch zuhause und im Sommer auf der Alpe Selletta! Graziella, Alpe Pianello di Rimella, classe 1944: "Da mußt erst du daherkommen und mir sagen, dass das die Alpe Sass'San'Giuan ist von der Alda aus Roy di Fobello, wenn sie zum Salatpflanzen raufgeht ...

Leckeres Salatbeet auf 1600 Meter Höhe
Zwei Stunden Fußweg vom Dorf entfernt
Der da schmeckt garantiert besser als das fade Zeug aus dem Flachland!
6. Juli 2011, 1059

... und eine Nacht dort oben bleibt, wo ich da drüben seit über 50 Jahren nachts mit dem Fernglas so ein Licht sehe hinter La Res. Roba da matt'!"

Alpe Sass'San'Giuan
30. Mai 2011, 0906

Piera, Prati di Rimella, ex-Albergo Monte Càpio, classe 1941: "Als junges Mädchen war ich auf dem Altemberg. Aber ich war noch nie in Campello Monti und noch nie auf dem Monte Càpio ... und nicht einmal auf der Alpe La Res!" Ada, Cortaccio di Sabbia, classe 1928: "Vor über 60 Jahren waren wir immer auf Cevia Bassa. Wir waren dann wohl die letzten. Wer weiß, wie es jetzt dort aussieht. Poveri noi. Du kommst zu Fuß über die Berge aus Rimella? Madonna. Tu sei bravo, du kennst noch die alten Wege. Guarda, in meinem ganzen Leben war ich nur ein einziges Mal in Rimella!"

Ruinen der Alpe Cevia Bassa
Rimella liegt gerade mal 3,4 Kilometer Luftlinie entfernt rechts "hinter" dem Kaval
Zu Fuß sind es vier Stunden - wenn man sich auskennt ...
28. Mai 2005, 1047

Nur wir verfügen über jahrzehntelange Wildniserfahrung, topaktuelle GPS-Daten, Zehntausende von Fotos, zigfaches optisches (!) Zoom und Hunderte von hochauflösenden Digitalpanoramen. Diese einzigartige Kombination ermöglicht uns - und sonst niemandem! - das Auffinden uralter Wegspuren, die nicht mal die Einheimischen mehr kennen. Beispielsweise entdeckt man - bei optimalem Sonnenstand und idealem Restschnee - oberhalb einer seit vielen Jahrzehnten total verlassenen und vergessenen Alpruine in exponierter Lage, die sogar den Superlawinenwinter 2008/2009 noch überlebt hat ...

... zwei uralte und extrem ausgesetzte "Weg"spuren durch den berüchtigten Dross auf einen so unscheinbaren wie hervorragenden Aussichtsberg ...

... die dann vor Ort tatsächlich - nur für Verrückte - eine erst noch spektakuläre Überschreitung ins supereinsame Nachbartal ermöglichen. "Lì è un po' brutto ..."

Auch der Dachbau ist gemeinsame Schwerstarbeit. Seit Jahrhunderten sind die Handwerker aus Rimella im ganzen Sesiatal und weit darüber hinaus als die besten Fachleute für Steindächer bekannt und entsprechend nachgefragt. Anhand dieses Fotos von der Alpe Selletta läßt sich anschaulich das ungeheure Gewicht eines Steinplattendachs ausrechnen. Hier leistet sich ein Flachlanditaliener aus Mailand den Umbau einer alten Alphütte als Ferienluxusbude. Die Lattung besteht aus 30 Sechziger-Latten von jeweils 8 Metern Länge. Die Granitplatten sind etwa 60 mal 40 mal 6 Zentimeter groß, sie wiegen unbehauen gute 40 Kilogramm und werden palettenweise mit dem Transporthubschrauber auf die gut sichtbare Hilfskonstruktion am First abgesetzt. Vor dem Legen werden sie fachmännisch vorsortiert, man sieht hier schön die "guten" Platten rechts, die "schlechten" links und die wiederverwendbaren Platten vom alten Dach ganz links: diese extrem kritische Selektion von Hand und nach Sicht ist eines der größten Geheimnisse der Rimmelesi und sie entscheidet darüber, ob das Werk "nur" 50 Jahre hält - oder doppelt so lang! Gelegt wird von unten nach oben und gleichzeitig werden die Platten nach außen behauen, so dass die Sichtkante am Ende etwa 35 Zentimeter Breite hat. Die Platten werden nicht eingehängt oder festgeschraubt, sie halten alleine durch ihr großes Gewicht bei der idealen Neigung und durch die Reibung bei der korrekten Überlappung. Total benötigt man bei diesem Dach pro Latte (800 : 35 =) 23 Platten, für 30 Lagen also 690 Platten und für beide Dachhälften total 1380 Platten. Das macht 1380 mal 60 mal 40 mal 6 = 19 872 000 Kubikzentimeter oder 20 Kubikmeter. Bei einem spezifischen Gewicht von 2,9 sind das total 58 Tonnen alleine für die Steinplatten. Dazu kommen noch etliche Tonnen für das massive Tragwerk. Was das ganze kostet - plus Transporthubschrauber für 18 EUR pro Minute plus Bodenpersonal für 15 EUR pro Minute plus Mehrwertsteuer - kann man sich denken ... Dünner, kleiner, leichter und wesentlich billiger sind Schieferplatten, die wegen der erheblichen Wasseraufnahme und raschen Verwitterung natürlich nicht so lange halten. 18. September 2006, 1021.

Das Dach ist fertig
22. April 2007, 0828

Neues Tragwerk für das pyramidenförmige neue Steinplattendach des Albergo Fontana, Gewicht etwa 200 (zweihundert) Tonnen. Das Foto vom 2. Juli 2006 zeigt die massive Eckkonstruktion mit Dachbalken aus 45 Zentimeter starken besonders ausgesuchten Lärchenstämmen. Auch die Sparren haben satte 30 Zentimeter. Pro Zentimeter Stärke muß das Tragwerk vor dem Bau ein Jahr lagern, sonst wird das nix, denn Holz schafft! Bei den besten Handwerkern aus Rimella - Planung, Statik, Mauerwerk, Tragwerk, Blechpatscherei und Dach kommen stets aus einer Hand! - hält so ein Steinplattendach etwa 80 bis 100 Jahre ...

Durch das System der Realteilung wird im Erbfall der Grundbesitz stark aufgeteilt. Eine zwangsweise Flurbereinigung wie beispielsweise nach dem Zweiten Weltkrieg in Baden-Württemberg hat es in Italien nie gegeben. Über die Jahrhunderte führte das zu einer unglaublichen Zersplitterung der Eigentumsverhältnisse, bei der die meisten Grundstücke nur noch wenige Quadratmeter klein sind. Wer sich einen aktuellen Katasterplan anschaut, den trifft wirklich der Schlag:

Digitaler Katasterplan von Villa superiore di Cervarolo im unteren Mastallonetal. Die Entfernung zwischen der Kirche, mit einem Kreuz gekennzeichnet, auf 882 Metern Seehöhe und dem Weg, der die Markung links begrenzt, genau westlich der Kirche auf 971 Metern, beträgt laut GPS genau 361 Meter. Daraus folgt, dass beispielsweise das mit einem roten Punkt markierte Grundstück eine Fläche von gerade mal 18 • 14 Metern hat, also lächerliche 252 Quadratmeter.

Etliche weltfremde grüngraue Schreibtischschwätzer glauben zu wissen, dass schon wenige Jahrzehnte nach dem Rückzug des Menschen und seiner Weidetiere aus dem Alpgebiet endlich wieder die romantisch (v-)erträumte "Urnatur" mit Tausenden von verschiedenen Pflanzenarten und ein paar Trillionen schöner Blumen und Schmetterlinge aus dem Nirwana "irgendwie und so" sanft darniederschwebt. In der Wirklichkeit trifft jedoch das genaue Gegenteil zu. Ausführliche Beschreibungen und Erklärungen findet man in den exzellenten wissenschaftlichen Standardwerken des Geographie-Professors und GTA-Führerautors Bätzing und insbesondere bei der Biologie-Professorin Lehringer, die im Wildnisgebiet unseres schönen Nachbartals Val Strona arbeitet und forscht - beides Leute mit jahrzehntelanger Praxis, die anders als irgendwelche tumbe Trielträumer aus der Tiefebene auch schon öfters mal ein piemontesisches Buschmesser aus der Nähe gesehen haben! - , sowie in Dutzenden von weiteren exzellenten Arbeiten wie beispielsweise hier: "Von allen Vegetationseinheiten weisen extensiv bewirtschaftete Wiesen und Weiden die größten Artenzahlen pro Fläche auf. Schon gewisse Zwischenstadien wie beispielsweise Grünerlengebüsche sind ausgesprochen artenarm. Magerrasen entwickeln sich im Südtessin innert 15 Jahren zu dichten Vorwäldern. Rote-Liste-Arten werden im Berggebiet durch die Bewirtschaftungsaufgabe zurückgedrängt." ... und nicht etwa begünstigt! "Auf Alpweiden wachsen bis zu 60 verschiedene Pflanzenarten auf einem Quadratmeter, das ergibt wiederum vielfältigen Lebensraum für Wild, Vögel und Insekten." schreibt Georg Hösli im topaktuellen Werk Hirtenstock und Käsebrecher. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. April 2008, über die Familie Wehrli auf einer Alp in der Schweiz: "Dort, wo es keine Hirten mehr gibt, holt sich die Natur das Land zurück, das man ihr mühsam abgetrotzt hat. Der Wald kommt und nimmt sich pro Sekunde eineinhalb Quadratmeter Schweiz, das sind jeden Tag zehn Fußballfelder. Täler und Alpwiesen verschwinden, mit ihnen die Vielfalt der Arten." Franziska Miller-Aichholz schreibt 2007 in ihrer Diplomarbeit: "Almen sind durch Jahrhunderte langen Einfluss des Menschen als Kulturlandschaft aus ehemaligen Naturlandschaften entstanden. Sie sind somit ein Produkt menschlicher Tätigkeit, und nur so konnte sich ihre Habitatsdiversität in der heutigen Form ausbilden. Nach der Nutzungsaufgabe auf Almflächen ändert sich das Landschaftsbild fundamental. Eine kleinteilige, mosaikhafte Kulturlandschaft mit ihren vielfältigen Nutzungsabstufungen, durch die die naturräumlichen Unterschiede besonders betont wurden, wird allmählich durch großflächige Verbuschungen und Verwaldungen ersetzt."

Die verschiedenen Zwischenstadien der Verbuschung und Verwaldung sind durch verschiedene Pflanzengesellschaften charakterisiert. Diese befinden sich in steter Änderung, bis sich als Endzustand ein stabiles natürliches Gleichgewicht ausbildet. Recht praxisnah sind die bereits 1973 definierten Sukzessionsstadien nach Dr. Emil Surber von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft. Bei unseren Bergwanderungen werden wir unterwegs natürlich auf diese Zusammenhänge hinweisen, denn "man sieht nur, was man weiß" ... Für die gerade bei uns in in Rimella unglaublich große Vielfalt und Vielzahl an Schmetterlingen und anderem Krabbelzeug ist insbesondere der Grünerlen-Dschungel tödlich:

Verbuschung Stufe 0
"Grasphase" der Sukzession nach Surber
Diese perfekte Wiese beim Ortsteil Prati wird von der Annetta und dem Eugenio
noch regelmäßig mit der Sense gemäht und mühsam von Hand gepflegt
Die Artenvielfalt ist extrem hoch - und einfach schön!
1. Juni 2005, 1430

Verbuschung Stufe 1
"Krautphase" der Sukzession nach Surber
Rimella Villa superiore
Der Laie sieht noch "eine schöne Bergwiese", aber ...
genau so nimmt das Unkraut und mit ihm das Unheil seinen Lauf!
11. Juli 2011, 1912

Verbuschung Stufe 2
"Staudenphase" der Sukzession nach Surber
Rimella Villa superiore
Kein Mensch ist mehr da, der sofort das verfluchte Schadzeug rausreißt!
Auf kommt "Bärchhai", das gottverdammte gelbe Stangengras,
das bestenfalls noch die Ziegen fressen ...
12. Mai 2015, 1724

Krasser "Phasenübergang" der Sukzession nach Surber
Die grüne Vorhölle des Piemont
Weg Rimella Prati - Alpe Zu Fleppenne
Links wird noch gemäht, rechts nicht mehr
30. Juli 2016, 0946

Verbuschung Stufe 3
"Strauchphase" der Sukzession nach Surber
Die grüne Vorhölle des Piemont
Weg Rimella Prati - Alpe Zu Fleppenne
Diese Wiese wird seit etwa 5 - 7 Jahren nicht mehr gemäht
oder durch Weidetiere abgefressen
Es gibt kaum Blumen und das Grünerlenzeug,
der Todfeind jedes GTA-Wanderers, steht schon über einen Meter hoch!
24. Juli 2007, 1728

Verbuschung Stufe 4
"Baumphase" der Sukzession nach Surber
Die grüne Hölle des Piemont
Posa dei Morti, direkt unterhalb der GTA
Nach 12 - 15 Jahren hat sich das Gebüsch zu einem typischen Stangenwald entwickelt
Der engstehende Steckendschungel ist etwa 5-6 Meter hoch
Artenvielfalt gibt es da drinnen schon lange nicht mehr!
Entdeckt hier irgendjemand noch irgendeine Blume?
Nota benone: wir sind hier im Frühsommer!
Für Menschen ist hier ohne Motorsäge kein Durchkommen ...
16. Mai 2015, 0843

Da hat einer eine Handvoll Häuser auf einen nackten Berghang geworfen, an der einzigen Stelle weit und breit, die nicht zu steil und auch nicht lawinengefährdet ist. Das da ist nicht Tadschikistan oder Tibet, sondern Meula in einem der wildesten Seitentäler des Mastallonetals, das wir besser kennen als irgendjemand sonst. Vor hundert Jahren hatte es 300 Einwohner, heute 3 (drei). Nur im Frühjahr, das heißt in den zwei bis drei Wochen unmittelbar nach der Schneeschmelze und vor der Wiederbelaubung, sieht man, dass drumherum alles, aber wirklich alles! bis in die steilsten Gräben und in den nackten Fels hinein, mit Trockenmauern terrassiert war. Was für eine ungeheure Arbeit! Standort Cima Lavaggio, 22. April 2006, 1123.

Villa superiore, einer der höchsten Ortsteile von Rimella. Auch hier sieht man die alten Trockenmauern, die jetzt mit Gras zuwachsen und von unten nach oben verbuschen. Inutile dire che, auch in diesem Labyrinth von Terrassen gibt es Wege, die weder beschildert noch markiert sind und die sowieso nur wir kennen. Standort Monte Tracciora di Fobello, 10. Mai 2007, 1132.

Diese Schwarzweißfoto wurde etwa um das Jahr 1900 herum aufgenommen. Der Autor ist unbekannt, sein Standort war höchstwahrscheinlich die Alpe La Res, also etwas weiter rechts = südlich als unser Farbfoto von 2007. Vor über 100 Jahren muß es eine Sauarbeit gewesen sein, die schwere Fotoausrüstung mit Teleobjektiv und Stativ dort hinaufzuschleppen. Diese einzigartige Dokument wurde uns erst 2006 unter der Hand von den Einheimischen zugespielt. Man sieht sehr gut die alten Terrassen und Felder links = nördlich von Villa superiore, lange vor der brutalen Entvölkerung und darauffolgenden Verbuschung. Bemerkenswert ist, dass der überlebenswichtige "Pineta", der Lawinenschutzwald über den zentralen Dorfteilen, der heute - siehe oben - unmittelbar oberhalb der Häuser beginnt, hier nicht zu sehen ist. Stattdessen sieht man unmittelbar über den ersten Häusern einen riesigen vegetationslosen Erosionsgraben, den es heute nicht mehr gibt - siehe oben; diesen Graben haben wir jeweils mit einem roten Pfeil markiert. Es handelt sich wohlgemerkt nicht um den großen Graben links des Schutzwaldes! Daraus folgt: erstens, der Erosionsgraben wurde innerhalb der letzten hundert Jahre fachmännisch perfekt befestigt und bepflanzt; heute kann das niemand mehr. Zweitens, ebenfalls innerhalb der letzten hundert Jahre wurde der Lawinenschutzwald durch gezielte Anpflanzungen bis unmittelbar über die obersten Häuser ausgedehnt. Wie man bei uns sagt: "Die Alten waren auch keine Seckel"!

Die restlichen Einwohner sprechen selbst von "fazoletti qua e la", weit auseinanderliegenden Flächen von der Größe eines Taschentuchs. Wegen der harzigen Mentalität der Bergbewohner ist eine Zusammenlegung mit dem Ziel der rationelleren und einfacheren Bewirtschaftung praktisch unmöglich und käme heute sowieso viel zu spät. Schon die Idee, die fünf Mikrogemeinden im Mastallonetal - Cervatto, Cravagliana, Fobello, Rimella und Sabbia - mit total 370 Einwohnern endlich zusammenzulegen, um effektiver zu arbeiten und gegenüber den Behörden mehr Macht zu haben, führt zu flächendeckenden Lachkrämpfen und zur Feststellung: "Das ist vollkommen unmöglich, da würde sofort der Krieg ausbrechen." Cervatto hat - nach eigener Aussage! - im Winter 22 Einwohner, und wenn man die Leute genauer fragt, sind es tatsächlich nur noch acht!

Wildern

Eine weitere uralte Tradition, von der die bedauernswerten grüngrauen Schreibtischtäter aus den Großstädten genausowenig Ahnung haben, ist das Wildern. Je fanatischer beispielsweise Gebiete des wilden Sesiatals geschützt, gesperrt, reguliert und verwaltet werden, desto aktiver werden wir die Wilderer: A casa mia comando io! Exemplarisch sind die zunehmend chaotischen Zustände im nahen Nationalpark Val Grande. Nachdem der Parco Naturale Alta Valsesia in den 1980er Jahren dekretiert wurde und in der Folge insbesondere der Kollege B. aus Morca so ziemlich alles leergeschossen hatte, hat sich im mittleren Sesiatal dagegen die Lage normalisiert. Zum Glück hat auch er sich inzwischen beruhigt, denn an und pfirsich sollte man den Spaß und vor allem die Provokation nicht unnötig übertreiben. Nach dem Superwinter 2008/2009 war er mit seinem Sohn ein paar Tage lang ein paar Täler weiter weg zum Tragwerksbau auf einem von der Schneelast eingestürzten Dach in Tapponaccio ("porco cane, non mi conosci più?"), mit Übernachtung in der daneben leerstehenden Alphütte vom Remo, der es mit seinen Kühen und seinen 77 Jahren jetzt "nur noch" bis Oro Negro schafft, und die beiden hatten garantiert nicht nur Brot und Wein und Salame und Grappa dabei im Rucksack, und das ganze Tal war alarmiert: "Der Hubschrauber hat dann zuallerletzt noch so einen ganz komischen Transportsack von der Baustelle heruntergeflogen zu deren Lastwagen ... Den haben sie aber nicht aufgemacht und da war sicher ein starker Hirsch drin und ein paar Gams sowieso ..." Wer "geht", macht das schon lange nicht mehr aus der Not heraus, so wie es beispielsweise zur überlebensnotwendigen Fleischversorgung im Zweiten Weltkrieg geschah, als es eben auch noch "richtige" Winter gab. Wer "geht", demonstriert heute damit insbesondere gegenüber der Obrigkeit, dass sie in seinem Gebiet überhaupt garnix zu suchen oder gar zu befehlen hat und dass er bei sich zuhause macht, was er will: A casa mia comando io!

Dai ... prendilo! 'ndummmmma!
Irgendwann, irgendwo ... a casa mia!

Jeder Einheimische weiß natürlich ganz genau, wer "geht", und witzigerweise hat es unter ihnen auch Parkaufseher und Jäger, denn die Grenzen diverser Persönlichkeiten sind fließend. Im übrigen ist im zunehmend menschenleeren Wildnisgebiet des Sesiatals mehr als genügend Wild für alle da ...

Spuren im Schnee ...
... a casa mia!
23. April 2014, 1102
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Wenn wir die Wilderer links gehen, gehen die Carabinieri rechts, denn man kennt sich sowieso und nur zu gerne vermeidet man unnötigen Ärger und lästige Schreiberei. Hat man eigentlich den fetten Forstaufseher F. schon mal oben im wilden Val Piatt gesehen, das genau das Gegenteil von "piatt" ist und an dessen Eingang man nur nach 400 Höhenmetern steilem Aufstieg gelangt - auf einem Schleichweg für Eingeweihte, dessen Anfang wir wie immer absichtlich zugewachsen lassen, damit ihn sonst keiner findet? Dass diese hohen Herren vom Corpo Forestale dello Stato sowieso nur im Jeep herumfahren und eh keine Ahnung haben, sieht man schon auf den begrinsenswerten Fotos von ihrer Webseite ... Die dort großartig belaberte "Operazione Adorno" gegen uns die bösen bösen Wilderer wird von uns ebendenen als "Operazione Addormo" begrinst!

Außer uns den bösen Buben gibt es natürlich auch lizensierte Jäger, die man insbesondere während der offiziellen Jagdzeiten auch auf den Bergwegen antrifft. Leider gibt es immer wieder fremde Jagdgäste, insbesondere die tumben Trotteln aus der Tiefebene, die sich im Gebirge natürlich nicht auskennen und sowieso auf alles ballern, was sich bewegt. Im eigenen Interesse sollte man sich daher während der Jagdsaison spätestens am Vorabend einer Bergtour am Ausgangsort über die für die nächsten Tage geplanten Jagden informieren und andererseits die Einheimischen laut und deutlich wissen lassen, wann und wohin man gehen möchte. Im übrigen verhalten sich etliche Jäger gegenüber Bergwanderern merkwürdig, allerdings noch lange nicht so feindselig wie beispielsweise in Bayern oder Österreich. Man muß eben damit rechnen, dass man ungenaue oder sogar absichtlich falsche Auskünfte erhält. In jedem Fall sollte man während der Jagdsaison unbedingt auf den offiziell bezeichneten Wanderwegen bleiben und diese niemals verlassen. Die Jagdzeiten im Piemont werden hier unter "Calendario venatorio" festgelegt. Sie dauern meistens vom dritten Sonntag im September (!) bis Ende Januar, und zwar prinzipiell nur am Mittwoch, Samstag und Sonntag und nur ab einer Stunde vor dem Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang. Aber: Schalenwild kann auch am Montag und Donnerstag bejagt werden, und auch bis eine Stunde nach Sonnenuntergang. Am Dienstag und am Freitag wird nicht gejagt! Ebendeswegen ist bei uns den bösen Buben im Oberen Sesiatal der Dienstag schon immer der Tag der Freiheit, weil dann sowieso alle Leute unten in Varallo zum Einkaufen auf dem Markt sind ... Grob gesagt ist ab dem dritten Sonntag im September das Niederwild frei und ab dem 1. Oktober dann das Hochwild bis Ende November, was natürlich stets bewirkt, dass Jahr für Jahr pünktlich am 1. Oktober morgens Punkt 0631 die zweit-schönsten Hirschen und Gamsen erlegt sind - diejenigen nämlich, die wir die bösen Buben noch übriggelassen haben ...

Guarda pure kuschtoki...
Lasciummalo anceui es wos ...
'ndummmmma prenderlo nla nèef!
Sulì alla Galmanna ... sempre a casa mia!
27. Juni 2012, 1314
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Raubtiere

Im Piemont gehen noch Hunderte von Schafhirten ihrer traditionellen und äußerst mühevollen Arbeit nach, die nebenbei auch dem Wegerhalt, dem Landschaftsschutz und der Artenvielfalt dient, so wie wir es schon oben nachgewiesen haben. Die bereits erwähnten gnadenlos naturfremden grüngrauen Schreibtischschwätzer aus den Großstädten sind selbstverständlich zutiiiiefst der Überzeugung, dass nicht etwa bei iiihnen zuhause im gepflegten Vorgarten, sondern möööglichst weit weg und ausgerechnet bei uns im Piemont - buchstäblich ums Verrecken! - wieder Wölfe leben sollen. Wenn diese Raubtiere dann mit ihrem teuflischen Terror ganze Schafherden vernichten ...

Diese Raubtier-Rudel töten "natürlich" auch Kühe und größere Tiere - und Menschen!
Welt, 23. Oktober 2014

... zahlt den armen Schafhirten kein Mensch auch nur einen einzigen Cent Schadensersatz. Wie ein derartiges Schlachtfeld "in einem Meer von Blut" nach einer Blutrausch-Orgie der ach sooo harmlosen Wölfe tatsächlich aussieht, beschreibt sehr schön ein - buchstäblich! - betroffener Schafhirte aus dem Bellinotal am Monviso.

La Stampa
1. September 2012
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Ein umfangreicher Artikel im Economist vom 22. Dezember 2012 bestätigt perfekt unsere treffende Einschätzung der tumben Trotteln aus der Tiefebene: "As people moved to towns, attitudes to nature moved from utilitarian to romantic. The farther away people live from wolves, the more they like them. A pack of wolves will happily kill hundreds of sheep in an hour. In communities whose livelihood goes about on four legs, wolves and people are not compatible." 3. Januar 2015: "Pro wolf biologists and officials call themselves dispassionate custodians of an unique place. But they give themselves away with quasi-spiritual talk of wolves restoring 'wholeness' to a landscape damaged by man ... <They are> incomers with big-city ideas about animal rights and natural ecosystems."

Michel Dépraz bestätigt in Die Alpen vom Mai 2017 brandaktuell genau die Zusammenhänge, die wir unseren Wandergruppen unterwegs in Rimella zeigen, wo die Entvölkerung exakt dieselben ökologischen Folgen hat: "Die Aufgabe der Tierhaltung ist deshalb der naheliegende Schritt, mit allen Konsequenzen ... Bisher gut gepflegte Weiden und Wiesen verbuschen zunächst und werden dann zu Wald. In grösseren Höhen, oberhalb der Waldgrenze, wird die Aufgabe der Schafhaltung ¦ wegen der selbst in der Schweiz unbezahlbaren Kosten des Schutzes gegen die Wölfe - JK ¦ für zunehmende Lawinen sorgen, auf die man gern verzichten würde. Denn das nicht abgefressene Gras wird durch das Gewicht des Schnees Richtung Tal zu Boden gedrückt und bildet so eine veritable Rutschbahn. Regionen, in denen die Beweidung bereits aufgegeben wurde, haben dies teuer bezahlt. Ausserdem haben unsere Bauern schon genügend Probleme mit der Konkurrenz des Weltmarkts, sodass zusätzliche durch Raubtiere wahrlich nicht mehr nötig sind. Wenn das Ziel der Umweltschützer die Zerstörung der Alpbewirtschaftung ist, damit völlig wilde Zonen entstehen, dann haben sie zweifellos 'Erfolg' gehabt. Aber dann muss man auch akzeptieren, dass wir noch mehr Lammfleisch aus Neuseeland importieren müssen. Aus Gründen der Ethik, der Nahrungsmittelunabhängigkeit, der Verminderung von Transporten und der Gesundheit müsste man aber doch im Gegenteil die Abhängigkeit von Importen reduzieren. Die in der Schweiz produzierten Lebensmittel sind immer noch am einfachsten zu kontrollieren. Bitte nachdenken!" Ecco ... Siehe auch die bereits oben erwähnten und perfekt fotografisch dokumentierten Blaiken!

Mirja Trummer-Wyss aus Frutigen schreibt in derselben Fachzeitschrift vom Juni 2013 in Bezug auf Bären; für Wölfe gilt exakt dasselbe: "Der Bär wurde vor gut 100 Jahren ausgerottet, weil er eben unter anderem eine Gefahr für Nutztiere darstellt. Daran hat sich bis heute nichts geändert, ausser dass die Schweiz heute dichter besiedelt ist als damals. Dass heute niemand mehr existenziell von seinen Nutztieren abhängig sein soll, mag ich nicht gelten lassen. Wir Bauernfamilien verbringen jeden Tag Zeit mit und bei den Tieren, um sie zu hegen und zu pflegen. Wir möchten uns das Leben in unseren schönen Alpentälern nicht von Wildtierexperten und Naturschützern vorschreiben lassen. Wie wäre wohl das Echo aus der Bevölkerung, wenn plötzlich jemand die Idee hätte, Grossraubtiere mitten in der Stadt anzusiedeln? Meist kommen nämlich solche Ideen von städtischer Bevölkerung, welche jeden Bezug zur Natur verloren hat." Bravo!

Neue Zürcher Zeitung, 24. Dezember 2014: "Wölfe sollen künftig rascher abgeschossen werden können. Der Bund will die eidgenössische Jagdverordnung entsprechend anpassen, wie das Bundesamt für Umwelt mitgeteilt hat. Der Bund trägt damit vor allem der Landwirtschaft und der Bergbevölkerung Rechnung ..." Ecco bravo!

Frankfurt Allgemeine Zeitung, 23. Mai 2015: "Der Landwirt hat zwar ein Recht auf Entschädigung. Den betroffenen Landwirt, der vom Lämmerverkauf lebt, kann das aber nicht wirklich beruhigen: 'Wenn der Wolf bleibt, muss ich aufgeben, denn ich kann mich nicht wehren, sondern nur zusehen.' "

Werner Bätzing, der bekannteste Alpenforscher, 2015 in einer Streitschrift zur Zukunft der Alpen: "... weniger wichtig für den Naturschutz wäre die Förderung der Verbreitung von Wildtieren in den Alpen, sei es durch Auswilderungen (Bär, Luchs, Bartgeier), sei es durch Abschussverbote (Wolf) ... Diese besonders bei großstädtischen Bevölkerungen sehr populären Naturschutzmaßnahmen haben mit den zentralen Umweltproblemen der Alpen - Verlust an Artenvielfalt, Luft/Wasserverschmutzung, Lärm, Zersiedlung - nicht sehr viel zu tun und laufen Gefahr, zum Alibi zu werden." Ecco! Derselbe Autor in Geo Spezial Alpen, 2016: "Die Wildnis entspringt der Fantasie von Städtern. Die Rückkehr von Wölfen, Luchsen und Bären bedroht die Existenz der letzten Landwirte in den Alpen." Bravo!

In der oben bereits zitierten SAC-Mitgliederzeitschrift Die Alpen werden im Februar 2017 erneut einfachste Zusammenhänge für Dummies verklickert: "Im Herbst 2014 fand Manuel Weissen elf vom Wolf gerissene Schafe auf seiner Weide in Unterbäch, nahe des Augstbordhorns zwischen Visp und dem Turtmanntal im Oberwallis, einem der aktuellen Hotspots des Wolfgeschehens in der Schweiz. Wir müssen darüber nachdenken, was der Wolf für die Landschaft bedeutet. Die sorgfältig gepflegten Matten und Wiesen, die schönen Mäuerchen und sauberen Waldränder sind Teil der Walliser Kulturlandschaft und als solche auch für den Tourismus von Bedeutung. Wenn die Schafe fehlen, schreitet die Verbuschung voran und die Landschaft wird sich in relativ kurzer Zeit verändern. Im Gebiet des Augstbordhorns sind die meisten Schafalpen bereits aufgegeben worden. Man sieht den Effekt deutlich."

Die Zeitschrift Montagne 360 des CAI beschreibt in ihrer Ausgabe Dicembre 2012 drei Standpunkte zum Wolf:

Die Initiative Pro Rimella unterstützt seit Jahrzehnten die allerletzten Einwohner in den aussterbenden Bergdörfern mit finanziell und zeitlich extrem aufwendigem intelligentem Tourismus und ungewöhnlichen Ideen und Projekten direkt vor Ort. Wir stehen daher ausdrücklich zum eindeutigen Standpunkt des Bergbewohners: il lupo va cacciato. Auf deutsch: Der Wolf wird gejagt! Eccociqua ragazzi poveri noi: genau dafür werden wir zusammen mit allen anderen "Kollegen" persönlich und speditiv sorgen - siehe oben. A casa mia comando io!

T., 26. April 2014: "Sentiunaroba, das war im Oktober, gerade als du schon weg warst und bevor der viele Schnee kam. Allora, der G. war oben an der B. und hat diese Steinböcke beobachtet. Da oben geht außer uns eh niemand und die haben sowieso keine Angst vor den Menschen. Auf einmal haben die sich unglaublich komisch benommen, es war aber sonst niemand da. Der G. hat so etwas noch nie erlebt. Er schaut und schaut und auf einmal sieht er unten bei der Alpe F. drei Punkte. Er nimmt sein Glas und was sind es, ein Rudel Wölfe. Ma dimmi te, starobalì hat uns hier gerade noch gefehlt. Den Rest kannst du dir denken und am nächsten Tag ist sein Bruder S. mit dem Benzinkanister hinauf und nach diesem brutalen Winter sieht man sowieso nix mehr. A casa mia comando io!!!" Auf gut schwäbisch: shoot, shovel, shut up!

La Stampa
17. Mai 2018
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Kernaussage: "Immer mehr kleine und mittelgroße Alp-Betriebe werden aufgeben, mit einem massiven Schaden für das Sesiatal unter zwei Gesichtspunkten. Umwelt: die Alpen werden dem Verfall preisgegeben. Wirtschaft: die Beweidung gibt den Leuten in der Gegend eine Arbeit. -- Die Einzäunung ist nicht sicher und daher völlig sinnlos. Die Rassen der Herdenschutzhunde sind besonders aggressiv gegen Menschen und stellen eine große Gefahr für Wanderer und Touristen dar. -- Dem Hirten Federico Antonietti im Cavaione-Tal bei Rossa wurden erst vor wenigen Tagen sieben Schafe gerissen." Als ob das arme Sesiatal nicht schon genügend Probleme hätte, herrgottsakramentnochmal! Nota benone, haargenau in dieses Gebiet gehen wir auch mit unseren Wandergruppen: das Cavaione-Tal liegt direkt "hinter" dem spektakulären Aussichtsgipfel Pizzo Tracciora di Cervatto!

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31. Juli 2018, unter dem Titel "Bald ist alles abgegrast": "989 verbliebene Berufsschäfer in Deutschland. 13 Prozent weniger als 2010. 35 EUR für ein gutes Schaf. Früher waren es 200 DEM. Und jetzt kommt auch noch der Wolf hinzu. Herdenschutzhunde ... Wenn uns einer weismachen will, wie die Wolfsfreunde, dass der Wolf wegbleibt, wenn der Hund hinterm Zaun wau-wau macht ... Dann muss der Wolf erschossen werden. 38 EUR pro Mutterschaf und Ziege ... hatte der Bundesverband Berufsschäfer gefordert. Eine Prämie, die ... in 22 anderen 'EU'-Staaten gezahlt wird, nur eben in Deutschland nicht. Doch die Prämie wurde im Juni vom Deutschen Bundestag gegen das Votum der AfD, der Linken und der Grünen abgelehnt. Politischer Kindergarten ... Nur weil die Vorlage von den falschen Parteien eingebracht wurde, sei sie nicht angenommen worden." Auf deutsch: es waren wie üblich die Superseckel Intelligenzbestien von der CDU CSU FDP SPD. Non capiscono proprio un cazzo. È sempre stato così!!!

Seit über einem halben Jahrtausend wird in Scopello im oberen Sesiatal eine eindrückliche Prozession durchgeführt im Gedenken an ein Gelübde nach der Ausrottung des gefährlichen Raubtiers Wolf, der stets eine große Plage war.

Notizia Oggi
28. Mai 2018
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2012 wurde im Winter von drei Personen, die ein Sommerhaus in Campello Monti besitzen, mit dem Taschentelefon ein Bär fotografiert, der auf der anderen Seite des Torrente Strona im Schnee lief. Das Foto wurde auch auf La Stampa veröffentlicht. Ferner wurden 15 Zentimeter lange Spuren gefunden.

Man kann das glauben oder nicht. - Unser Mitarbeiter Donato T. hat im September 2018 beim Pilzesuchen oberhalb von Roncaccio etwas gesehen, das wie ein Riesenhaufen Bärensch... aussah. Leider hat er kein Foto gemacht, aber uns am selben Abend bestätigt, dass das Zeug da genauso wie auf dem Tablettencomputer gegoogelt "Bär Losung" aussah. Madonna ... Mehr wissen wir noch nicht. Hingegen sind zunehmende Risse von Wölfen auf den Alpen im Mastallonetal schon seit einigen Jahren nachgewiesen, und das Raubtier wurde im Sommer im Val Sabbiola von einer Biologin (die einen Wolf sehr wohl von einem wilden Köter unterscheiden kann!) sowie im Winter im Val Bise Rosso bei Sant'Anna et al auch schon direkt gesichtet.

Warnung

Im Wildnisgebiet Mastallonetal - Sesiatal gibt es wegen Dummheit und Orientierungsverlust jedes Jahr mehrere (!) tödliche Unfälle, insbesondere unter den großstädtisch naturentfremdeten Flachlanditalienern aus Mailand oder Rom bei der alljährlichen durchgeknallten Pilzsammelorgie im Spätsommer. Nach den wochenlangen Regenfällen im Frühjahr 2008 werden die Pilze jetzt regelrecht explodieren und muß daher heuer schon ab August mit Dutzenden von verunglückten fanatischen Pilzverrückten gerechnet werden. Diese unsere Vorhersage vom Mai 2008 hat sich leider schrecklich bestätigt ...

Abgestürzt und tot
Mitten in unserem Arbeitsgebiet!
Wenn es einen schönen kilometergroßen Wald gibt
mit nur einer einzigen winzigen Felswand mittendrin,
dann kann man garantiert Gift drauf nehmen,
dass die Pilzverrückten GENAU DORT ABSTÜRZEN!!!
La Stampa, 9. August 2008
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Abgestürzt und tot
In zwei Jahren drei Tote
Notizia Oggi
Farbfoto von Jörg Klingenfuß
3. September 2007
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Abgestürzt und tot
La Stampa
3. September 2007
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Das verfluchte Gebiet der Pilzsucher
La Stampa
4. September 2007
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Es handelt sich hier nicht um ein rotesockenkariertehemdenmäßiges vollerschlossenes Stocknägeltouristengebiet, sondern um das Ende der Welt, wo kaum noch jemand wohnt. Abseits der einigermaßen gut markierten - und auf dieser Internetseite exzessiv beschriebenen! - GTA sind die nach jahrhundertelanger Entvölkerung überhaupt noch vorhandenen Wege prinzipiell NICHT markiert und auch mit dem verfügbaren Kartenmaterial NICHT zu finden. 2005 drei tote Turnschuh-Mailänder im Sermenzatal innerhalb von nur 10 Tagen! 2010 innert nur 50 Tagen zwischen 10. Juli und 8. September 43 dreiundvierzig!! tote Pilzsucher in den Wildnisgebieten der italienischen Alpen, i.e. praktisch jeden Tag ein Toter!!! In Ihrem ureigensten Interesse sollten Sie unbedingt diese nachdrückliche Warnung lesen, verstehen und vor allem auch beachten. Lebensgefahr!

Empfehlung

Wenn Sie die letzten Einwohner in den vergessenen piemontesischen Bergdörfern unterstützen wollen, machen Sie Urlaub dort oben bei ihnen. Die Gegend ist mindestens so schön wie Südtirol oder das Tessin vor hundert Jahren, ohne Massentourismus und mit Tausenden von "richtigen" Bergen von 1000 bis 4800 Metern Höhe. Zentrale Touristenbüros und Internetadressen mit Unterkunftsverzeichnissen finden Sie hier. Alle Wanderkarten und Führer gibt es hier bei uns in Tübingen. Fragen Sie in den Touristenbüros nach weiteren Informationen. Fragen Sie an Ort und Stelle in den Sektionsbüros des Italienischen Alpenvereins nach geführten Wanderungen und weiteren Angeboten. Unterstützen Sie regionale Projekte wie die GTA und lokale Projekte wie die Initiative Pro Rimella. Machen Sie aussagekräftige Fotos und zeigen Sie Ihren Freunden zuhause, wie schön und erholsam man abseits vom alpinen Massentourismus reisen und wandern kann. Wenn es Ihnen gefallen hat, kommen Sie bitte wieder. Lernen Sie Italienisch, reden Sie mit den freundlichen Bergbewohnern und genießen Sie das gute Essen in der kulinarisch führenden Region Europas. Unterstützen Sie Slow Food. Bekämpfen Sie die wahnsinnigen Vorschriften der sogenannten "EU". Setzen Sie sich ein für den Erhalt jahrhundertealter Rezepte, traditioneller Qualitätsprodukte und kleiner Familienbetriebe. Es lohnt sich, weil es einfach besser schmeckt - und erst noch viel gesünder ist! Kaufen Sie einheimische Produkte direkt beim Erzeuger vor Ort und nicht im Supermarkt in Borgosesia oder Mailand. Wenn es Ihnen nicht angeboten wird, fragen Sie danach: nur eine Nachfrage erzeugt einen Markt!

  • Beeren: je nach Jahreszeit hat es Brombeeren, Erdbeeren, Heidelbeeren, Himbeeren, Holunderbeeren, Johannisbeeren, Mehlbeeren, Preiselbeeren, Stachelbeeren und Wacholderbeeren, die fallweise auch zu Gelee, Grappa, Kuchen, Likör, Marmelade und Schleckzeug weiterverarbeitet werden.

    Heidelbeere
    Vaccinium myrtillus
    Alpe Rondecca
    17. Juli 2006, 1417
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    Rote Johannisbeere
    Ribes rubrum
    Cervatto Orlino
    12. August 2006, 1524
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    Wald-Erdbeere
    Fragaria vasca
    Rimella Prati
    3. Juli 2008, 1730
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    Himbeere
    Rubus idaeus
    Alpe Bonda Larga
    10. September 2006, 1007
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  • Fische: Im Mastallonefluß und in den zahlreichen Seitenbächen hat es schöne Forellen.

    Molino inferiore, eines von mehreren Geisterdörfern im Mastallonetal, das wir erst vor wenigen Jahren wiederentdeckt haben. Außer einigen verschwiegenen Anglern, die Fremden prinzipiell keine Auskünfte geben, kennt die wilden Wege dorthin niemand mehr, und das ist gut so, denn so haben wir und sie mitsamt ihren Fischen immer ihre Ruhe. In diesem fotogenen Kanal mit kristallklarem Wasser hat es riesige Forellen, und wenige Meter weiter oben ist ein großes und noch tieferes Wasserbecken. 22. Mai 2005. Foto anklicken!

  • Gemüse: Bohnen, Fenchel, Gurken, Handgranaten, Kartoffeln, Knoblauch, Lauch, Mangold, Paprika, Spargel, Spinat, Tomaten, Zucchini. Wilden Fenchel, wilden Knoblauch und wilden Spinat hat es auf den Alpwiesen unmittelbar nach der Schneeschmelze, die Einheimischen kennen die Standorte und machen daraus einzigartig leckere Gemüsesuppen. Wilder Spargel ist violett, wächst wie "Un"kraut direkt neben den Wegen und schmeckt ausgezeichnet. Hier ist ein bewährtes Kochrezept dafür.

    Albergo Fontana - Antipasto # 17. 23. Juni 2005, 2036. Foto anklicken!

  • Honig gibt es in Rimella bei Piera Rinoldi in Prati und bei Franco Dago in San Gottardo.

    Bienenkästen auf der Blumenwiese direkt neben der Bar Monte Càpio
    3. August 2006, 1728

  • Käse gibt es überall auf den Alpen, es hat verschiedene harte und milde und schärfere und weiche Toma-Sorten sowie würzigen Ziegenkäse. Verkauf auch im Laden des Albergo Fontana.

    Käsekeller auf der Alpe Pianello
    "Genußtauglichkeitskennzeichnung"?
    Roba da matt'!
    28. Juli 2005, 1508

    Die Alpe Pianello wird entladen
    Anna, Corrado und vier Freunde treiben die Kühe hinunter ins Dorf
    Kein "Almabtrieb", kein Affentheater, keine Touristen
    Wieviele Jahre noch wird die Alpe Pianello mühsam beladen und betrieben werden
    angesichts des bürokratischen Psychoterrors aus Brüssel
    tipo "EU"-Käseherstellungshygienevorschriftenrichtlinie?
    20. September 2008, 1004
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  • Kastanien waren der Brotbaum des Mittelalters und wachsen heute ungenutzt im unteren Mastallonetal, beispielsweise auf den alten Terrassen von Cravagliana. Im Laden des Albergo Fontana gibt es leckere Kastanienmarmelade.
  • Lardo ist fetter Speck, der mit Rosmarin bestreut und wochenlang zwischen Buchenholzbrettern gepreßt wird. Schmeckt sehr lecker.
  • Nüsse wie Hasel- und Walnüsse findet man überall.
  • Obst: auf den Alpen wurden früher gezielt Kirschbäume angepflanzt. Im unteren Mastallonetal hat es Apfelbäume mit uralten Sorten und natürlich auch Birnen und Pfirsiche und Zwetschgen. In der Umgebung von Varallo hat es wilde Feigenbäume, die niemand mehr nutzt.
  • Pilze wachsen im feuchtwarmen Spätsommer wie Unkraut. Schirmlinge = Parasol haben locker bis zu 40 Zentimeter Durchmesser, und Pfifferlinge werden bis zu 15 Zentimeter hoch. Steinpilze werden im Superklima des Piemont bis zu anderthalb Kilo schwer.

    Violetter Schleierling
    Cortinarius violaceus
    San Pantaleone
    16. September 2005, 1801
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    Sommersteinpilz
    Boletus aestivalis
    Cima Tono
    28. September 2005, 1019
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  • Salami wird von den Metzgern in Varallo aus einheimischen Eseln, Hirschen, Pferden, Rindern und Wildschweinen hergestellt.
  • Wild kommt regelmäßig auf den Tisch: Gams, Hirsch, Reh, Zicklein. Oma Elda vom Albergo Fontana kocht noch so wie früher und gibt die uralten Rezepte gerne weiter.
  • Wildkräuter, Salat- und Würzpflanzen: eine Biologin meinte, für die unvergifteten Wildkräuter aus dem Naturparadies Mastallonetal würden einschlägige deutsche Firmen ein Vermögen bezahlen. Es hat Arnika, Basilikum, Brennnnnnesseln, Chili, Lorbeer, Löwenzahn, Majoran, Rosmarin, Salbei, Sauerampfer, Thymian und Dutzende weiterer "Un"kräuter. Uralte Hausrezepte für die Heilung mit Wildkräutern gibt es hier. Meiden Sie im Gelände aber unbedingt den direkten Kontakt mit allen Pflanzen, die Sie nicht ganz genau kennen. Beispielsweise wächst der fotogene Blaue Eisenhut im Sesiatal sehr häufig in der Nähe von aufgelassenen Alpen. Er ist die giftigste Pflanze Europas und sollte ums Verrecken nicht berührt werden, denn schon der Hautkontakt kann zu schweren Vergiftungen führen und zu Hautschäden, Ausschlägen und Brennen bis zur Taubheit. Bereits fünf Blütenblätter oder zwei Gramm der Wurzel oder fünf Milli(!)gramm des Wirkstoffs selbst sind für den Menschen tödlich. Dasselbe gilt für den im Sesiatal ebenfalls häufigen Lamarck- (Gelben) Eisenhut!

    Alpe Zer Obru Chescheru
    28. August 2005, 1058
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  • Nel cuore delle Alpi - Im Herzen der Alpen: "Oggi la valle, grazie alla sua gente piena di volontà, è cambiata, ma ha conservato il bene più prezioso: l'ambiente! Questa valle ha cime che dispensano panorami solari e stupendi, e silenzi surreali. Un patrimonio naturale a cinque stelle per l'escursionista sensibile e intelligente."

    Waldbestand im Sabbiolatal, einem Seitental des Mastallone, wo innerhalb der beiden rot abgegrenzten Flächen die Früchte für eine Samenschule genutzt werden, nach Datenbanken der Region Piemont. Oben links die "Cima di Locce" (in Wirklichkeit die Cima dell'Oca, aber in der Gegend treibt sich außer ein paar Wilderern und Jörg Klingenfuß sowieso niemand mehr herum), oben rechts der Pian delle Streghe am Grat zum Turlo, unten links der "Strand" von Selva di Cravagliana, unten rechts Villa superiore di Cervarolo. Anhand der verschiedenen Farben sieht man gut die überwältigende Vielfalt an Buschwerk sowie an Buchenwäldern, Eichenwäldern, Kastanienwäldern und Nadel-Wäldern und zahlreichen Einzelvorkommen von selteneren Arten. Sofort fällt einem der mysteriöse Bosco dell'Impero ein, der natürlich nicht auf der Karte bezeichnet ist!

    Blumen

    Die nachstehenden Fotos wurden nach dem Aufnahmedatum sortiert und umfassen das gesamte Sommerhalbjahr von Anfang April bis Ende September sowie das gesamte Gebiet des Mastallonetals und seiner wilden Seitentäler von den Bergen Rimellas bis hinunter nach Varallo. Vom Frühjahr über den Sommer bis in den Herbst gibt es eine Vielzahl von verschiedenen Blumen. Die in den Nord- und Ostalpen ebenfalls verbreiteten Blüten wie beispielsweise Alpenrose, Arnika, Kirsche, Krokus und Silberdistel lassen wir hier natürlich weg. Im Gebiet Sesiatal gibt es kein Wald- und kein Artensterben (warum, das steht hier) und somit anders als in Südtirol oder den Dolomiten viel mehr ungewöhnliche Blumen und Schmetterlinge. "In questa comunità Walser abbiamo una presenza botanica veramente rimarchevole, direi quasi eccezionale." schrieb Giuseppe Pedrizzetti in Remmalju 1997. Die Arten wurden bestmöglich identifiziert anhand des Standardwerks Alpenflora vom Schweizer Alpen-Club SAC, das wir hier beschreiben, und insbesondere des exzellenten Großformat-Bildbands Flora Eletta Valsesiana. Aufgeführt sind der lateinische Name, die lokale Bezeichnung im Sesiatal-Dialekt oder der italienische Name, der deutsche Name, und der Standort. Diese Fotos in noch größerem Format sowie weitere Hunderte Makroaufnahmen finden sich natürlich auch auf unserer SDHC-Speicherkarte mit über 9400 Superfotos für digitale Fotorahmen. Fotos anklicken!

    Saxifraga cotyledon
    Sassifraga piramidale
    Strauß-Steinbrech
    Weg Barattina - Cervarolo
    6. April 2005

    Cymbalaria muralis
    Linaria dei muri
    Mauer-Leinkraut
    Varallo Dovesio
    19. April 2006

    Larix decidua
    Larice
    Lärche
    Colma Lavaggio
    22. April 2006

    Corydalis solida
    Coridale
    Festkn. Lerchensporn
    Alpe Valmala di sopra
    23. April 2006

    Soldanella alpina
    Soldanella comune
    Gemeines Alpenglöckchen
    Alpe Pianello
    27. April 2006

    Epilobium fleischeri
    Epilobio di Fleischer
    Fleischers Weidenröschen
    Cervatto
    30. April 2005

    Gentiana kochiana
    Genziana acaule
    Stengelloser Enzian
    Weg Meula - Alpe Ciupai
    30. April 2005

    Aquilegia alpina
    Aquilegia maggiore
    Alpen-Akelei
    Ponte Vecchio di Cerv.
    3. Mai 2006

    Vinca minor
    Pervinca
    Kleines Immergrün
    Cervarolo Villa superiore
    3. Mai 2006

    Androsace vandellii
    Androsace di Vandelli
    Schweizer Mannsschild
    Hepter Akku
    8. Mai 2008

    Viola biflora
    Violetta gialla
    Zweiblütiges Veilchen
    Alpe Rondecca
    19. Mai 2006

    Chamaecytisus hirsutus
    Citiso peloso
    Behaarter Geißklee
    Weg G__742 - G__952
    20. Mai 2006

    Primula pedemontana
    Primula piemontese
    Piemont-Primel
    Alpe Rossa superiore
    20. Mai 2005

    Saxifraga biflora
    Sassifraga biflora
    Zweiblütiger Steinbrech
    Alpe Zu Fleppenne
    1. Juni 2008

    Lilium bulbiferum
    Giglio Rosso
    Feuerlilie
    Varallo Gerbidi
    4. Juni 2005

    Sempervivum grandiflorum
    Semprevivo a fiori grandi
    Großblütige Hauswurz
    Alpe Ebelje
    4. Juni 2006

    Geum rivale
    Geo - Ambretta rivale
    Bach-Nelkenwurz
    Alpe Rondecca
    5. Juni 2005

    Thlaspi rutundifolium
    Erba storna - Iberella
    Rundblättr. Täschelkraut
    Passo dei Rossi
    5. Juni 2005

    Tephroseris capitata
    Fiör Falò
    Kopfiges Geiskraut
    Alpe Ebelje
    17. Juni 2007

    Rhodiola rosea
    Rodiola
    Rosenwurz
    Villa Aprilia
    17. Juni 2005

    Linaria alpina
    Linaria alpina
    Alpen-Leinkraut
    Monte Càpio
    18. Juni 2006

    Paradisea liliastrum
    Giglio di San Bruno
    Weiße Trichterlilie
    Stutz
    19. Juni 2006

    Antennaria dioica
    Antennaria dioica
    Katzenpfötchen
    Ameisenboden
    21. Juni 2005

    Lotus alpinus

    Alpen-Hornklee
    Ameisenboden
    21. Juni 2005

    Aruncus dioicus
    Asparago selvatico
    Geißbart
    Cervarolo Volta
    23. Juni 2005

    Cirsium eriophorum
    Cirsio lanoso
    Wollköpfige Kratzdistel
    Ameisenboden
    2. Juli 2005

    Orchis maculata
    Concordia
    Geflecktes Knabenkraut
    Alpe Baranca
    3. Juli 2008

    Lilium martagon
    Riccio di Dama
    Türkenbund
    Alpe Zer Helo
    4. Juli 2005

    Pedicularus kerneri
    Erba pidocchiara
    Kopfiges Läusekraut
    Alpe Pianello
    4. Juli 2006

    Campanula excisa
    Campanula incisa
    Ausgeschn. Glockenblume
    Alpe Baranca
    7. Juli 2005

    Astrantia major
    Astranzia maggiore
    Große Sterndolde
    Rimella Prati
    10. Juli 2005

    Sedum ochroleucum
    Erba di San Giovanni
    Blaßgelbe Fetthenne
    Rimella Pianello
    10. Juli 2005

    Centaurea montana
    Fiordaliso alpino
    Berg-Flockenblume
    Alpe Scarpiola
    12. Juli 2008

    Sempervivum dolomiticum
    Semprevivo dolomitico
    Dolomiten-Hauswurz
    Rimella Sella
    12. Juli 2005

    Saxifraga stellaris
    Sassifraga stellata
    Stern-Steinbrech
    Ponte Vecchio di Cerv.
    15. Juli 2005

    Gentiana purpurea
    Genziana rossa
    Purpur-Enzian
    Cima del Camossaro
    17. Juli 2008

    Campanula barbata
    Campanula barbuta
    Bärtige Glockenblume
    Rimella Chiesa
    18. Juli 2005

    Bupleurum stellatum
    Bupleuro stellato
    Stern-Hasenohr
    Pass Brütt
    23. Juli 2006

    Dianthus superbus
    Garofano a pennacchio
    Pracht-Nelke
    Alpe Ratte
    23. Juli 2006

    Epilobium angustifolium
    Gambi rossi
    Wald-Weidenröschen
    Bocchetta di Cevia
    23. Juli 2006

    Saxifraga aizoides
    Sassifraga autunnale
    Gewimperter Steinbrech
    Alpe Ratte
    23. Juli 2006

    Achillea distans
    Achillea felcata
    Rainfarnbl. Schafgarbe
    Alpe Zum Vukschlu
    3. August 2006

    Sempervivum tectorum
    Semprevivo dei tetti
    Dach-Hauswurz
    Balmacco
    6. August 2008

    Gentiana asclepiadea
    Genziana asclepiadea
    Schwalbenwurz-Enzian
    Alpe Lagone
    26. August 2005

    Gentianella anisodonta
    Genzianella anisodonta
    Blauviol. Engadin-Enzian
    Stutz
    27. August 2006

    Aconitum variegatum
    Aconito azzurro
    Bunter Eisenhut
    Alpe Zer Obru Chescheru
    28. August 2005

    Parnassia palustris
    Parnassia palustre
    Studentenröschen
    Bocchetta di Campello M.
    31. August 2005

    Cyclamen purp. Miller
    Pan Porcino
    Alpenveilchen
    Diga di Molinaccio
    1. September 2005

    Sedum anacampseros
    Borracina porporina
    Rundblättrige Fetthenne
    Cappella di San Pietro
    7. September 2006

    Campanula scheuchzeri
    Campanula di Scheuchzer
    Rundbl. Glockenblume
    Rimella San Gottardo
    19. September 2005

    Insekten und Schmetterlinge

    Die nachstehenden Fotos wurden nach dem Aufnahmedatum sortiert und umfassen das gesamte Sommerhalbjahr von Anfang April bis Ende September sowie das gesamte Gebiet des Mastallonetals und seiner wilden Seitentäler von den Bergen Rimellas bis hinunter nach Varallo. Das Sesiatal ist ein Paradies für Natur- und Schmetterlingsfreunde. Durch die jahrhundertelange extensive Bewirtschaftung haben die Wiesen einen außerordentlich hohen Artenreichtum an Blütenpflanzen und Insekten, die woanders kaum mehr zu sehen sind. Vom Frühjahr über den Sommer bis in den Herbst gibt es eine Vielzahl von verschiedenen Insekten und Schmetterlingen. Im Gebiet Sesiatal gibt es kein Wald- und kein Artensterben (warum, das steht hier) und somit anders als in Südtirol oder den Dolomiten viel mehr ungewöhnliche Insekten. "In questa comunità Walser abbiamo una presenza botanica veramente rimarchevole, direi quasi eccezionale." schrieb Giuseppe Pedrizzetti in Remmalju 1997.

    Es gibt Tage, da sitzt auf jeder zweiten Blüte mindestens ein Insekt
    Hier sitzen drei verschiedene Insekten auf einer Blüte!
    Große Sterndolde - Astrantia major
    Bocchetta di Vocca
    22. Juni 2008, 1358
    Foto anklicken!

    Wir sind keine Botaniker; wer sich mit dem fotogenen Krabbelzeug da gut auskennt, der kann vielleicht ein paar ungenau bestimmte oder uns unbekannte Arten korrekt identifizieren - danke! Spezialist Hans Kostenbader aus Stuttgart hat freundlicherweise mehrere Arten identifiziert. Diese Fotos in noch größerem Format sowie weitere Hunderte Makroaufnahmen finden sich natürlich auch auf unserer SDHC-Speicherkarte mit über 9400 Superfotos für digitale Fotorahmen. Fotos anklicken!

    Raupe

    Alpe Zu Fleppenne
    23. April 2007

    Oiceoptoma thoracica
    Aaskäfer
    Rimella Villa superiore
    26. April 2007

    Araneus diadematus
    Kreuzspinne
    Alpe Palazzo di sopra
    27. April 2007

    Schmetterling

    Alpe Sosletto
    27. April 2007

    Coccinella septempunctata
    Marienkäfer
    Ponte Vecchio di Cervarolo
    11. Mai 2007

    Meloe spec.
    Ölkäfer
    Cravagliana Colla
    13. Mai 2007

    Insekt

    Pra dla Sella
    13. Mai 2007

    Spinne

    Weg Pozzallo - Verzimo
    22. Mai 2005

    Stilpnotia salicis
    Pappelspinner
    Sella del Lagone
    2. Juni 2006

    Wanze

    Hepter Akku
    4. Juni 2007

    Wanze

    Hepter Akku
    4. Juni 2007

    Oreina speciosa
    Blattkäfer
    Alpe Rondecca
    5. Juni 2005

    Hummel

    Rimella Prati
    5. Juni 2005

    Cryptocephalus sericeus?
    Fallkäfer
    Prato Lungo
    9. Juni 2007

    Fliege

    Ameisenboden
    2. Juli 2005

    Nymphalis polychloros
    Großer Fuchs
    Cresta della Scarpiola
    7. Juli 2007

    Heuschrecke

    Cervarolo Molino inferiore
    7. Juli 2006

    Hundertfüßler

    Alpe Solivo di sopra
    9. Juli 2006

    Zygaena ephialtes
    Verändl. Rotwidderchen
    Varallo Gerbidi
    9. Juli 2005

    Schmetterling

    Rimella Pianello
    10. Juli 2005

    Parnassius apollo
    Roter Apollo
    Alagna Otro Weng
    12. Juli 2007

    Leptura maculata
    Bockkäfer
    Alpe Corti di Cervatto
    14. Juli 2007

    Heuschrecke

    Ponte Vecchio di Cervarolo
    15. Juli 2005

    Iphiclides podalirius
    Segelfalter
    Lago di Capezzone
    19. Juli 2007

    Pachytodes cerambyciformis
    Bockkäfer
    Weg Rimella Sella - Pineta
    23. Juli 2007

    Eudia pavonia
    Kleines Nachtpfauenauge
    Stutz
    24. Juli 2005

    Euphydryas aurinia
    Skabiosen-Scheckenfalter
    Rimella Prati
    24. Juli 2007

    Zygaena filipendulae
    Sechsfleck-Widderchen
    Alpe Scarpiola
    27. Juli 2007

    Spinne

    Alpe Zer Obru Chescheru
    31. August 2005

    Raupe

    Hepter Akku
    2. September 2007

    Bienen

    Hepter Akku
    2. September 2007

    Insekt

    Val Henderwasser
    3. September 2007

    Pyropterus nigroruber?
    Rotdeckenkäfer
    Alpe Kaval
    3. September 2007

    Raupe

    Rio Scarpiola
    21. September 2007

    Colias hyale
    Goldene Acht
    Cravagliana Nosuggio
    30. September 2007

    Flechten

    Flechten sind Lebensgemeinschaften aus Pilzen und Algen. Sie wachsen überall auf der Welt, auch in der Antarktis, im Dschungel, in Städten, am Wasser und in der Wüste. Im Hochgebirge wachsen Flechten sogar auf dem nackten Fels, wo sie extremer Kälte, extremer Hitze, extremer Langeweile, extremer Trockenheit und extremer Ultraviolettstrahlung ausgesetzt sind. Trotzdem wachsen Krustenflechten jedes Jahr etwa ½ bis 2½ Millimeter, und sie werden bis zu tausend Jahre alt! Flechten auf Felsen erhalten ihre Nährstoffe natürlich nicht aus dem Boden, sondern ausschließlich aus der Luft und durch Nebel, Regen und Schnee. Sie reagieren deshalb sehr empfindlich auf Schadstoffe in der Luft und sind somit ideale Indikatorpflanzen für die Luftqualität. Eine auch für Laien gut verständliche Dissertation zu diesem interessanten Thema steht hier. Hunderte von Fotos von Flechten aus aller Welt stehen hier.

    Baum mit Flechten im Dschungel oberhalb von Magneronco di Rimella
    19. September 2005, 1504

    Bestimmte Flechtenarten können nur in sehr sauberer Luft existieren, wie wir sie in Rimella haben. Weshalb es im Sesiatal keinen sauren Regen und kein Waldsterben gibt, beschreiben wir hier. Diese Fotos in noch größerem Format sowie weitere Hunderte Makroaufnahmen finden sich natürlich auch auf unserer SDHC-Speicherkarte mit über 9400 Superfotos für digitale Fotorahmen. Fotos anklicken!

    Alpe Pianello
    4. Juli 2006

    Alpe Zum Träntje
    28. April 2006

    B.a di Campello Monti
    25. Juli 2006

    B.a di Campello Monti
    25. Juli 2006

    B.a di Campello Monti
    25. Juli 2006

    B.a di Campello Monti
    31. Juli 2006

    B.a di Campello Monti
    31. Juli 2006

    B.a di Campello Monti
    31. Juli 2006

    Rimella Sant'Antonio
    16. September 2006

    Tuppuwald
    17. Juni 2006

    Geologie

    Im August 2016, Juni 2014 und Mai 2012 gab es mehrere starke Erdbeben mit vielen Opfern in der Padanischen Tiefebene, konkret: an deren Südrand im Gebiet Bologna - Modena, also knapp nördlich von Florenz, sowie im sowieso stark erdbebengefährdeten Toskanischen und Umbrischen Appennin - Stichwort Perugia ... Rimella ist von diesen unberechenbaren Naturgewalten nicht betroffen. Schäden durch Erdbeben sind bei uns in Nordwestitalien - auch historisch - völlig unbekannt; siehe auch Wikipedias Erdbebenliste. Das Sesiatal liegt über 250 Kilometer Luftlinie entfernt von Modena und über 500 Kilometer entfernt von Perugia!

    Unter dem Sesiatal wurde erst 2009 ein "nagelneuer" toter Supervulkan entdeckt. Eine umfangreiche Webseite steht hier. "Der gekippte Gigant" ist der Titel eines umfangreichen Artikels im Bild der Wissenschaft. Bei uns im Mastallonetal beweisen die Felsen im Flußbett bei Aniceti ...

    ... ihren magmatischen Ursprung: eine Mischung von dunklem Gestein basaltischen Ursprungs, das in hellerem magmatischem Gestein eingeschlossen ist. Ähnliche Strukturen sieht man bei Bocciolaro am Zufluß des Rio Sabbiola.

    Magma-Mischung im Flußbett
    Neue Hinweistafeln des Projekts Geopark
    19. Juli 2013, 1611
    Foto anklicken!

    Bei unseren Wanderungen werden wir darauf und auf weitere Stellen hinweisen, die sowieso nur wir kennen!

    Total hat man auf der Erde bisher nur etwa 20 "Supervulkane" entdeckt
    Der bekannteste ist der Toba auf Sumatra in Donesien

    Die geologische Karte zeigt schon dem interessierten Laien die unglaubliche Vielfalt des Arbeitsgebiets Sesiatal. Die Original-Papierkarte im Großformat 140 mal 100 Zentimeter zeigen wir gerne den Teilnehmern an unseren geführten Bergwanderungen in Rimella.

    Das Sesiatal ist seit Jahrzehnten ein Lieblingsziel geländegängiger Geologen, denn nur hier ist ein nahezu unveränderter und kompletter Querschnitt der Erdkruste von der Oberfläche bis zum obersten Mantel aufgeschlossen.

    Studenten im Flußbett des Sermenza bei Balmuccia
    8. Juli 2006, 1216

    Den markanten Peridotit-Körper oberhalb von Balmuccia, mit seiner rötlich gefärbten Olivinverwitterung an der Oberfläche, erkennt selbst der Laie schon aus mehreren Kilometern Entfernung. Er entstand vor der Abspaltung der Südalpinen Platte von der Europäischen Platte und ist ein typisches Tiefengestein aus dem oberen Erdmantel. Das Lherzolit-Massiv von Balmuccia ist eine fast 5 Kilometer lange und ½ Kilometer breite, gigantische Linse. Es weist sehr junge und guterhaltene Peridotite auf und ist somit ideal zum Studium petrologischer und geochemischer Vorgänge im oberen Erdmantel.

    Gigantische Peridotit-Linse bei Balmuccia
    Markante orange-rötliche Olivin-Verfärbung
    12. September 2011, 1034
    Foto anklicken!

    Der Gipfel der Cima Lavaggia ist komplett mit Peridotit überdeckt
    14. Juli 2011, 1015
    Foto anklicken!

    Im Wildnisgebiet von Rimella gibt es einige alte Minen...

    Alpen dla Vallè - Cevia - Laghetto - Pennino Grande
    Auszug aus dem über hundert Jahre alten Werk Die Erzlagerstätten

    ... und die Insubrische Linie verläuft sowieso mitten durch das Dorf und die Berge.

    Spektakuläre Effekte des "Ivrea-Körpers"
    Aus Wikipedia

    To cut a long story short: die Gegend ist geologisch hochinteressant und abseits der recht wenigen "offensichtlichen" Wege völlig unbekannt und einsam, und die verfügbaren Karten kann man diesbezüglich sowieso vergessen.

    Miniera Bassa dla Cevia
    Die Trockenmauer der "Terrasse" ist noch gut erhalten
    11. Juli 2011, 1005
    Foto anklicken!

    Als beste Gebietskenner haben wir natürlich auch Geheimwege zu völlig unbekannten und vergessenen Minen und Aufschlüssen erfaßt.

    Miniera Secreta dla Cresta
    Diese extrem abgelegene und schwierig zu erreichende Mine
    durchfährt einen wilden Grat und hat zwei Eingänge
    Man sieht hier das Tageslicht von der "Gegenseite"!
    21. Juni 2014, 1023
    Foto anklicken!

    2015 haben wir in unseren Bergen systematische geologische Erkundungen mit einer Magnetsonde an einem langsam und tief fliegenden Hubschrauber beobachtet. Die riesige Sendeschleife hat einen Durchmesser von 18 Metern und arbeitet auf 25 Hz. Das Magnetometer hat eine Auflösung von 2 Tausendstel Nanotesla (!) und führt jede Zehntelsekunde, beziehungsweise abhängig von der Fluggeschwindigkeit etwa alle 2-4 Meter, eine Messung durch.

    Hubschrauber mit elektromagnetischer Sonde
    Lama I-ICGR der zuverlässigen Air Walser,
    den wir oft für Arbeiten auf unseren Alpen und Bergen hernehmen
    Gebiet Kaval bei Rimella
    Standort Stutz
    20. Juni 2015, 0918 0918 0931
    Fotos anklicken!

    Hierbei handelt es sich um das Ivrea-Nickel-Kupfer-Projekt der Firma Nyota aus Perth (!), dessen Evaluierung der ebenfalls australischen Firma Kec Explorations übertragen wurde. Mit Aeroelektromagnetik kann die Leitfähigkeit von Gesteinsschichten im Untergrund bestimmt werden. Geowissenschaftler können mit den gewonnenen Daten feststellen, welche Strukturen sich im Untergrund befinden, wie die Grenzen verlaufen und wo sich fallweise Erz-Lagerstätten befinden. Die kanadische Firma Geotech hat mit ihrem Versatile Time Domain Electromagnetic System inzwischen über 400 Linienkilometer abgeflogen. Im Gebiet der alten Minen der Alpe Laghetto wurde eine über fünf Kilometer lange und erhebliche "conductivity anomaly" (CA) gemessen. Weitere CAs wurden bei zwei anderen alten Minen festgestellt.

    Erkundungsgebiete mit auffälligen CAs
    Courtesy Nyota Minerals Limited
    UTM-Gitterpunkte im 10-Kilometer-Raster
    Grafik anklicken!

    Die Ergebnisse sind vielversprechend und zur weiteren Exploration wurden sofort 500000 AUD bereitgestellt. "The Ivrea Project is focused on the evaluation of that part of the Ivrea-Gabrroic Complex that hosts a number of small mines that operated intermittently between the mid-1800s and early 1900s, with some being brought back into operation between 1937 and 1949. The mines are typical of the lode type, high grade underground style of the time and annual production for the district is recorded as being 30-40 tonnes of nickel from ore with nickel grades typically ranging from 0.3-1.5 percent nickel. The Ivrea Complex has a rare combination of known nickel occurrences, sufficient scale to host a significant nickel deposit, and no modern exploration activities. As well as nickel, there is strong potential for significant by-product credits from copper, cobalt and precious metals. A combination of these factors plus the fact that virtually no systematic exploration has taken place since the mines closed, represents a potential opportunity to build value rapidly." Als beste Gebietskenner haben wir Nyota hier exklusive Informationen über uralte Minen komplette mit GPS-Daten und Tracks der längst total verdschungelten Zugangswege angeboten, die nur wir noch kennen. In 2016 waren die ersten Probebohrungen mit modernen Methoden direkt vor Ort geplant. - Aktualisierung November 2016: Mehrere Analysten sagen, dass der Firma das Geld ausgeht. And that was that!

    Mit dem Klimawandel taut der Permafrost auf. Die dramatischen Folgen sieht man direkt in unserem Arbeitsgebiet an einer Bilderbuch-Hangrutschung mit klarer oberer Abrisskante hier.

    Eine umfangreiche Arbeit über die Geologie der Alpen, mit zahlreichen Grafiken und auch für Laien halbwegs verständlich, steht hier.

    Natur

    Alpine Kulturlandschaften, in denen von der früheren Besiedlung und Nutzung durch den Menschen noch eine rudimentäre Infrastruktur vorhanden ist, werden derzeit endgültig vernachlässigt und aufgegeben. Auch ohne viel Fantasie kann sich jeder ausmalen, dass mit der weiter zunehmenden Verstädterung = Entfremdung des "modernen" Menschen solche Naturlandschaften schon in 10 -15 Jahren zunehmend gefragt sein werden ... falls es sie bis dahin überhaupt noch gibt, denn entvölkerte Gebiete, in denen niemand mehr wohnt und für seine Heimat kämpft, sind stets verschärft bedroht von durchgeknallten Wahnsinnsprojekten wie beispielsweise Übungsplätze für das Militär, künstlich zurechtgesprengte, planierte und disaihnte Skigebiete mit Schneekanonen und Nightlife und Events und Almhof-Tenne und Bierschwemme und Welcome Party und Beautyfarm und Kuhstalldisko und Weiberhimml und Bladercross (Prospekt Galtür in Nordtirol), Endlager für Sondermüll oder Abfälle aus der allseits beliebten Atomindustrie, Raserpisten für Motorräder und Geländefahrzeuge aller Art, 300 Meter hohe Wahnsinnswindräder und dito Staudämme zur ach so umweltfreundlichen Energieversorgung ausgerechnet der tausende Kilometer entfernten und gnadenlos übervölkerten Großstädte, und so weiter.

    Beispielsweise wurde am 1. September 2010 von der Region Piemont eine Durchführungsverordnung zum Forstgesetz von 2009 erlassen, das die Nutzung der Wälder zu Energiezwecken fördert. Das Ziel ist, 20 Prozent des Energiebedarfs mit erneuerbaren Energien zu decken. Die "Biomasse" aus dem Wald soll also brutalstmöglich zur Energieproduktion verwendet werden. Das bedeutet konkret: es werden zuerst mal Hunderte Kilometer neuer "Forststraßen" gebaut ...

    Romantik pur:
    "Forststraße" mitten im Landschaftsschutzgebiet Untersberg bei Salzburg
    Fachleute erkennen auf diesem Foto auch sofort das massive Waldsterben!
    29. September 2007, 1535

    Romantik pur:
    "Forststraße" mitten im Landschaftsschutzgebiet Untersberg bei Salzburg
    29. September 2007, 1517

    ... wie links und rechts und unter diesen Dynamit-Planierraupen-Schneisen alles Leben verreckt, das hat man schon seit Jahrzehnten in den Nord- und Ostalpen gesehen. Dann werden durch die verstärkte Holznutzung automatisch die weiteren wichtigen Funktionen des Waldes in den Hintergrund geraten: die Abwehr von Naturgefahren wie Erdrutsche, Lawinen und Überschwemmungen, der Schutz der Landschaft, die Luftreinigung und die Biodiversität. Ebenfalls massiv bedroht sind die zukünftige Regeneration und Entwicklung der Wälder. Der gesamte Vorgang ist skandalös und erinnert sofort an die idiotische hochintelligente "EU"-Verordnung mit dem sogenannten "Biobenzin" E10, das dann mit dem Solar-Schiff - wer's glaubt! - ach wie umweltfreundlich aus gigantischen Monokulturen aus dem zehntausend Kilometer entfernten Brasilien kommt ... Aktualisierung Oktober 2012: Die Superidioten Intelligenzbestien von der sogenannten "EU" haben es jetzt - zehn Jahre nach dem Rest der Welt und sowieso viel zu spät ist bei diesen Attrappen völlig normal! - auch schon geschnallt, dass das "Biobenzin" ein Gigaflop war. Avanti dilettanti! - Aktualisierung Februar 2017: Eine hervorragende Foto-Dokumentation von GTA-Autor Werner Bätzing über die brutale Umweltzerstörung durch diese idiotischen sanftschonenden Schotterstraßen gibt es hier.

    Die restlichen Einwohner im Sesiatal lieben ihre Heimat und bekämpfen derartigen Wahnsinn. Mit unserem sanften Tourismus unterstützen wir direkt die Einheimischen, die wir sowieso alle persönlich kennen, und nicht irgendwelche kommerziellen Reiseverunstalter. Glücklicherweise konnte das Wildnisgebiet Rimella und Mastallonetal bis jetzt noch seine einzigartige Ursprünglichkeit bewahren. Wenn Ihnen

    etwas bedeuten, dann werden Sie sich hier wohlfühlen. Zahlreiche Weitwanderer auf der GTA und viele Teilnehmer an unseren Bergwanderungen in Rimella haben unabhängig voneinander schon festgestellt: "Ich habe mich trotz der körperlichen Anstrengung noch nie so gut erholt!" Ecco. Referenzen finden Sie hier. Ci vediamo lassù!

    N I X

    Außerhalb der Hauptsaison sind Rimella und das legendäre Albergo Fontana der ideale Ort, um einfach mal eine Woche lang N I X zu tun, und abends erst noch ungestört und fantastisch gut zu essen. Es hat sich nicht nur eine Schrägstrich einer schon wochenlang dort oben eingenistet, um für einmal wirklich in aller Ruhe die garantiert nichtgeguugeltplagiierte Schrägstrich geguttenbergte Doktorarbeit zu schreiben! Schlimmstenfalls ist man abends - N U R abends! unter der Telefonnummer des Hotels beim ziggängigen Menü erreichbar. Wir bieten keine "Seminare zur Streßvermeidung und zum Zeitmännädschment" (Spiegel vom 25. Juli 2011) an. Oder war es Streßmännädschment und Zeitvermeidung??? Bei uns gibt es nur Nixtun und Wandern und Essen und Schlafen. Abenteuerkurse für abgebrannte Aufsichtsräte suchen Sie ebenfalls bitte woanders. "Laggsörry Spa änd Kaltscheral Haidawei"? Nicht bei uns! Was wir sowieso schon seit Jahrzehnten leben, hat jetzt (2019) ebendiese Medienmeinungsmafia endlich auch schon kapiert: wenn ich weg bin, dann bin ich weg, und damit basta, denn der ganze Digitalstreßschrott bleibt mit diabolischem Dauergrinsen durchgehend abgeschaltet, und das ist guuut sooo. Erreichbarkeit rund um die Uhr, Fernsehen, Aaai-Foun, E-Müll, "störe ich Sie gerade", Böööhrn-Aut, Telefon, Guuugel Niuuuhs, Feißbugg, "wir bräuchten das halt bis morgen", Skaip, Fäggs, Lamadrecking für Führungskräfte, Naffi, Bläggbärri: LÄGGMEAMARSCH! Wenn zuhause gerade die Bude abbrennt oder die Firma tobt (oder umgekehrt) oder die Familie zickt, dann ist das sowieso egal, denn selbst mit Geld ohne Ende und Taxi und Flugzeug ex Malpensa würde man mindestens einen halben Tag benötigen, um ins alltägliche gewohnte Chaos zurückzukehren. Lascia perdere - im doppelten Sinne!

    Das Alltagsleben zuhause in der "Zivilisation" ist total verlärmt. Rund um die Uhr dröhnen Autos, Fernseher, Fluchzeuche, Radios und irgendwelche Geräte und Maschinen. Tag und Nacht quäken Ipods und Ischrotts. In Bahnen und Bussen labern Typen und Tussen pausenlos in ihre Taschentelefone.

    Auf dem supereinsamen Gipfel des Trullo oder auf der Cima di Rondo ... Man schaut fast 300 Kilometer weit runter bis in die Toskana und ein paar Kilometer rauf zum Monte Rosa. Im Gras summen eine Handvoll Hummeln. In der Luft zischen die Mauersegler um den Gipfel herum. Ein leichter Wind trägt fetzenweise das kilometerweit entfernte sanfte Klingeln der Kuhglocken von der Alpe Bedemje herüber. Wenn die Graziella wegen dem Alter nicht mehr z'Alp geht, wie lange noch ... Auf einem Felsen oben an der Cima Cevia trillert ein Rotschwänzchen. Die Ziegen von der Ida auf der Alpe Sinanecca ziehen wie gewohnt in Reih und Glied über den Pass Brütt herauf, um die leckeren Kräuter ganz oben am Gipfel zu schlecken, und bleiben erstaunt stehen. Von der vorsichtigen Leitgeiß tönt ein fragendes Gemecker herüber. Die neugierigen Zicklein hingegen kommen zögernd näher und schlecken unter dem Gebimmel ihrer hellen Glöckchen das Salz von unseren Händen.

    Zicklein an der GTA
    Im Hintergrund San Gottardo
    6. Juni 2011, 1127
    Foto anklicken!

    Drüben am Kaval löst sich ein Stein, den ein einsamer Gams losgetreten hat. Und sonst hört man ...

    N I X !


    Der Autor

    Jörg Klingenfuss

    Initiative Pro Rimella
    Hagenloher Str. 14
    D-72070 Tübingen
    Telefon 07071 62830
    Fax 07071 600849
    E-Mail info@rimella.de

    Mitglied CAI Sektion Varallo

    Wichtiger Hinweis: Sie können uns einfach via E-Mail anschreiben und/oder Bestellungen zuschicken. Beachten Sie aber bitte, dass E-Mail oft unzuverlässig ist. Wenn Sie von uns innerhalb einer vernünftigen Zeit, das heißt nach 48 Stunden, noch keine Antwort erhalten haben, dann haben wir Ihre Mitteilung nicht erhalten. Außerdem wird E-Mail nicht sofort beantwortet, während wir unterwegs sind, also laufend zwischen April und Oktober und insbesondere vor, während und nach den von uns organisierten und begleiteten Bergwanderungen in Rimella und im Sesiatal; die Termine stehen hier. Verwenden Sie unbedingt intelligente Texte als Betreff, beispielsweise Bestellung GTA-Wanderkarten oder Anfrage Rimella Bergwandern und nicht einfach Bestellung oder Anfrage, denn so etwas landet more often than not zusammen mit den "Viagras" im Spamfilter!